Trotz umfangreicher Investitionen in die Raketenabwehr und Luftverteidigung sind die derzeitigen europäischen Bemühungen nach wie vor ungeeignet, um effizient gegen kostengünstige Langstreckendrohnen vorzugehen, die Russland in großem Umfang gegen die Ukraine eingesetzt hat, wie das Eindringen russischer Gerbera-Langstrecken-Drohnen in den polnischen Luftraum vor einigen Tagen deutlich gemacht hat.
Dieser Beitrag enthält einige Hinweise dazu, wie europäische Staaten am besten auf die Bedrohung durch Langstreckendrohnen aus Russland reagieren können.
Unzulänglichkeiten des Westens
Das Eindringen russischer Langstreckendrohnen in Polen mag zwar als Weckruf für europäische Entscheidungsträger gedient haben – und zu schnellen Anfragen in der Ukraine bezüglich des Erwerbs von Langstreckendrohnenabwehrtechnologie geführt haben –, doch sollte dieser Vorfall keine Überraschung gewesen sein.
Da russische Langstreckendrohnen, zunächst importierte Modelle vom Typ Shahed-131 und Shahed-136 und später im Inland hergestellte Varianten wie die Geran-2, ukrainische Städte und Infrastruktur aus der Luft bombardiert haben, war immer klar, dass west- und mitteleuropäische Staaten gegenüber russischen Langstreckendrohnen noch größeren Herausforderungen gegenüberstehen würden als die Ukraine.
Obwohl die europäischen Staaten erhebliche Investitionen in die Raketenabwehr und Luftverteidigung getätigt haben – allein Deutschland hat mehr als 10 Milliarden Euro für die Beschaffung von Flugabwehr- und Raketenabwehrsystemen ausgegeben bzw. den Kauf angekündigt –, haben diese Bemühungen die Bedrohung durch Langstreckendrohnen, die Russland sowohl für die Ukraine als auch für Europa darstellt, nicht ausreichend berücksichtigt. Darüber hinaus hat die Debatte über die Abwehr von Langstreckendrohnen die technologischen Realitäten moderner Luftverteidigungslösungen weitgehend außer Acht gelassen.
Drohnen vom Typ Shahed vs. europäische Verteidigungssysteme
Drei Arten von Technologien gelten in der Regel als am besten geeignet, um Langstreckendrohnen kostengünstig abzufangen: mobile Flugabwehrgeschütze, Abfangdrohnen und kostengünstige Abfangraketen. Alle drei sind mit Herausforderungen verbunden.
Eine Herausforderung, die allen Systemen gemeinsam ist – und in der öffentlichen Debatte oft außer Acht gelassen wird –, ist die Notwendigkeit von Erkennungs- und Verfolgungsfähigkeiten, die eine Frühwarnung ermöglichen und die Abfangprojektile zu ihren Zielen leiten, unabhängig davon, ob es sich um Granaten, Drohnen oder Raketen handelt.
So sind Abfangdrohnen zwar relativ günstig und kosten je nach Typ in der Regel zwischen 1.000 und 5.000 US-Dollar, müssen jedoch mit Radarsystemen kombiniert werden, die eine rechtzeitige Warnung und präzise Verfolgung ermöglichen. Dies ist besonders kritisch für die Arten von Abfangdrohnen, die wir in der Ukraine sehen, die nur eine begrenzte Ausdauer und geringe Geschwindigkeit bieten, wodurch nur ein schmales Abfangfenster bleibt. Infolgedessen kann selbst ein kleiner Fehler im Abfangzeitpunkt zum Scheitern führen. Ein weiteres Problem beim Abfangdrohnenprinzip ist, dass es derzeit noch auf fähige Piloten angewiesen ist. Zwar befinden sich autonome Abfangdrohnen in der Entwicklung, doch sind sie noch nicht ausgereift. Aufgrund der komplexeren Systemarchitektur werden sie zudem deutlich teurer ausfallen.
Zweitens gibt es einen direkten Kompromiss zwischen Reichweite und Kosten. Kostengünstige Abfangflugkörper, egal ob Drohnen oder Raketen, haben in der Regel eine begrenzte Reichweite von nur wenigen Kilometern. Mit zunehmender Größe und Komplexität der Abfangdflugkörper steigen auch die Kosten. Dies macht kostengünstige Abfangdrohnen und -raketen zwar für die Punktabwehr effektiv, für die Flächenabwehr in bodengestützten Konfigurationen jedoch ungeeignet. Eine kosteneffiziente Flächenabwehr erfordert die Kombination von Abfangflugkörpern mit hochmobilen Plattformen wie Hubschraubern oder Jets, wobei die hohen Kosten pro Flugstunde (insbesondere für Jets) die Gesamtkosteneffizienz beeinträchtigen können.
Drittens ist die Berechnung der Abfangkosten nicht immer einfach. So wird beispielsweise das Flugabwehrsystem Skyranger 30 oft als kosteneffizient für die Bekämpfung von Langstrecken-Drohnen angeführt, doch es ist mit erheblichen Vorlaufkosten verbunden: Je nach Konfiguration und Bestellmenge liegen die Kosten in aktuellen Verträgen bei einem zweistelligen US-Dollar-Millionenbetrag pro System.
