Beschaffung modernisierter Feldbekleidung – Bundeswehr setzt ein wenig auf europäische Lieferkette

Waldemar Geiger

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Bereits im April vergangenen Jahres angekündigt, ist nun der Teilnahmewettbewerb für die Beschaffung der modernisierten Feldbekleidung – Feldblusen und -hosen für den Tagesdienst – eröffnet worden. Dies geht aus einer heute auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED veröffentlichten Mitteilung der für die Beschaffung von Bundeswehrbekleidung zuständigen Bw Bekleidungsmanagement GmbH (BwBM) hervor. Zwei Fakten in der Mitteilung stechen besonders hervor.

Es wird beabsichtigt, Rahmenvereinbarungen mit mehreren Unternehmen für die Lieferung von unterschiedlichen Feldblusen und Feldhosen für Frauen und Männer im Zeitraum vom 1. August 2028 bis 31. Juli 2033 zu schließen. Ausgeschrieben werden jeweils vier Lose für die Lieferung von Damenfeldblusen und Herrenfeldblusen sowie vier Lose für Damenfeldhosen und Herrenfeldhosen.

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Hervorzuheben ist der Umstand, dass sowohl ein Feldblusen-Los als auch ein Feldhosen-Los an Anbieter vergeben werden soll, die eine europäische Lieferkette vorweisen. Dies ist durchaus ein Novum und deutet darauf hin, dass die Bundeswehr es selbst bei der Kampfbekleidung ernst meint und auf die Absicherung der Lieferketten setzt. Genaue Details zur Definition der europäischen Lieferketten gehen aus der Mitteilung nicht hervor. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass in diesem Zusammenhang sämtliche Strickarbeiten und die Konfektionierung in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union erfolgen müssten. In der Vergangenheit haben sich solche Anbieter aufgrund damit verbundener höherer Kosten im Wettbewerb nur selten durchsetzen können. Mit der Vergabe zumindest eines Viertels der Lose könnte nun auch ein Markt für solche Anbieter geschaffen und der entsprechende Aufbau von europäischen Produktionskapazitäten angeregt werden. Spätere Ausschreibungen könnten dann unter Umständen noch „europäischer“ durchgeführt werden. Ein Wehrmutstropfen bei der Absicherung der Lieferketten bleibt jedoch: Die Masse der Rohstoffe, die für die Fertigung der Bekleidung notwendig sind, wird weiterhin aus Asien kommen.

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Interessant an den bisland veröffentlichten Informationen ist zudem der Umstand, dass zumindest in der Mitteilung zur Eröffnung des Teilnahmewettbewerbes kein spezifischer Tarndruck festgelegt wurde. Im Rahmen des Projektes FASER (Feld Ausstattung Soldat Erweiterte Reserve), welches im Zeitraum 2026 bis 2034 realisiert werden soll, wurde seitens des Verteidigungsministeriums festgelegt, dass Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände ab 2026 im Multitarndruck beschafft werden, damit die querschnittliche Umrüstung der Truppe mit dem neuen Tarndruck in den Folgejahren erfolgen kann.

Modernisierte Feldbekleidung

Das derzeitige „Feldanzugsystem 90“ wurde seit Anfang der 1990er-Jahre querschnittlich in die Bundeswehr eingeführt und prägt heute noch das äußere Erscheinungsbild der Soldatinnen und Soldaten in Deutschland. Absicht der Bundeswehr ist es, das Feldanzugsystem 90 durch die modernisierte Feldbekleidung zu ersetzen. Wichtig dabei ist der Umstand, dass der Feldbekleidungsanteil nur für den Tagesdienst in den Kasernen vorgesehen ist, die querschnittliche Modernisierung der Kampfbekleidung, also dem Anzug, den die Soldaten im Gefechtsdienst und im Einsatz tragen, ist bereits durch das Vorhaben „Kampfbekleidungssatz Streitkräfte“ (KBS-SK) erfolgt.

Aus einer im April 2025 veröffentlichen Vorabinformation der BwBM auf TED geht hervor, dass Material und Schnitte für die modernisierten Feldhosen und -blusen vorgegeben werden. Als Material für den neuen „Tagesdienstanzug“ ist das Gewebe gemäß der Technischen Lieferbedingung 8305-0302 „Mittelfeiner Twill Baumwolle/Polyester, elastisch“ vorgesehen. Im Gegensatz zu dem Stoff der derzeitigen Baumwolluniformen handelt es sich hier um ein Gewebe mit leichtem Stretchverhalten, was den Tragekompfort der Uniformen signifikant verbessern dürfte.

Auch bei den Schnitten der Uniform wird es wesentliche Änderungen geben, wie aus einem bereits 2022 publizierten Beitrag über die Modernisierung des Feldanzugsystems 90 des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding hervorgeht. So sollen beispielsweise einige Details des aktuellen Kampfbekleidungssystems mit in den neuen Tagesdienstanzug übernommen werden. Äußerlich am markantesten sichtbar dürften größere Bein-, Brust- und Oberarmtaschen sein, die eine bessere Zugänglichkeit zu der verstauten Ausrüstung erlauben.

Daneben werden die Konfektionsgrößen angepasst, um die derzeitigen durchschnittlichen Körpergrößen in den Streitkräften besser abbilden zu können, was insbesondere den Soldatinnen zugutekommen dürfte, die im Durchschnitt eine deutlich geringere Körpergröße gegenüber Soldaten aufweisen. Dem Vernehmen nach wird der Schnitt der Feldblusen für Herren leicht tailliert ausfallen, auch der Schnitt der Damen-Feldblusen soll die weibliche Physiognomie besser berücksichtigen als die Schnitte des Feldanzugsystems 90. Zudem wird die generelle Oberarmlänge erhöht, „um ein Hochrutschen der Ärmel bei Überkopfarbeiten zu vermeiden“.

Änderungen gibt es zudem bei dem Schnitt der Hosen. „Die Leibhöhe der Feldhose wird vorn vertieft, damit sie unterhalb des Bauchansatzes sitzt. Im Rückenbereich wird sie erhöht, um auch bei knieender oder gebückter Haltung den Lendenwirbelbereich zu bedecken. „Ein mittels Knöpfen verstellbarer Gummizug im Innenbund erlaubt bessere Trageeigenschaften bei knieenden oder sitzenden Tätigkeiten und kann bei Veränderungen des Taillenumfangs angepasst werden“, heißt es dazu in dem WIWeB-Artikel.

Waldemar Geiger