Die Volksrepublik China hat sich über die letzten zehn Jahre zunehmend zum Fokus geopolitischer Trends entwickelt und in diesem Kontext vor allem eine Modernisierung und Aufrüstung der See- und Luftstreitkräfte vollzogen, die weltweit ihresgleichen sucht.
Nachdem das Jahr 2025 sein Ende genommen hat, bietet der Beitrag einen Überblick relevanter Entwicklungen der chinesischen Volksmarine (People’s Liberation Army Navy, oder PLAN) in den vergangenen zwölf Monaten. Dieser erste Teil konzentriert sich auf die Überwasserflotte, also Träger, amphibische Kampfschiffe sowie Zerstörer und Fregatten.
Flugzeugträger Fujian geht in Dienst, vierter Träger im Bau
Die feierliche Indienststellung des dritten chinesischen Flugzeugträgers „Fujian“ (Schiffsnummer 18) am 5. November stellte zweifellos das wichtigste Ereignis für die PLAN im vergangenen Jahr dar. Das Ereignis im Marinestützpunkt der Südflotte auf der Insel Hainan im Südchinesischen Meer darf als Meilenstein hinsichtlich mehrerer Aspekte betrachtet werden. Mit nunmehr drei in Dienst befindlichen Flugzeugträgern ist die chinesische Volksmarine zweitgrößter Betreiber dieses Schiffstyps weltweit. Der quantitative Abstand zum Spitzenreiter, der U.S. Navy, mit elf atomgetriebenen Flugzeugträgern, bleibt allerdings weiterhin veritabel.
Wie in der Berichterstattung regelmäßig erwähnt, ist die „Fujian“ der erste chinesische „Superträger“, ein informeller Begriff zur Abgrenzung von Trägern über 80.000 Tonnen Verdrängung. Ein weiteres Novum sind die drei installierten elektromagnetischen Katapulte zum Start von Trägerflugzeugen, ein Novum außerhalb der US-Streitkräfte.
Die Fujian hat seit November 2025 mehrere Einsatzerprobungen durchgeführt und zuletzt in diesem Rahmen einen Transit von Hainan nach Yuchi im Gelben Meer vollzogen. Yuchi ist wie Yulin auf Hainan eine der beiden primären Flottenbasen der PLAN, und Heimatbasis des ersten chinesischen Flugzeugträgers, „Liaoning“ (Schiffsnummer 16). Die Fujian ist derzeit Seite an Seite mit der Liaoning in Yuchi gedockt und dürfte in Kürze für weitere Erprobungen – einschließlich Flugbetrieb – im Gelben Meer auslaufen.
In der Zwischenzeit nimmt im nordchinesischen Dalian ein neues Bauprogramm Gestalt an und dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Konstruktion des vierten chinesischen Flugzeugträgers, umgangssprachlich als „Typ 004“ bezeichnet, darstellen. Charakteristische Merkmale wie Abmessungen, der im Vergleich zu kommerziellen Vorhaben langsamere Bauvorgang sowie spezielle Entwurfsmerkmale lassen darauf schließen, dass es sich bei dem Schiff um den ersten nuklear angetriebenen Träger der PLAN handeln wird.
Dalian, speziell der Distrikt Lyushunkou, früher Port Arthur, ist historisch für die Volksrepublik China einer der bedeutsamsten Standorte für Marinewerften, und für das chinesische Trägerprogramm von zentraler Bedeutung. Die Werft war für die umfangreiche Modernisierung und Fertigstellung der Liaoning, ehemals sowjetisch/russische „Varyag“, und die Konstruktion des Schwesterschiffs „Shandong“ (Schiffsnummer 17) verantwortlich.
Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte am 23. Dezember seinen jährlichen Bericht über bedeutsame Rüstungsentwicklungen für China (bekannt als China Military Power Report oder CMPR). In diesem Dokument findet sich unter anderem die bemerkenswerte Feststellung, dass China beabsichtigt, bis zum Jahr 2035 insgesamt neun Flugzeugträger zu beschaffen, also sechs weitere Einheiten nach der Fujian zu konstruieren.
