Das Planungsamt der Bundeswehr hat die IEA MIL-OPTICS GmbH (IEA) mit der Lieferung von Feuerleitoptiken „Boden/Luft MG“ zu Testzwecken beauftragt. Wie aus einer heute veröffentlichten Mitteilung des Planungsamtes auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED hervorgeht, hat der Auftrag einen Gesamtwert in Höhe von etwas mehr als 1,2 Millionen Euro.
Bei IEA handelt es sich um ein im baden-württembergischen Nagold ansässigen Optik- und Nachtsichtspezialisten, der unter anderem für den Deutschlandvertrieb von Produkten des israelischen Herstellers Smartshooter zuständig ist. In dieser Funktion wurde IEA erst im Februar dieses Jares mit der Lieferung von bis zu 500 SMASH-Feuerleitvisieren an die Bundeswehr beauftragt, hartpunkt berichtete. In der Truppe kommen die SMASH-Systeme vom Typ SMASH X4 derzeit in Kombination mit vollautomatischen Zielfernrohrgewehr G27P im Kaliber 7,62 x 51 mm des Herstellers Heckler & Koch zum Einsatz.
Smartshooter selbst hat mehrere unterschiedliche Varianten der SMASH-Feuerleitvisierfamilie im Angebot, die sich in der Ausstattung – beispielsweise Vergrößerung, Laserentfernungsmesser, … – unterscheiden. Da die Bundeswehr vor wenigen Jahren im Rahmen der Gewehrerprobung der SMASH-Feuerleitvisiere unterschiedliche Varianten des Systems getestet hat, halten es Beobachter nicht für ausgeschlossen, dass auch im Rahmen der nun stattfindenden MG-Erprobung unterschiedliche Geräte gekauft werden.
Die Höhe der Auftragssumme deutet zudem darauf hin, dass im Rahmen des Auftrages nicht nur die Lieferung der Feuerleitvisiere, sondern auch die waffentechnische Integration der Optiken auf das Maschinengewehr – hier dürfte es sich um das aktuelle Standardmaschinengewehr MG5 und unter Umständen auch das MG6 handeln, da Smartshooter bereits in der Vergangenheit SMASH-Visiere auf das M134D integriert hat – enthalten ist. Die eigentlichen Stückkosten für ein SMASH-Visier sollen bei einem niedrigen Tausend-Euro-Betrag liegen. Für die Nutzung der Systeme müssen jedoch spezielle Griffstücke der jeweiligen Nutzerwaffe entwickelt werden, die eine mechanische Blockade des Abzugs durch das Feuerleitvisier ermöglichen.
Bei der SMASH-Familie handelt es sich um Feuerleitsysteme für Handfeuerwaffen des israelischen Herstellers Smartshooter. Smash kombiniert elektrooptische Hardware mit eingebetteter Bilderkennungssoftware und einem ballistischen Rechner. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Visier, das dem Soldaten einen Haltepunkt anzeigt, nach dem er seine Waffe ausrichten kann, ermöglicht das SMASH-Visier dem Soldaten, sein Ziel zu verfolgen, es anzuvisieren und genau in der Sekunde zu feuern, die einen Treffer garantiert. Das Feuerleitvisier berücksichtigt dafür eine Reihe von Faktoren: von der Bewegungsrichtung und dem Bewegungstempo des Ziels bis hin zur Ballistik der Waffe, auf der es montiert ist.
Ist ein Ziel einmal erkannt und festgelegt, errechnet der Algorithmus eine Schusslösung. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Bewegung von Ziel und Schützen berechnet das System kontinuierlich den für einen Treffer erforderlichen Haltepunkt. Dieser dynamische Haltepunkt wird kontinuierlich in dem Okular angezeigt und bietet dem Schützen so eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit für jeden Schuss. Der Schütze betätigt den Abzug, das System erlaubt eine Schussauslösung nur dann, wenn der Schütze den Zielpunkt der Waffe über den errechneten Haltepunkt eines vorher markierten Ziels führt. Der Schuss bricht dann automatisch. Sollte der Schütze die Waffe auf konventionelle Weise (manuell) abfeuern wollen, kann er den SMASH-Sperrmechanismus mittels eines Tastendrucks aus- und wieder einschalten.
Je nach Ausführung können Smartshooter zufolge so Bodenziele, beweglich und stationär, bis mindestens 600 Meter und Kleinstdrohnen bis 250 Meter bekämpft werden. In Kombination mit Vorsatzgeräten ist das System zudem nachtkampftauglich. Da es sich um ein digitales Zielfernrohr handelt, kann das Gerät laut Hersteller im Battle Management Systeme (BMS) integriert werden. Hier können Informationen augmentiert oder im Uplink bereitgestellt werden. SMASH kann zum Beispiel bei einem Feuerkampf Zieldaten – Richtungswinkel, Entfernung oder Foto – automatisch generieren und dem BMS zur Verfügung stellen.
Waldemar Geiger


















