Jagdbomberdrohne: Auswahlprozess offenbar noch nicht abgeschlossen

Lars Hoffmann

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Die Bundeswehr plant in den kommenden Jahren die Einführung einer sogenannten Jagdbomberdrohne, die gefährliche Missionen tief in Feindesland übernehmen kann. Bislang konzentrieren sich die meisten internationalen Entwicklungen im Bereich von unbemannten Collaborative Combat Aircraft (CCA), aus der eine Jagdbomberdrohne abgeleitet würde, auf Luft-Luft-Einsätze. Die Luftwaffe würde mit dem neuen Flugzeugtyp dagegen eine explizite Luft-Boden-Fähigkeit erhalten. Und im Gegensatz zu CCA, die in erster Linie im Verbund mit bemannten Jets und Flugzeugen fliegen sollen, müsste die Jagdbomberdrohne so konzipiert werden, dass sie bei Abriss der Verbindung zu einem Führungsflugzeug oder der Bodenstation ihren Auftrag weitgehend autonom erfüllen kann, um anschließend möglichst unbeschadet zurückzukehren.

Herausfordernd ist bei dem Vorhaben neben den technischen Vorgaben auch die Zeitlinie. So soll dem Vernehmen nach bereits im Jahr 2029 eine Anfangsbefähigung (Initial Operating Capabilty; IOC) erreicht werden. Um Zeit zu sparen und nicht von Null anzufangen, haben die Planer der Bundeswehr deshalb eine Marktsichtung unternommen, bei der verschiedene internationale CCA-Konzepte betrachtet wurden.

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Wie noch bis vor wenigen Wochen Insider berichteten, deutete vor dem Hintergrund der knappen Zeit alles auf die Direktbeschaffung eines CCA hin, das dann speziell auf die Bedürfnisse der Bundeswehr weiterentwickelt werden soll.

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Als heißester Kandidat für die Direktbeschaffung galt das CCA MQ-28 „Ghost Bat“, das seit 2017 von Boeing im Auftrag der australischen Regierung entwickelt wird und bereits eine Reihe von fortgeschrittenen Tests erfolgreich absolviert hat. Neben dem bereits erreichten technischen Reifegrad des unbemannten Flugzeugs und der möglichen Implementierung nationaler Missionssoftware dürften auch die potenziellen Trainingsmöglichkeiten der Deutschen Luftwaffe im australischen Outback für das CCA sprechen. Während in Europa nach Aussage von Experten nur wenige gesperrte Lufträume für das Testen von Operationen mit unbemannten Flugzeugen zur Verfügung stehen, gibt es im dünn besiedelten Australien dem Vernehmen nach große Lufträume für solche Zwecke.

Wie hartpunkt nun aus gut informierten Kreisen erfahren hat, gibt es kurzfristig eine Anpassung im Beschaffungsprogramm. So ist offenbar eine Direktbeauftragung im Augenblick vom Tisch. Wie es heißt, wird zunächst noch eine weitere Prüfschleife eingezogen.

Dem Vernehmen nach sollen drei Kandidaten für eine Jagdbomberdrohne noch einmal genauer untersucht werden. Neben der Ghost Bat von Boeing soll offenbar auch die von Airbus Defence and Space ausgewählte XQ-58A Valkyrie des US-Unternehmens Kratos und ein weiterer Kandidat betrachtet werden. Airbus hatte im vergangenen Jahr bekanntgegeben, dass die beiden Unternehmen der Bundeswehr ein CCA auf Basis der Valkyrie anbieten wollen, das mit einem von Airbus hergestellten Missionssystem ausgestattet werde und bis 2029 für die deutsche Luftwaffe einsatzbereit sein solle. Zwei XQ-58A befinden sich seit dem vergangenen Jahr bereits in Manching. hartpunkt konnte die der Redaktion vorliegende Information zum dritten Kandidaten zum aktuellen Zeitpunkt nicht verifizieren.

Über die Art der Prüfung der Angebote für die Jagdbomberdrohne und die damit verbundenen Ziellinien ist bislang wenig bekannt. Ebensowenig, ob nur ein Flugzeug für die Weiterentwicklung ausgewählt wird. Selbst wenn nur mit einem CCA weitergearbeitet werden sollte, gehen Beobachter davon aus, dass die Luftwaffe langfristig Bedarf für eine Reihe unterschiedlicher CCA, etwa hinsichtlich Gewichtsklasse und Fähigkeiten, haben dürfte. Träfe dies zu, dann könnten sich noch weitere Anbieter von unbemannten Kampfflugzeugen Hoffnungen auf eine Lieferung an die Bundeswehr machen.

Lars Hoffmann