Ein derartiges Konstruktionstempo ist nur möglich, wenn Dalian und Jiangnan, die Bauwerft für die Fujian, parallel neue Träger auf Kiel legen. Zur Orientierung mag die Bauzeit der Fujian dienen: Die Modulfertigung begann um 2018, der Stapellauf folgte 2022. Die Endausrüstung nahm weitere zwei Jahre bis 2024 in Anspruch.
Die CMPR-Bemerkung ist insofern relevant, weil verschiedene Beobachter der chinesischen Marine-Modernisierung seit einiger Zeit den Bau eines Schwesterschiffs der Fujian bei Jiangnan für plausibel halten. Indizien für eine solche Entwicklung finden sich unter anderem in einer landbasierten Struktur in Wuhan, die der Erprobung von strukturellen Komponenten für neue Flugzeugträger dient.
Die Installation erfuhr im vergangenen Jahr umfangreiche Veränderungen, die zunächst lediglich in Verbindung mit Typ 004 zu stehen schienen. Teil der Arbeiten war ein komplettes Versetzen der „Insel“ auf dem Flugdeck nach achtern, in Ähnlichkeit zum amerikanischen Entwurf für die Ford-Klasse. Allerdings beinhaltet der modifizierte Entwurf weiterhin einen Schornstein, der für einen atomar angetriebenen Träger unnötig wäre.
Bei der Fujian konnte während der Erprobung in den vergangenen beiden Jahren ein mögliches Problem mit starker Ruß-Ablagerung um den Inselmast beobachtet werden. Die Ursache scheint im geringen Abstand zwischen Schornstein und Mast zu liegen. Ein modifiziertes Design, wie in Wuhan zu sehen, würde derartige Schwierigkeiten auf einem potenziellen Schwesterschiff wahrscheinlich verringern.

Allerdings bleibt festzustellen, dass zumindest derzeit keine Anzeichen in Jiangnan für den Baubeginn eines neuen Trägers zu beobachten sind.
Neue amphibische Angriffsträger im Zulauf
Ein zweites bedeutendes Ereignis für die PLAN im Jahr 2025 war der Beginn der Seeerprobung für das neue amphibische Angriffsschiff „Sichuan“ (Schiffsnummer 51) des Typs 076, am 14. November. Der Typ 076 ist wie die Fujian mit einem elektromagnetischen Katapult ausgerüstet, ein weltweites Novum für amphibische Träger. Im Gegensatz zum dritten chinesischen Flugzeugträger dürfte die Sichuan allerdings nicht für den Betrieb von bemannten Trägerflugzeugen ausgelegt sein. Stattdessen dient das einzelne Katapult dem Start von Kampfdrohnen, speziell der Nurflügeldrohne vom Typ GJ-11/21. Auf einer vielbeachteten Militärparade im September 2025 in Peking zeigte China zudem weitere Kampfdrohnen, darunter mindestens einen Entwurf mit für Trägerbetrieb charakteristischen Merkmalen.
Die Bauwerft Hudong in Schanghai hatte die Sichuan in auffallend hohem Tempo zwischen Oktober 2023 und dem Stapellauf Ende Dezember 2024 endgefertigt. Die Endausrüstung nahm entsprechend weitere elf Monate in Anspruch. Das Schiff hat inzwischen zwei Seeerprobungen durchgeführt, die erste mit einer Dauer von wenigen Tagen, die zweite über ungefähr zwei Wochen. Derzeit liegt der neue amphibische Träger mit einer Verdrängung von über 40.000 Tonnen wieder bei Hudong im Trockendock für weitere Werftarbeiten.
Ob die Sichuan noch 2026 in Dienst gestellt werden kann, erscheint ungewiss. Die vorherige Bau-Serie von amphibischen Trägern des Typs 075 beanspruchte im Schnitt zwölf Monate zwischen erster Erprobung und Indienststellung.
