Lehren aus dem Ukrainekrieg – Niederlande wollen amphibische Brückensysteme beschaffen

Waldemar Geiger

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Die niederländischen Streitkräfte wollen im Rahmen des Vorhabens „Ersatz der schwimmenden Brückenkapazität“ neue amphibische Brückensysteme beschaffen, die einen dezentralen Ansatz bei der Überquerung von Gewässern ermöglichen.

Wie aus einem auf den 26. März datierten „Kammerbrief“ des niederländischen Verteidigungsministeriums an das Parlament hervorgeht, wurde aus dem Krieg in der Ukraine die Lehre gezogen, dass eine statische Brückenüberquerung an einem zentralen Standort risikoreich ist und unzureichende Möglichkeiten für den Einsatz im Rahmen Landes- und Bündnisverteidigung bietet. „Daher besteht die Notwendigkeit eines dezentralen Einsatzes. Amphibische Brückenüberquerungskapazitäten ermöglichen einen hochmobilen und dezentralen Einsatz und ergänzen die derzeitigen (schwimmenden) Brückenüberquerungskapazitäten“, heißt es in dem Kammerbrief.

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Wie das Ministerium weiter argumentiert, betrifft der Bedarf ein amphibisches Brückensystem, das die verschiedenen Funktionen Transport, Tragfähigkeit und Antrieb kombiniert, um Gefechtsfahrzeuge schnell über ein Wasserhindernis zu befördern. Dieses Brückensystem soll auf der Straße fahren und auf dem Wasser schwimmen können. „Dazu nutzt das Fahrzeug ausklappbare Pontons, um Auftrieb zu erzeugen, wodurch es auf dem Wasser als Fähre und Brücke fungieren kann. Die Brücke kann mit der vorhandenen schwimmenden Brückenkapazität verlängert werden. Die Fahrzeuge sind für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen und verfügen über eine gute Manövrierfähigkeit in unwegsamem Gelände. Das Brückensystem lässt sich relativ schnell aufstellen und ist kompatibel mit anderen Brückensystemen über einen Kupplungsadapter. Die Brückensysteme bilden Fähren unterschiedlicher Größe für schnelle und verteilte Flussüberquerungen. Das System kann schwere Fahrzeuge wie Kampfpanzer transportieren, wodurch Brigaden die Fähigkeit erhalten, große Wasserhindernisse zu überwinden“, heißt es in dem Kammerbrief. Neben dem „Military off the Shelf“-Brückensystem sollen auch Systeme für die Ausbildung und Übung beschafft werden.

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Aus dem Schreiben geht weiterhin hervor, dass die Niederlande das Beschaffungsvorhaben über eine Kooperation mit einem nicht weiter spezifizierten NATO-Staat realisieren wollen. „Mehrere europäische NATO-Verbündete schließen derzeit dieselbe Fähigkeitslücke“, heißt es dazu in dem Brief an das Parlament. Die Niederlande haben nach Aussage des Ministeriums die Möglichkeit, sich einem dieser Vorhaben anzuschließen. Diese Möglichkeit besteht dem Ministerium zufolge jedoch nur noch bis zum 30. Juni 2026. Angaben über Anzahl der zum Kauf beabsichtigten Systeme sowie deren Zulauf in die Truppe sind in dem Brief nicht enthalten.

Bei dem in Frage stehenden System dürfte es sich mit großer Sicherheit um eine moderne Variante des amphibische Brücken- und Fährensystem M3 von General Dynamics European Land Systems–Bridge Systems (GDELS) handeln, welches in Kaiserslautern gefertigt wird. Derzeit beschaffen unter anderem neben Schweden, Dänemark und Norwegen auch Deutschland gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich solche Schwimmschnellbrückensysteme von GDELS. Auch Lettland setzt das M3-System ein.

Die M3-Brücken lassen sich zudem mittels eines Kupplungsadapters mit dem Pontonbrückensystem Improved Ribbon Bridge (IRB) verbinden. GDELS hat im November 2024, das erste von drei IRB-Systemen an die niederländische Landmacht ausgeliefert, hartpunkt berichtete.

Waldemar Geiger