Die Technologieunternehmen Rohde & Schwarz und TRUMPF wollen zukünftig bei der Entwicklung von Laserlösungen für die Drohnenabwehr kooperieren und binnen drei Jahren ein einsatzfähiges Produkt entwickeln. Die strategische Partnerschaft zur Entwicklung und Bereitstellung einer umfassenden, national produzierten Drohnenabwehrlösung wurde heute bei der Bilanzpressekonferenz von TRUMPF in Ditzingen bekanntgegeben. Die TRUMPF-Vertreter betonten, dass es sich um eine rein defensive Lösung handele, mit der keine Menschen geschädigt werden.
Die Zusammenarbeit kombiniere die moderne Drohnenabwehrlösung von Rohde & Schwarz, Radar-Sensorik und die Lasertechnologie von TRUMPF. Damit werden eine leistungsstarke Erkennung, Verfolgung und Verteidigung gegen die wachsende Bedrohung durch unbefugte Drohnen auf diversen Plattformen möglich, schreiben die beiden Firmen in einer Mitteilung.
Hagen Zimer, für die Lasertechnik verantwortliches Vorstandsmitglied von TRUMPF, erläuterte bei der Bilanzpressekonferenz, dass man bis zu drei Jahre benötige, um eine feldeinsatzfähige Lösung zu entwickeln. Ein Drohnenabschuss sei im Prinzip eine „Lasermaterialbearbeitung in der Ferne“. Und TRUMPF sei ein Spezialist für Lasermaterialbearbeitung. Es gebe vermutlich in Europa, vielleicht sogar weltweit kein Unternehmen, das die Interaktionen zwischen Laserstrahlung und Materialien besser verstehe als TRUMPF, sagte der Chef der Lasersparte des Unternehmens. Bei Drohnen kommen seinen Worten zufolge unterschiedliche Materialien zum Einsatz. „Am Ende muss bewertet werden, welche Art von Materialien, in welcher Distanz, in welcher Intensität und in welcher Bestrahlungszeit bearbeitet werde kann.“ Darauf verstehe man sich.
In seinen Laserapplikationslaboren habe sich TRUMPF stationäre Drohnen angeschaut, die in der Ukraine fliegen. Man wisse genau, mit welchen Leistungsdichten, welche Drohnen zu „bearbeiten“ seien, um sie flugunfähig zu machen, erläutere Zimer. Für das neue Lasersystem stelle TRUMPF die erforderlichen Subkomponenten, Laser, Optiken, Steuerungselektronik, Diagnostik, Sensorik alles im eigenen Hause her. Man sei jedoch kein Rüstungsunternehmen, betonte Zimer. Als technologischer Enabler brauche man einen Integrator und das sei Rohde & Schwarz.
Bei der Supply-Chain habe TRUMPF bereits mit der Verlagerung nach Deutschland begonnen, etwa hinsichtlich Dioden-Laser oder Fadenoptik. Man wolle bei Laser-Subkomponenten nicht von der internationalen Lieferkette angewiesen sein, betonte der Manager.
Laut Zimer ist denkbar, eine Laserlösung in einem kleinen abstellbaren Würfel zu integrieren, der etwa auf einem Flughafen aufgestellt werden kann, um Drohnen abzuschießen. Die Laserleistung könne dabei bei 10 bis 20 kW liegen. Da das Zusammenspiel der Laserkomponenten immer gleich sei, kann sich Zimer auch größere Systeme in Containern oder auf Fahrzeugen vorstellen.
Im ersten Schritt fokussiere man sich auf den Schutz kritischer Infrastruktur, da man glaube, dass die Hauptbedrohung von Drohnen auf dem Land stattfinde nicht auf See. Trotz der strategischen Partnerschaft sei man „in alle Richtungen“ offen, unterstrich Zimer. So seien womöglich Rüstungsunternehmen in Zukunft an der Lieferung von TRUMPF-Subkomponenten interessiert. TRUMPF und Rohde & Schwarz wollen die Technologie zunächst auf eigene Kosten entwickeln, ein Auftrag dafür liegt nicht vor.
Der Laser ist nach Einschätzung des Managers heute bis fünf Kilometer einsetzbar, bei großen Drohnenschwärmen maximal bis einen Kilometer. Bei einem Kilometer Entfernung könne mit existenter TRUMPF-Technik binnen einer Sekunde eine Drohne abgeschossen werden, schätzt Zimer. Seiner Meinung nach wird es in Zukunft darum gehen, ganze Schwärme zu bekämpfen.
„Mit einem Laser allein ist nichts gewonnen“, schränkt er ein. Man brauche vielmehr eine Strahlformung, eine Strahlverfolgung und eine optische Komponente zur Entfernungsmessung. Es sei ein „hochgeregeltes, in sich geschlossenes System.“ Zimer zufolge entwickelt TRUMPF gegenwärtig mit eigenen Mitteln einen Laser in der 100-kW-Klasse für andere Anwendungen. Mit diesem Laser werde man jedoch auch auf größere Distanzen Drohnen zerstören können.
Nach Aussage von Alexander Orellano, Leiter der Division Technologie Systeme, Rohde & Schwarz, bündelt die Zusammenarbeit die Stärken beider Unternehmen, um kritische Sicherheitsbedürfnisse anzugehen. „Investitionen in europäische Verteidigung und insbesondere in Drohnenabwehrtechnologie sind von größter Bedeutung“, sagte der Manager laut Mitteilung.
Mit einer Laser-Waffe würde das Produktportfolio von Rohde & Schwarz bei der Drohnenabwehr ergänzt. Bisher konzentriert sich die Drohnenabwehrlösung des Unternehmens darauf, die Funkkommunikation von Drohnen aufzufassen, Drohnen und ihre Piloten zuverlässig zu lokalisieren, deren Flugrichtung zu bestimmen und eine schnelle Reaktion zu gewährleisten. Sie umfasst zudem eine automatische Lösung zur Störung funkgesteuerter Drohnen.
Lars Hoffmann