Das vierte Schiff dieser Klasse, die „Hubei“ (Schiffsnummer 34) erfuhr eine weniger beachtete Indienststellung mit der Südflotte in Zhanjiang im ersten Jahresviertel 2025. Schiffe des Typs 075 haben eine Verdrängung von etwa 35.000 Tonnen und ähneln in der Konfiguration amerikanischen Einheiten wie der „Tarawa“- und „Wasp“-Klasse.
Ob und wann weitere Einheiten entweder des Typ 075 oder des neuen Typ 076 im Bauprogramm folgen werden, bleibt unklar. Zuvor waren Beobachter davon ausgegangen, dass die PLAN einen Bedarf von mehr als vier Typ 075 hat, um die acht im Dienst befindlichen Docklandungsschiffe des Typs 071 zu ergänzen. Allerdings ist denkbar, dass der Typ 076 nach ausführlicher Erprobung höhere Priorität in der Beschaffung haben wird, und daher Schwesterschiffe für die Sichuan wahrscheinlicher sind.
Weiterhin hohes Tempo bei Zulauf von Zerstörern und Fregatten
Während die Flugzeugträger- und amphibischen Bauprogramme mit einzelnen Schiffen in den Schlagzeilen waren, haben die Fregatten- und Zerstörer-Programme für die PLAN neue Meilensteine bei der Zahl von beschafften Einheiten erreicht.
Bedeutsam bei Zerstörern ist das vorläufige Ende der laufenden Produktion für den Typ 055 nach einem zweiten Baulos von sechs Einheiten. Der Typ 055, von US-Offiziellen als Kreuzer eingestuft, verdrängt etwa 12.000 Tonnen und verfügt über eine Senkrechtstartanlage mit 112 Zellen für Flugabwehr-, See- und Landzielflugkörper. Die beiden verantwortlichen Werften, Jiangnan in Schanghai sowie Dalian haben nunmehr insgesamt vierzehn Zerstörer dieses Typs gebaut. Jiangnan hat seine drei Einheiten des zweiten Loses zwischen Dezember 2023 und September 2025 zu Wasser gelassen. Dalian folgte zwischen Mai 2024 und Oktober 2025.

Der Typ 055 ist inzwischen auch zum Verschuss eines neuen schweren Seezielflugkörpers befähigt, der mutmaßlich auf einer ballistischen Flugbahn manövrieren kann. Die als YJ-20 bezeichnete Waffe war unter anderem auf der Militärparade in Peking im September 2025 zu sehen. Im Dezember veröffentlichten chinesische Staatsmedien neues Bildmaterial, das offiziellen Angaben zufolge die Einsatzqualifikation dieser Waffe auf dem Typ 055-Zerstörer „Wuxi“ (Schiffsnummer 104) zeigte. Zu genauen Leistungsdaten der YJ-20 machen die chinesischen Streitkräfte allerdings keine Angaben.
Die ersten Neubauten des zweiten Bauloses werden absehbar an die Ostflotte der chinesischen Marine gehen, ein Novum für den Typ 055. Die acht Einheiten des ersten Bauloses gingen zu jeweils vier Zerstörern an die Süd- und Nordflotte, im Einklang mit der Stationierung chinesischer Flugzeugträger. Das Territorialkommando Ost (ETC) ist insbesondere für Taiwan verantwortlich und hatte zuletzt bei der Modernisierung mit neuen Überwassereinheiten eher das Nachsehen.
Dennoch verfügt die Ostflotte über eine Reihe kampfkräftiger Einheiten, insbesondere die vier von Russland erworbenen Zerstörer der Sovremenny-Klasse (Projekt 956E/956EM). Drei dieser Zerstörer haben mittlerweile ein umfangreiches Modernisierungsprogramm durchlaufen, nach der „Hangzhou“ (Schiffsnummer 136) und der „Fuzhou“ (Schiffsnummer 137) zuletzt auch die „Taizhou“ (Schiffsnummer 138), die im November 2025 in ihrem veränderten Aussehen in offiziellen Bildern erschien. Kernpunkt dieser Überholung ist der Ersatz von russischen Waffen- und Führungssystemen mit Entwicklungen aus chinesischer Produktion. Die verbliebene Einheit, die „Ningbo“ (Schiffsnummer 139), dürfte zeitnah folgen.
