Dänischer Fregattenbedarf: NVL will neue Lenkwaffenfregatte GMF 120 anbieten

Alexander Luck

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Der deutsche Schiffbauer Naval Vessels Lürssen (NVL) hat letzte Woche auf den DALO Industry Days 2025 in Ballerup ein neues Fregatten-Design vorgestellt. NVL nennt das Konzept „GMF 120”. Die Bezeichnung steht für „Guided Missile Frigate” (Lenkwaffenfregatte) und bezieht sich auf die Rumpflänge des Kriegsschiffes von 120 Metern.

Mit der GMF 120 zielt NVL auf den dänischen Bedarf an neuen Luftverteidigungsfregatten im Rahmen des kürzlich vorgestellten „Flottenplans” ab. Der Hersteller sieht jedoch auch über Dänemark hinaus einen theoretischen Bedarf in anderen Teilen Nordeuropas und darüber hinaus für ein mittelgroßes Kriegsschiff, das dennoch über eine beachtliche Bewaffnung und Mehrrollenfähigkeit verfügt.

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Kompakte Rumpfform trotz dem allgemeinen Trend

Die GMF 120 zeichnet sich durch ihre für ein Schiff dieser Klasse ungewöhnlich kurze Gesamtlänge von nur 121,1 Metern bei einem Tiefgang von fünf Metern aus. Die Breite von 19 Metern sorgt für einen gedrungenen Rumpf, der viel Platz für Waffensysteme, Antrieb und andere Ausrüstung bietet. NVL gibt keine Verdrängung für die GMF 120 an. Basierend auf den Gesamtabmessungen schätzt die hartpunkt-Partnerseite Naval News die Verdrängung bei voller Beladung auf etwa 5.000 Tonnen. Zum Vergleich: Die dänischen Luftverteidigungsfregatten der Iver-Huitfeldt-Klasse haben eine Verdrängung von 6.645 Tonnen bei voller Beladung. Die Schiffe sind 138,7 Meter lang, 19,8 Meter breit und haben einen Tiefgang von 6,5 Metern.

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Die moderate Größe steht in deutlichem Kontrast zu dem jüngst zu beobachtenden globalen Trend. Neue Mehrzweck-„Fregatten” anderer Marinen erreichen leicht die doppelte Verdrängung der GMF 120 und übertreffen diese sogar, mit Ausnahme der französischen FDI. Laut Naval News vertritt NVL jedoch die Ansicht, dass ein kompakteres Kriegsschiffdesign für viele kleinere und Küstenmarinen, die ein flexibles Einsatzspektrum abdecken müssen, wünschenswert ist.
Die GMF 120 verfügt über einen umgekehrten oder vertikalen Bug und einen vollständig geschlossenen vorderen Rumpf. Diese Merkmale kommen bei Kriegsschiffen der neuen Generation zunehmend zum Einsatz.

Schwere Flugkörperbewaffnung für Luftverteidigung und Überwasserangriffe

Die GMF 120 verfügt über eine bedeutende Flugkörperbewaffnung mit insgesamt 64 Zellen für das Mk 41 VLS in Strike-Länge. Das vertikale Abschusssystem ist über den Bug und den Mittelteil verteilt, mit jeweils 32 Zellen pro Magazin. Für die Luftverteidigung im Nahbereich verfügt das Design über zwei Mk-49-Werfer für RIM-116-RAM-Systeme mit einer Gesamtkapazität von 42 Flugkörpern.

Die Anti-Schiffs-Flugkörperkapazität umfasst insgesamt zwölf Flugkörper, die auf sechs Doppelwerfer verteilt sind. Zwei Werfer befinden sich hinter dem vorderen Aufbau vor dem zweiten VLS. Weitere vier Werfer befinden sich auf dem Hangar, vor dem nach achtern gerichteten RAM. Das im Rahmen der DALO Industry Days ausgestellte Modell ist mit dem Anti-Schiffs-Flugkörper RBS-15 von SAAB ausgerüstet. Dies deutet jedoch nicht unbedingt auf eine bevorzugte Konfiguration hin.

Zur Bewaffnung gehören zudem eine 76-mm-Kanone von Leonardo vor dem vorderen RAM sowie drei 30-mm-Maschinenkanonen vom Typ Rheinmetall Sea Snake: eine vor der Brücke und zwei am Heck. Vier Rheinmetall MASS-Täuschkörperwerfer bieten zusätzlichen Schutz. Der Antrieb besteht aus Dieselmotoren und einer Gasturbine, die zwei Propeller antreiben und eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten ermöglichen. Ein Bugstrahlruder erhöht die Manövrierfähigkeit im Hafen.

Radarsystem von Thales und modulares Nutzlastsystem von CUBE

Die Sensorkonfiguration besteht aus einem APAR Block 2 X-Band-AESA-Multifunktionsradar von Thales Nederland auf dem Hauptmast. Thales wirbt damit, dass das APAR Block 2 in der Lage ist, ESSM Blk 2- und SM-Raketen der neuen Generation über die JUWL-Datenverbindung zu führen. Das Radar soll auch auf den deutschen F126-Fregatten und den neuen niederländisch-belgischen U-Jagd-Fregatten zum Einsatz kommen. Auf dem sekundären Mast befindet sich ein rotierendes Thales NS200 S-Band-AESA-Panel für die Luft- und Seeraumueberwachung. Die GMF 120 verfügt über ein breites Flugdeck und zwei Hangars. In einem Hangar kann ein mittlerer Transporthubschrauber der 10-Tonnen-Klasse untergebracht werden. Die andere Anlage kann beispielsweise für kleinere VTOL-Drohnen genutzt werden.

Das Flugdeck zeichnet sich außerdem durch das von der dänischen Firma SH Defense entwickelte Skidding-System aus. Es ist auf das proprietäre CUBE-Nutzlastsystem abgestimmt. CUBE bietet Missionsmodule für eine Reihe von Anwendungen. Diese werden entweder auf dem Flugdeck, im Hangar oder in einem Missionsraum montiert, sofern vorhanden.

ASW-Fähigkeit, geringe Besatzungsstärke und industrielles Work-Share-Angebot

Zur U-Boot-Bekämpfung kann die GMF 120 ein Schleppsonar sowie ein Tauchsonar mit variabler Tiefe mitführen. Im Bug ist zudem Platz für ein am Rumpf montiertes Sonar. Außerdem verfügt die Fregatte über leichte Torpedowerfer vor den RHIB-Bays an Back- und Steuerbord.

Die Gesamtbesatzungskapazität des Schiffes ist auf 120 Personen konzipiert. Laut NVL hat das Schiff jedoch einen geringen Personalbedarf und ist für eine reguläre Besatzung von 100 Seeleuten ausgelegt.

Dänemark beabsichtigt die Modernisierung seiner Flotte an Luftverteidigungsfregatten durch eine noch zu definierende Arbeitsaufteilung mit der lokalen Industrie zu realisieren. NVL schlägt vor, das staatliche Infrastrukturunternehmen Sund & Bælt am Bau der GMF 120 zu beteiligen. Das Unternehmen führt derzeit das Fehmarnbelt-Tunnelprojekt zwischen Dänemark und Deutschland durch. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten von Sund & Bælt in Rødby auf der dänischen Insel Lolland zu nutzen, um ein Angebot für die Königlich Dänische Marine auf Basis der GMF 120 zu unterbreiten.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien. Der Beitrag erschien erstmalig am 27.08.2025 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.