F128 – BMVg will Auftrag zum Bau von vier neuen MEKO-Fregatten vergeben

Lars Hoffmann

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Das Verteidigungsministerium will noch vor der anstehenden Sommerpause die sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlage für die Beschaffung für vier neue Fregatten der Klasse MEKO A-200 DEU (F128) durch den Bundestag bringen. Bereits vor einigen Monaten hatte das BMVg einen Vorvertrag mit dem Hersteller TKMS geschlossen, damit dieser die Bestellung von Langläuferteilen bei Lieferanten auslösen und selbst mit dem Bau beginnen konnte. Der finale Vertrag für die auch als F128 titulierten Schiffe steht jedoch noch aus. Der Vorvertrag war geschlossen worden, um eine Alternative zur bereits damals in Schwierigkeiten steckenden F126 zu haben. In der vergangenen Woche hat das BMVg schließlich das Projekt F126 abgebrochen.

Nun geht es dem Vernehmen nach in dem Vertrag neben dem Bau und der Lieferung der vier Fregatten auch um eine Option zur Lieferung von bis zu vier baugleichen Fregatten der gleichen Klasse, die bis zum Jahresende gezogen werden kann. Für die Beschaffung der vier ersten Schiffe wird gut informierten Kreisen zufolge mit einem Finanzbedarf von rund 6,63 Milliarden Euro brutto kalkuliert.

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Sollte die Option gezogen werden, werden die Kosten für das zweite Los von vier Fregatten mit rund 5,3 Milliarden Euro brutto beziffert, wie es heißt. Die erste Fregatte soll bereits im Dezember 2029 ausgeliefert werden, die weiteren folgen dann im Abstand von neun Monaten.

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In Bundestagskreisen war in der vergangenen Woche auf Unverständnis gestoßen, dass der Einzelpreis einer MEKO-Fregatte entgegen den ursprünglichen Schätzungen des Herstellers um rund 70 Prozent auf etwa 1,57 Milliarden Euro gestiegen ist. Wie es heißt, liegt dies unter anderem daran, dass die ursprüngliche Kalkulation von der Abnahme von acht Schiffen ausgegangen war. Durch die verminderte Stückzahl wird jede Fregatte nun um über 130 Millionen Euro teurer, dazu muss TKMS ursprünglich nicht berücksichtigte Komponenten (beispielsweise VLS-Starter der Stirke-Länge) beschaffen, was mit einem Plus von rund 15 Prozent zu Buche schlägt. Über 100 Millionen entfallen auf die Preissteigerungen bei Unterauftragnehmern, jedoch nur etwa 80 Millionen auf Mehrforderungen der Marine, die sich zum Beispiel auf die Verbesserung der Drohnenabwehrfähigkeit der Fregatte auswirken. Der Rest resultiert aus Dingen wie Obsoleszenzbereinigungen, Unterstützungsleistungen oder Kosten für Bankgarantien.

Beim Standard-Schiffsentwurf der MEKO A-200 handelt es sich um ein modulares Fregattendesign mit 121 Metern Länge, 16,4 Metern Breite und einer Verdrängung von 3.950 Tonnen. Wie der Hersteller auf seiner Webseite schreibt, wird die MEKO A-200 durch ein CODAG-WARP-System angetrieben, das eine Höchstgeschwindigkeit von über 29 Knoten ermöglicht. Der Hangar bietet Platz für zwei Helikopter der 6-Tonnen-Klasse oder einen 11-Tonnen-Helikopter (beispielsweise vom Typ NH90) und bis zu zwei unbemannte Flugsysteme. Die Bundeswehr nutzt für ihre Schiffe nur noch den größeren NH90.

Für Australien wurde die MEKO A-200 – dieser Entwurf gilt als Basis für die deutsche Variante – dem Vernehmen nach mit folgender Bewaffnungsoption angeboten:

  • 76mm-Schiffsgeschütz
  • 16 Seezielflugkörper
  • 16 MK41 Tactical VLS-Zellen für die Aufnahme von bis zu 64 „ESSM-Block 2“-Flugkörpern
  • Nahbereichsverteidigungssystem

Für den Nahbereichsschutz der F128 ist offenbar ein RAM-Starter mit Flugkörpern anstelle der Phallanx-Lösung für Australien sowie 30mm-Marineleichtgeschütze vorgesehen, bei den Seezielflugköpern wurde nach Informationen von hartpunkt die Naval Strike Missile von Kongsberg ausgewählt. Die Zahl der VLS-Zellen und Flugkörper-Startrohre des australischen Entwurfs könnte womöglich auch der F128 nahekommen.

Der Schwerpunkt der deutschen MEKO-Fregatten wird auf der U-Boot-Jagd liegen. Dazu werden sie mit einem modernen Schleppsonar von Atlas Elektronik ausgestattet. Beobachter gehen davon aus, dass zusätzlich ein Bugsonar eingerüstet werden könnte. Träfe dies zu, würde die F128 gegenüber der F126 über zusätzliche Fähigkeiten verfügen.

Wichtigster Unterauftragnehmer wird der schwedische Rüstungskonzern Saab sein, der auch beim Australien-Angebot beteiligt war. Das Unternehmen liefert neben dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) mit der Bezeichnung 9LV auch die Radare und ist für die Integration zuständig. Beim Radar handelt es sich um fest installierte Panele im S-Band, die in eine leichte Turmkonstruktion integriert werden.

Gebaut werden die Schiffe dem Vernehmen nach bei der Stahlbau Nord GmbH, einem Unternehmen der Heinrich Rönner Gruppe. Die Werft hatte bereits den Bau der für Ägypten vorgesehenen MEKO-Fregatten übernommen. Damit werden die am F126-Projekt beteiligten Werften von Rheinmetall Naval (ehemals NVL) sowie German Naval Yards nicht berücksichtigt.

Im Gegensatz zur F126 dürften auch die dort beteiligten Unterauftragnehmer Thales, Hensoldt und Rohde & Schwarz nach gegenwärtigem Stand nicht in nennenswerten Umfang beim Projekt der F128 beteiligt werden. So gehen Beobachter davon aus, dass die EloKa-Suite von Elbit Systems Deutschland kommen dürfte. Allerdings wird Generalauftragnehmern in Beschaffungsverträgen oftmals eingeräumt, selbständig Unterauftragnehmer zu wechseln. TKMS-CEO Oliver Burkhard hatte nach dem Abbruch des F126-Vorhabens angedeutet, dass er womöglich Unternehmen aus diesem Projekt auch beim MEKO-Vorhaben einbinden könnte.

Lars Hoffmann