Für das Management des multinationalen 6×6-Radpanzerprogramms „Common Armoured Vehicle System“ (CAVS), das von Finnland geführt wird, wurde am 30. September im Hauptquartier des finnischen Logistikkommandos (Puolustusvoimien logistiikkalaitos) ein multinationales Projektbüro eingerichtet, in dem auch deutsches Personal seinen Dienst verrichten wird.
Wie aus einer heutigen Mitteilung des Logistikkommandos hervorgeht, wurde das CAVS-Projektbüro im finnischen Tampere eingerichtet. Neben finnischem und deutschem Personal, sind auch Vertreter aus Schweden, Dänemark und Lettland der neuen Dienststelle zugewiesen worden. Obwohl es administrativ weiterhin Teil ihrer jeweiligen nationalen Organisationen ist, wird das Personal der Mitteilung zufolge dem CAVS-Programmdirektor unterstehen. Die Aufgabe des Büros besteht darin, das Programm als Ganzes zu verwalten und die Erreichung der gemeinsamen Ziele sicherzustellen.
Wie es in der Mitteilung weiter heißt, wird das Programmverwaltungsbüro durch das EU-Instrument EDIRPA (European Defence Industry Reinforcement through common Procurement Act) finanziert, in dessen Rahmen dem CAVS-Programm 60 Millionen Euro zugewiesen wurden. Die Mittel werden auch für die Umsetzung gemeinsamer Verträge sowie für die Entwicklung neuer Fahrzeugvarianten verwendet.
„Die Einrichtung des Projektbüros stärkt die gemeinsame Verwaltung des CAVS-Programms und ist ein wichtiger Schritt, da dies das erste multinationale Verteidigungsgüterprojekt ist, bei dem Finnland die Führungsrolle übernimmt“, wird Brigadegeneral Juha-Matti Ylitalo, Vorsitzender des CAVS-Programmlenkungsausschusses und stellvertretender Chef des Logistikkommandos der finnischen Streitkräfte, in der Mitteilung zitiert.
Als finnisch-lettisches Programm gestartet ist das CAVS-Programm nunmehr eine gemeinsame Initiative Finnlands, Schwedens, Lettlands, Deutschlands, Dänemarks, Norwegens und des Vereinigten Königreichs zur Entwicklung und Beschaffung von 6×6-Radpanzern, die auch die Instandsetzungsphase der Fahrzeuge umfasst. Das Programm steht neuen Mitgliedern offen und wird voraussichtlich in Zukunft weiter ausgebaut. Den Angaben des finnischen Verteidigungsministeriums zufolge sind bis heute rund 1.000 CAVS-Radpanzer durch die beteiligten Nationen beschafft worden. Nach Informationen aus informierten Kreisen sollen in den nächsten Jahren tausende weitere Systeme beschafft werden.
Im Rahmen des vom finnischen Rüstungskonzern Patria geleiteten CAVS-Programms wird ein gepanzertes 6×6-Fahrzeugsystem entwickelt. Patria verfügt nach eigenen Angaben über mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung und Lieferung von geschützten Truppentransporten und der Systemintegration. Der überwiegende Teil der Herstellung der Fahrzeuge erfolge durch die Nutzung der lokalen Industriekapazitäten der CAVS-Mitgliedsländer.
Allein die Bundeswehr soll gut informierten Kreisen zufolge einen Bedarf von mehreren Tausend CAVS-Radpanzern haben, um damit sowohl die aktive Truppe als auch dem Heimatschutz auszustatten. In der Bundeswehr soll das Fahrzeug unter anderem den seit mehreren Jahrzehnten in Nutzung befindlichen Fuchs-Radpanzer ersetzen. Kürzlich hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages rund 30 Millionen Euro freigegeben, um damit den Einstieg in die Beschaffung des CAVS in der Variante Pioniergruppe einzuleiten. Bereits Anfang des Jahres wurden Haushaltsmittel für die Anpassentwicklung und Beschaffung von Qualifikationsmustern des NEMO-Mörsers auf der CAVS-6×6-Plattform freigegeben, um das Vorhaben „Zukünftige System Indirektes Feuer kurze Reichweite“ zu realisieren. Der Abruf des ersten Serienloses der neuen Mörsersysteme sowie der Abschluss eines Serienvertrages für den Radpanzer, welcher in der Bundeswehr im Rahmen des Vorhabens „Transportpanzer Neue Generation“ eingeführt wird, sind dem Vernehmen nach für das vierte Quartal 2025 vorgesehen.
Transportpanzer CAVS 6×6
Der CAVS 6×6 leitet sich von einem dreiachsigen Radpanzer ab, den ursprünglich die finnische Firma Sisu produzierte. Dieses Fahrzeug wurde auch Patria XA genannt. Der neue Patria 6×6 weist den Angaben von Patria zufolge gegenüber seinem Vorgänger eine verbesserte Einzelradaufhängung, einen leistungsstärkeren Scania-Motor – je nach Ausführung mit 294 kW oder 325 kW Leistung – sowie Verbesserungen des elektrischen Systems auf. Das deutsche Unternehmen ZF liefert laut Patria das 7-Gang-Automatikgetriebe.
Die Ladekapazität beträgt 8,5t. Der Patria 6×6 hat laut Hersteller ein maximales Gewicht von 24t – das Schwimmgewicht soll bei 21t liegen – und der Schutz entspricht STANAG 4569 Level 2, wobei auch ein höherer Schutz gemäß Level 4 bei Bedarf möglich sein soll.
Waldemar Geiger
















