Der slowakische Munitionshersteller ZVS Holding a.s. hat mit dem Verteidigungsministerium der Slowakischen Republik eine umfassende Rahmenvereinbarung über die Lieferung von Groß- und Mittelkalibermunition im Wert von bis zu 58 Milliarden Euro abgeschlossen. Das Abkommen soll über sieben Jahre laufen und die Slowakei als zentralen Munitionslieferanten für EU-Mitgliedstaaten positionieren. Wie es einer Mitteilung der internationalen Industrie- und Technologie-Gruppe CSG des tschechischen Unternehmers Michal Strnad heißt, können die Beschaffungen über das SAFE-Programm der EU finanziert werden, mit dem ein günstiger Finanzierungsrahmen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten der Mitgliedstaaten geschaffen wurde. Die CSG-Gruppe hält 50 Prozent der Anteile der ZVS Holding, die anderen 50 Prozent befinden sich im Besitz des slowakischen Staates.
Die vereinbarte Summe spiegelt laut Mitteilung die maximale Produktionskapazität von ZVS im Zeitraum von sieben Jahren wider. Der Umfang der Rahmenvereinbarung sehe vor, dass weitere europäische Staaten beitreten können und damit ein wirksames Instrument erhalten, um Munition unter vorteilhaften Bedingungen zu beschaffen.
Der Vizepremierminister und Verteidigungsminister der Slowakischen Republik, Robert Kaliňák, wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Die Slowakei hat sich in den vergangenen Jahren sowohl auf europäischer als auch auf globaler Ebene zu einem strategischen Produzenten von Großkalibermunition entwickelt. Die slowakische Munitionsindustrie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit der EU- und NATO-Mitgliedstaaten und stellt zugleich einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor durch Steuereinnahmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen dar. Die Slowakei hat daher den Anspruch, führend in der Lieferung von Groß- und Mittelkalibermunition für EU-Mitgliedstaaten zu werden und bietet ihnen ein einzigartiges Beschaffungsmodell über das SAFE-Programm an.“ Laut Kaliňák werden bereits Gespräche mit mehreren interessierten Staaten geführt, die sich der slowakischen Munitionsinitiative anschließen möchten.
Die Vereinbarung sieht den Angaben zufolge vor, dass die ZVS Holding a.s. künftig 155-mm-Artilleriemunition, 120-mm-Panzergranaten und 30-mm-Maschinenkanonenmunition nicht nur für die Slowakei, sondern insbesondere für EU-Mitgliedstaaten liefert, die über keine eigenen Produktionskapazitäten verfügen und Engpässe in ihren Beständen haben. Die Slowakische Republik bietet anderen EU-Staaten an, der Rahmenvereinbarung im G2G-Format (Government-to-Government) beizutreten.
Zu den Vorteilen des Projekts zählen laut Mitteilung ein transparentes und einfaches Beschaffungsverfahren, eine langfristige Versorgungssicherheit aus Produktion auf europäischem Boden, eine Harmonisierung von Munitionsstandards, Mengennachlässe aufgrund eines integrierten Rabattmechanismus sowie die Möglichkeit, das EU-Programm SAFE zu nutzen.
Eine Schlüsselrolle beim Aufbau der slowakischen Munitionsindustrie spielt laut Mitteilung die CSG-Gruppe. Ihr sei es gelungen, eine vertikal integrierte Produktionskette verschiedener Munitionskomponenten aufzubauen, deren Schwerpunkt in der Slowakei liegt. Das zentrale slowakische Unternehmen in dieser Kette sei die ZVS Holding, die in Dubnica nad Váhom vor allem 155-mm-Munition produziert.
Das EU-Programm SAFE ermöglicht es Mitgliedstaaten, Darlehen mit einem Zinssatz von 1 Prozent und Laufzeiten von bis zu 40 Jahren zur Finanzierung bestehender und neuer Verteidigungsprojekte in strategischen Bereichen wie Munitionsbeschaffung, Landsystemen oder Luftverteidigung aufzunehmen. Die Slowakische Republik plant, 2,3 Milliarden Euro aus dem SAFE-Programm abzurufen, davon 38,5 Millionen Euro für den Kauf von Groß- und Mittelkalibermunition für die slowakischen Streitkräfte.
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