Die Bauwerften Jiangnan und Dalian haben letztes Jahr zudem sieben oder acht Lenkwaffenzerstörer des Typs 052D an die PLAN übergeben. Insgesamt beläuft sich die Produktion für diesen Entwurf mit einer Verdrängung von etwa 7.500 Tonnen und 64 Zellen des gleichen Modells wie auf den Typ 055 damit inzwischen auf annähernd vierzig Einheiten seit dem Baubeginn um 2012.
Das Bauprogramm für Fregatten zeigte sich im vergangenen Jahr charakteristisch für die Beschaffungsstrategie der chinesischen Marine. Die ersten beiden Einheiten der Fregatte neuer Generation, als Typ 054B bezeichnet, wurden zwischen Januar und April 2025 in Dienst gestellt. Das Typschiff „Luohe“ (Schiffsnummer 545) ging zur Nordflotte nach Qingdao, die zweite Fregatte, „Quinzhou“ (Schiffsnummer 555) nach Hainan zur Südflotte.

Weitere Einheiten dieses über 5.000 Tonnen verdrängenden Entwurfs mit 32 Zellen für Flugabwehr- und U-Jagd-Flugkörper sind scheinbar bisher noch nicht im Bau. Üblicherweise erprobt die PLAN erste Einheiten eines neuen Typs, bevor weitere Bauaufträge folgen.
Allerdings haben beide Werften in der Zwischenzeit auch schätzungsweise zehn Fregatten des Vorgängers Typ 054A, in einer modernisierten Ausführung fertiggestellt. Dieser Parallelbau illustriert, dass die PLAN trotz konsistenter Modernisierung und Weiterentwicklung den stetigen Zulauf bewährter Entwicklungen nicht vernachlässigt. Vom etwa 4.500 Tonnen verdrängenden Typ 054A haben Hudong und Huangpu seit dem Beginn der Produktion vor zwanzig Jahren inzwischen fünfzig Einheiten für die PLAN gebaut.
Fazit
Die verschiedenen dargestellten Bauprogramme zeigen, dass die chinesische Marine in unverändert hohem Tempo sowohl Zahl als auch Leistungsfähigkeit der Kampfeinheiten der Überwasserflotte ausbaut. Das Trägerprogramm hat mit Indienststellung der Fujian einen neuen Reifegrad erreicht und wird in den nächsten Jahren potenziell nochmals erheblich an Dynamik zulegen. Amphibische Einheiten befinden sich in einer Umbruchsphase, und mit dem Typ 076 hat die PLAN einen Weg eingeschlagen, wie ihn weltweit bisher keine andere Marine verfolgt.
Moderne Fregatten und Zerstörer sind mittlerweile mit über hundert Einheiten in China in Dienst oder im Zulauf. Damit verfügt die PLAN über signifikante Zahlen, um Hochwerteinheiten wie Flugzeugträger zu begleiten, und kontinuierlich sowohl in den umliegenden Randmeeren wie auch in Übersee zunehmend Präsenz zu zeigen. Anders als die US-Marine bleibt die PLAN dabei auf den Westpazifik und umliegende Regionen konzentriert, was Konsequenzen für die lokale Konzentration von Kampfkraft für chinesische Überwassereinheiten hat.
In einem zweiten Teil wird hartpunkt nennenswerte Entwicklungen bei U-Booten, Unterstützungseinheiten sowie Forschung und Entwicklung für die chinesische Marine im vergangenen Jahr beleuchten.
Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien. Eine vorherige Version dieses Artikels in englischer Sprache erschien erstmalig am 3.01.2026 auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.




















