Der Rüstungskonzern Airbus Defence and Space und Kratos Defense & Security Solutions haben vor wenigen Tagen den ersten Flug des unbemannten Kampfflugzeugs „U740 Valkyrie“ in Europa erfolgreich durchgeführt. Die Unternehmen liegen damit im Plan, bis 2029 ein einsatzbereites, unbemanntes Collaborative Combat Aircraft (CCA) anzubieten, das die operativen Anforderungen der deutschen und anderer europäischer Streitkräfte abdecke, schreibt Airbus.
Der Flug habe den Angaben zufolge auf einer Testanlage in Nordeuropa stattgefunden und alle gesetzten Ziele erreicht. Dem Vernehmen nach soll es sich um Schweden handeln.
Bei dem Test wurde das Flugzeug von einer Rampe mit Unterstützung von Raketen, die nach zwei Sekunden abgeworfen wurden, gestartet und flog Manöver in verschiedenen Höhen und Geschwindigkeiten von bis zu Mach 0,8. Dabei seien auch Missionsanpassungen während des Fluges vorgenommen worden. Nach Angaben von Airbus wurden Höhen von bis zu 30.000 Fuß erreicht, allerdings wurde noch kein taktisches Missionsprofil geflogen.
Dieses Debüt ebne den Weg für weitere, anspruchsvollere Testflüge mit dem integrierten Airbus-Missionssystem „Multi-platform Autonomous Reconfigurable and Secure“ (MARS), schreibt das Unternehmen. Increment 1 von MARS soll beim nächsten Flugtest Mitte des kommenden Jahres auf die Maschine gebracht werden. Weitere Testflüge sind für Ende 2027 sowie Anfang 2028 vorgesehen. Beim Test waren laut Airbus keine Beobachter der Bundeswehr, jedoch solche einer anderen Nation zugegen.
Airbus will nach eigenen Angaben auch das Verfahren Manned-unmanned teaming und den Abwurf von scharfer Munition testen, sollte letzteres von der Bundeswehr unterstützt werden.
Airbus bezeichnet MARS als „europäisches Gehirn“ des Flugzeugs für die vollständige Kontrolle über Software, Missionsanwendungen, -daten sowie -systemhardware. Dies gewährleiste deutsche und auch europäische Souveränität beim operativen Einsatz der Valkyrie. MARS nutze KI-gestützte Software, um Missionen autonom durchzuführen und gesamte Missionsverbände zu koordinieren. Über eine strenge Kontrollhierarchie bleibe ein Mensch ständig „in-the-loop“, damit alle kritischen Entscheidungen den festgelegten Einsatzregeln sowie ethischen und rechtlichen Standards entsprechen.
Nach Absolvieren des Flugprogramms landete die Valkyrie per Fallschirm und wurde danach geborgen. Umgesetzt wurde der Test den Angaben zufolge von einem gemischten Airbus/Kratos-Team. Airbus rechnet noch in diesem Jahr mit der Vergabe einer kleinen Studie, bei der auf die Nutzungsparameter des Flugzeugs und den Einsatz bei der Luftwaffe eingegangen werden soll. Womöglich folge im kommenden Jahr ein größerer Auftrag, bei dem auch Flugdemonstrationen enthalten sein könnten.
Das von Airbus genannte Zieldatum von 2029 galt lange Zeit als verbindliche Vorgabe für die Einführung einer sogenannten Jagdbomberdrohne in die Bundeswehr. Dieses Datum wurde jedoch dem Vernehmen nach gekippt, und das BMVg arbeitet gegenwärtig mit Hochdruck daran, wie der Wettbewerb weitergeführt werden soll.
Neben Airbus mit der Valkyrie hatten sich Boeing und Rheinmetall mit der MQ-28A Ghost Bat, Helsing mit der CA-1KA sowie zuletzt auch General Atomics mit der Gambit 6 gute Chancen auf einen Zuschlag beim Jagdbomberdrohnen-Programm ausgerechnet. Wie immer auch das Verfahren weitergeführt wird, Beobachter gehen davon aus, dass eine Jagdbomberdrohne das gegenwärtig unter Federführung des Bundeswehr-Beschaffungsamtes BAAINBw im Rahmen des „Combat Fighter System of Systems Nucleus“-Programms in Entwicklung befindliche Missionssystem aufnehmen muss. Nationale Beschränkungen bei der Nutzung dieses Missionssystems, etwa durch die US-Regierung, würden offenbar zu einem Ausschluss führen.
„In einer zunehmend komplexen und umkämpften Bedrohungslage benötigen Luftstreitkräfte heute bezahlbare Kampfmasse“, sagte Michael Schöllhorn, CEO von Airbus Defence and Space, laut Mitteilung. „Durch die Kombination der bewährten Flugzeugzelle von Kratos als „Program of Record“ mit dem europäischen Missionssystem von Airbus können wir bis zum Ende des Jahrzehnts ein robustes, souveränes, bezahlbares und einsatzbereites CCA-System anbieten.“
Das Flugzeugdesign ermögliche operative Resilienz durch die Fähigkeit zum Start von einer Rampe, biete optional aber auch die Möglichkeit, von Startbahnen abzuheben und zu landen, so Schöllhorn.
Mit einer Länge von 9,1 m und einer Spannweite von 8,2 m verfügt die U740 Valkyrie über einen internen Waffenschacht sowie externe Laststationen unter den Tragflächen, wie Airbus schreibt. Sie habe ein maximales Abfluggewicht von etwa drei Tonnen, eine Reichweite von über 5.000 Kilometern und eine Dienstgipfelhöhe von 45.000 Fuß. Die U740 Valkyrie sei darauf ausgelegt, autonom oder unter der Führung bemannter Kampfflugzeuge wie dem Eurofighter zu operieren, um riskante Einsätze durchzuführen und bemannte Systeme zu schützen.
Lars Hoffmann
