Im Vergleich dazu könnten bei angenommenen Kosten von 20.000 bis 30.000 US-Dollar pro Flugkörper rund 1.000 bis 1.500 kostengünstige Abfangraketen zum Preis eines Skyranger beschafft werden, die potenziell einen größeren Nutzen und eine größere Vielseitigkeit bieten. Hinzu kommen noch die Munitionskosten. Eine einzelne AHEAD-Patrone für den Skyranger soll rund 1.000 US-Dollar kosten; wenn man davon ausgeht, dass sechs Patronen erforderlich sind, um eine größere Drohne zuverlässig zu zerstören, kostet jede Abfangaktion mehr als 6.000 US-Dollar. Dies kann die Kosteneffizienz im Vergleich zu Abfangdrohnen verringern und verringert den Preisunterschied zwischen kanonen- und raketenbasierten Abfangsystemen erheblich.
Das macht den Skyranger natürlich nicht irrelevant. Zu berücksichtigen ist auch, dass er bereits über ein hocheffektives Radar für Frühwarnung und Feuerleitung verfügt und daher nicht auf externe und möglicherweise teure Systeme angewiesen ist. Zudem ist der Skyranger für mehr als nur die Abwehr von Langstreckendrohnen geeignet und dadurch vielseitiger einsetzbar als andere Alternativen. Dennoch bleibt er eine vergleichsweise teure Option für die Langstreckendrohnenabwehr. In Verbindung mit seiner geringen Produktionskapazität deutet dies darauf hin, dass das System nicht die magische Lösung für diese Bedrohung ist, als die es mitunter dargestellt wird.
Viertens, ein Aspekt, der in der Debatte bislang völlig ignoriert wird, ist der zivile Luftraum: Europa befindet sich im Frieden, und der Himmel ist voll mit zivilen Flugzeugen. Eine breitflächige Drohnenabwehr, die überall Raketen, Drohnen oder Geschosse einsetzt, würde ein erhebliches Risiko bergen, entweder Kollateralschäden zu verursachen oder zivile Flugzeuge zu gefährden. Politik, Streitkräfte und Gesellschaft müssen sich daher bewusst sein, dass eine wirksame, aber auch sichere Lösung weder kostengünstig noch kurzfristig umsetzbar ist, zumindest in Friedenszeiten.
Natürlich ist dieser Überblick nicht umfassend und sollte nicht als Grundlage für einen vollständigen Vergleich zwischen verschiedenen Lösungen herangezogen werden. Sie zeigt jedoch, dass die Optionen, die in der Regel als bevorzugte Lösungen für die Abwehr von Langstreckendrohnen diskutiert werden, jeweils mit einzigartigen Herausforderungen, Vorteilen und potenziellen Nachteilen verbunden sind. Mit anderen Worten: Es gibt keine Patentlösung.
Der Weg nach vorn
Der positive Aspekt der Bedrohung durch Langstreckendrohnen ist, dass sie kurz- bis mittelfristig bekämpft werden kann, wenn rechtzeitig die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Dies erfordert jedoch, dass die europäischen Regierungen einen Beschaffungsansatz verfolgen, der wahrscheinlich von ihren üblichen Präferenzen abweicht.
Erstens gibt es derzeit keine ausgereifte, kostengünstige Technologie zur Abwehr von Langstreckendrohnen auf dem Markt, die auch in großem Maßstab produziert werden kann. Die Regierungen müssen daher ein gewisses Risiko akzeptieren, indem sie in vielversprechende technologische Lösungen investieren und die Hersteller bei der Beschleunigung der Entwicklung unterstützen, sei es durch finanzielle Unterstützung oder durch regulatorische Rahmenbedingungen, die eine schnelle Erprobung ermöglichen.
Zweitens müssen Regierungen und Streitkräfte in Bezug auf die oben genannten Technologien die Vorstellung aufgeben, dass eine kostengünstige Flächenabwehr gegen Langstreckendrohnen möglich ist. Zwar gibt es bereits erschwingliche Punktabwehrsysteme oder solche, die bald ausgereift sein werden, doch die Erweiterung der Reichweite von Raketen- und Drohnenabwehrsystemen führt unweigerlich zu höheren Kosten. Die Regierungen müssen daher entscheiden, ob eine Punktabwehr für kritische Ziele ausreichend ist oder ob die Verteidigung größerer Gebiete erforderlich ist. Im letzteren Fall müssen sie bereit sein, die entsprechenden Mittel bereitzustellen.
Eine Ausnahme könnte die elektronische Kriegsführung sein, die relativ kostengünstig größere Gebiete abdecken kann, aber auch eine Reihe von Nachteilen mit sich bringt. Sie ist anfällig für Gegenmaßnahmen, birgt das Risiko einer Störung ziviler Systeme, ist möglicherweise weniger wirksam gegen gehärtete oder vollständig autonome Drohnen (die in Zukunft zunehmend eingesetzt werden) und erfordert oft eine ständige Anpassung, da die Gegner ihre Frequenzen oder Taktiken ändern.
Letztendlich ist den Entscheidungsträgern bereits klar, dass es nicht nachhaltig ist, 1,4 Millionen Dollar teure AIM-120C-7 AMRAAMs aus F-35-Kampfflugzeugen auf Langstrecken-Täuschungsdrohnen abzufeuern, die weniger als 30.000 Dollar kosten. Aber wenn man dies in Echtzeit miterlebt, wird vielleicht endlich die Dringlichkeit zum Handeln deutlich. Wenn ja, könnte Europa endlich auf dem Weg sein, die Herausforderung durch Langstreckendrohnen ernst zu nehmen.
Autor: Fabian Hoffmann ist Doktorand am Oslo Nuclear Project an der Universität Oslo. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Verteidigungspolitik, Flugkörpertechnologie und Nuklearstrategie. Der aktualisierte Beitrag erschien erstmalig am 15.09.2025 in englischer Sprache im „Missile Matters“ Newsletter auf Substack.


















