Aufgrund der mehrjährigen Verzögerung bei der Auslieferung von beschafften US-Luftverteidigungssystemen des Typs Patriot untersucht das Schweizer Bundesamt für Rüstung armasuisse im Rahmen des Vorhabens Bodluv GR 2 gegenwärtig Alternativsysteme aus vier Ländern. Bodluv GR steht für „Bodengestütztes Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite“.
Wie hartpunkt bereits letzte Woche Freitag berichtete, hat die Schweiz bei Herstellern aus vier Nationen (Deutschland, Frankreich, Israel und Südkorea) um Zusendung von Informationen gebeten, die als Grundlage für eine mögliche Beschaffungsentscheidung eines zusätzlichen Luftverteidigungssystems dienen könnte. Hintergrund der Anfrage ist die mehrjährige Verzögerung bei der Auslieferung des US-Luftverteidigungssystems Patriot, von denen die Schweiz fünf Feuereinheiten geordert hat. Der Bundesrat habe deshalb im März 2026 das Verteidigungsministerium VBS beauftragt, die Beschaffung eines zusätzlichen Systems zu prüfen, das vorzugsweise in Europa produziert werden soll. Dabei könne es sich entweder um ein europäisches System oder um ein außereuropäisches System handeln, das in Europa hergestellt wird. Damit sollen laut armasuisse einerseits Abhängigkeiten von einzelnen Lieferketten beziehungsweise einzelnen Staaten reduziert und andererseits die Verfügbarkeit besser abgesichert werden.
Bereits am Freitag hat die armasuisse mitgeteilt, dass die angefragten Unternehmen aus den vier Nationen fristgerecht eingereicht haben. Die eingegangenen Informationen werden den Angaben der armasuisse zufolge nun aus militärischer, technischer und kommerzieller Sicht analysiert und sollen als Grundlage dienen, damit die Schweizer Regierung, der Bundesrat, noch im Sommer über das weitere Vorgehen befinden könne.
Auf Anfrage von hartpunkt wollte ein Sprecher der armasuisse keine Auskunft zu der Bezeichnung der angefragten Systeme geben. „Im Unterschied zu einer Evaluation, bei welcher wir die Hersteller resp. die Systeme nennen, sind bei einem RfI die Angaben (noch) vertraulich“, so der Sprecher. Gleichwohl gab er an, dass Informationen für mehr als vier Luftverteidigungssystemen bei der armasuisse eingereicht wurden. Somit dürfte mindestens aus einem Land mehr als nur ein System als potenzielles Bodluv GR 2 betrachtet werden.
Bei den Systemen aus Deutschland und Frankreich dürfte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Iris-T SLX von Diehl Defence und SAMP/T NG von Eurosam handeln. Israel verfügt mit David’s Sling von Rafael Advanced Defense Systems und Barak MX von Israel Aerospace Industries gleich über zwei Systeme, die sich unter Umständen als Bodluv GR 2 eignen würden. Aus Südkorea dürfte hingegen nur das L-SAM von Hanwha Aerospace und LIG Nex1 als Luftverteidigungssystem großer Reichweite in Betracht kommen.
Waldemar Geiger















