Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte Verteidigungsunternehmen Helsing und der Bremer Satellitenbauer OHB gründen ein Gemeinschaftsunternehmen zur Entwicklung eines weltraumbasierten taktischen Überwachungs-, Aufklärungs- und Zielerfassungssystems. Wie Helsing in einer Mitteilung schreibt, lautet der Arbeitstitel des Projektes KIRK – Künstliche Intelligenz und Raumfahrt-Kompetenz. Zugleich übernehmen die beiden Unternehmen den Angaben zufolge die gemeinsame Führung des Konsortiums von Helsing, Kongsberg Defence & Aerospace und Hensoldt, dem OHB als neuer Partner beitritt. Das Konsortium schließe eine kritische Fähigkeitslücke auf dem modernen Gefechtsfeld.
Da traditionelle Aufklärung allein nicht mehr ausreiche, entwickele das Konsortium eine weltraumbasierte taktische Überwachungs- und Aufklärungslösung und kombiniere diese mit einem KI-basierten Zielerfassungssystem. Das ermöglicht laut Mitteilung die Zielerfassung in nahezu Echtzeit und bildet die Grundlage für den Einsatz moderner Abstandswaffen. Offenbar zielen die vier Partner mit ihrer Zusammenarbeit auf das satellitengestützte Aufklärungsprogramm SPOCK 2 der Bundeswehr, das sich in Vorbereitung befindet.
Bereits im Dezember 2025 haben Helsing, Kongsberg und Hensoldt eine Partnerschaft für den Aufbau eines europäischen weltraumgestützten Systems zur taktischen Erfassung vereinbart. Mit OHB werde diese Allianz nun um einen weiteren Partner erweitert. Helsing und OHB übernehmen durch das Gemeinschaftsunternehmen KIRK laut Mitteilung gemeinsam die Rolle als Konsortialführer.
Das Konsortium arbeitet den Angaben zufolge an einer radikalen Verkürzung der Latenzzeit zwischen Datenerfassung und Zielbekämpfung („time to information“). Es setzt dafür auf einen softwarezentrierten Ansatz – unter anderem die Implementierung von KI zur Steuerung des Gesamtsystems und der Verbesserung der Echtzeit-Fähigkeit durch KI-Optimierungen bei den Onboard-Fähigkeiten. Die Satelliten selbst werden „software-defined“ implementiert und werden dadurch neuen Bedrohungslagen dynamisch begegnen können, wie aus der Mitteilung hervorgeht.
Die Partner bringen dafür ihre komplementären Fähigkeiten und Schlüsseltechnologien ein:
- Helsing soll einsatzerprobte Künstliche Intelligenz für den Weltraum liefern, einschließlich echtzeitfähiger On- und Offboard-Datenverarbeitung, Multisensorfusion und automatisierter Zielerkennung.
- OHB verantwortet die Implementierung und den Betrieb von schlüsselfertigen End-to-End-Raumfahrtsystemen für Erdbeobachtung, Kommunikation, Navigation und Aufklärung sowie die Entwicklung fortgeschrittener Nutzlasten.
- Hensoldt stellt weltraumtaugliche Sensorik für allwetterfähige, persistente Überwachung und hochpräzise Erdbeobachtung bereit und bringt mobile Bodenstationen sowie bestehende Systemfähigkeiten ein.
- Kongsberg liefert End-to-End-Systeme einschließlich Kleinsatelliten, sicherer Kommunikation, C4ISR-Integration und eines globalen Bodenstationsnetzwerks (KSAT).
Vorgesehen sei darüber hinaus eine gezielte Beteiligung von KMU, Start-ups und Zulieferern, schreibt Helsing. Auf diese Weise werde die Expertise und Innovationskraft dieser Unternehmen frühzeitig in das Gesamtvorhaben eingebracht und zugleich das Ziel der Bundesregierung, eine technisch exzellente, weltmarktfähige Raumfahrtökonomie aufzubauen, gestärkt.
Gundbert Scherf, Co-CEOund Co-Founder von Helsing, wird mit den Worten zitiert: „Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig weltraumbasierte Zielerfassung ist. Er zeigt auch, dass wir keine Zeit zu verlieren haben und integrierte Verteidigungssysteme im Weltraum, deren Leistung auf ihren Softwarefähigkeiten basiert, so schnell wie möglich bereitstellen müssen. Wir müssen sicherstellen, dass Europa den Kampf um seine Souveränität im Orbit gewinnt.“
lah


















