Rheinmetall Destinus Strike Systems legt Programm-Planungen fest

Lars Hoffmann

Anzeige

Das europäische Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall Destinus Strike Systems hat auf der in dieser Woche in Paris stattfindenden Messe Eurosatory seine Prioritäten für die kommenden Monate festgezurrt. So will das Unternehmen die Einführung des Marschflugkörpers Ruta Block 3, mit dem Langstreckenangriffe in über 2.000 Kilometern Entfernung mit einem Gefechtskopf von bis zu 250 Kilogramm angestrebt werden – beschleunigt vorantreiben. Überdies soll die Herstellung der ersten gemeinsamen Produkte, den Marschflugkörpern Kryla und Ruta Block 2, in Kürze aufgenommen werden, wie Rheinmetall mitteilt.

Grundlage für die Planungen sei ein unterzeichnetes Term Sheet; die finale Gesellschaftervereinbarung stehe kurz vor der Unterzeichnung. Im Joint Venture zwischen Destinus und Rheinmetall, will Destinus seine Technologie mit der industriellen Skalierung von Rheinmetall verbinden.

Anzeige

Für die logistische Unabhängigkeit errichtet Rheinmetall Destinus Strike Systems eine eigene Anlage für Endmontage, Integration und Erprobung in Deutschland; die erste Lieferbereitschaft ist für 2026 vorgesehen. Destinus liefert die technologischen Kernkomponenten der Flugkörper, Rheinmetall die energetischen Komponenten – Gefechtsköpfe und Booster-Raketenmotoren. Der Düsseldorfer Konzern baut gegenwärtig im niedersächsichen Unterlüß ein großes Werk für Raketenmotoren auf.

Anzeige

Der Ruta Block 3 ist den Angaben zufolge auf die Bekämpfung von hochwertigen und gehärteten Ziele fin der Tiefe ausgelegt und wird ausschließlich aus Standard-Containern gestartet, die auf Fahrzeugplattformen – darunter Rheinmetall HX Trucks – und in maritimen Anwendungen eingesetzt werden können. Die Feuerbereitschaft soll in rund zwei Minuten erreicht werden.

Ziel ist die NATO-Qualifizierung, um den Ruta Block 3 für alle NATO- und EU-Mitgliedstaaten verfügbar zu machen. „Gemeinsam treiben wir die NATO-Qualifizierung auf einem beschleunigten Weg voran, eingebettet in bestehende Programme für europäische Verteidigungsministerien. So stellen wir den europäischen Streitkräften zügig ein einsatzbereites, zertifiziertes und vollständig europäisches Wirkmittel zur Verfügung“, wird Roman Köhne, Leiter der Division Weapon and Ammunition von Rheinmetall in der Mitteilung zitiert.

Den Auftakt der gemeinsamen Produktion sollen die beiden ersten Produkte des Joint Ventures machen. Kryla ist ein kompakter, kosteneffizienter Marschflugkörper mit 50-kg-Gefechtskopf für massierte Sättigungsschläge; er startet aus Containern und aus gängigen Raketenartillerie-Werfern (MLRS).

Ruta Block 2 trägt einen 250-kg-Gefechtskopf, ist auf hohe Zielwirkung gegen hochwertige und gehärtete Ziele ausgelegt und wird ausschließlich aus Containern gestartet.

„Wir setzen konsequent auf den Start aus standardisierten Seecontainern. Das gibt unseren Kunden maximale Flexibilität: Unsere Systeme lassen sich auf nahezu jeder Land- und Seeplattform sowie über bestehende Logistikketten verlegen, verbergen und in kürzester Zeit in Feuerbereitschaft bringen“, so Mikhail Kokorich, Gründer und CEO von Destinus.

Wie Kokorich im Gespräch mit hartpunkt in Paris erläutere, ist es das Ziel, die Ruta Block 3 mit einer Reichweite von 2.000 Kilometern bis Ende 2027 fertigentwickelt zu haben. Er betonte, dass sein Unternehmen, das Marschflugkörper in den Niederlanden produziert, großen Wert auf eine hohe vertikele Integration legt.

Wie es in einer heute veröfftentlichen Mitteilung von Destinus heißt, hat das Unternehmen einen bedeutenden Meilenstein in der Produktion erreicht und im Jahr 2026 sein 1.000. Turbstrahltriebwerk des Typs T150 fertiggestellt. Das T150 wurde den Angaben zufolge in Europa eigenständig entwickelt und hergestellt und treibt die Marschflugkörper-Familie Ruta B1 und Ruta B2 an, womit es die Serienproduktion und den operativen Einsatz unterstützt. Dieser Meilenstein stärkt Europas Fähigkeit, Antriebe für Marschflugkörper im industriellen Maßstab zu produzieren.

Der Antrieb bleibe ein entscheidender Engpass bei der skalierbaren Produktion von Marschflugkörpern, schreibt Destinus. Das T150-Programm geht dieses Problem direkt an – mit einem Turbostrahltriebwerk, das von Destinus von Grund auf neu entwickelt und auf einer europäischen Produktionslinie gefertigt werde, die auf wiederholbare, qualifikationsorientierte Produktion ausgelegt sei.

Durch die interne Steuerung von Triebwerkskonstruktion und -fertigung verringert Destinus nach eigenen Angaben die Abhängigkeit von externen Antriebslieferanten, die in der Vergangenheit die Produktionsraten europäischer Marschflugkörper begrenzt haben. Die T150-Produktionslinie sei auf einen kontinuierlichen Ausbau ausgelegt und unterstützt sowohl die aktuelle „Ruta“-Produktion als auch die geplante Kapazitätserweiterung, unter anderem durch das Joint Venture „Rheinmetall Destinus Strike Systems“. Die Ruta Block 3 solle von dem ebenfalls intern entwickelten Turbojet-Triebwerk der nächsten Generation, dem T220, angetrieben werden.

Lars Hoffmann