Das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence und das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der deutschen Bundeswehr (BAAINBw) haben die Verträge zur Beschaffung von fünf bodengebundenen Luftverteidigungssystemen (GBAD) vom Typ IRIS-T SLM für die Schweiz unterzeichnet. Das Schweizer Bundesamt für Rüstung armasuisse hatte vorher dem BAAINBw die Vollmacht dazu erteilt, wie aus einer Mitteilung von Diehl hervorgeht. Der Vertragsunterzeichnung ging der Beitritt der Schweiz zur European Sky Shield Initiative (ESSI) voraus, dessen 19. von mittlerweile 24 Mitgliedern die Schweiz im Oktober 2024 wurde.
Der Vertrag zwischen Diehl Defence und armasuisse sieht neben der Lieferung von fünf Systemen IRIS-T SLM weitere Leistungen vor, die unter anderem die Bereitstellung von Logistik-Fahrzeugen für die mobile Instandsetzung, die Ersatzteilbereitstellung und eine Ausbildungsstation für die Schweizer Armee beinhalten.
Das künftige System IRIS-T SLM zur bodengestützten Luftverteidigung mittlerer Reichweite (Bodluv MR) wird als Teil der Integrated Air Defence (IAD) betrieben.
Mit der Schweiz haben sich der Mitteilung zufolge nunmehr neun Länder für IRIS-T SLM zur Deckung ihrer Bedarfe für die bodengebundene Luftverteidigung in diesem Segment entschieden. IRIS-T SLM schützt laut Hersteller Personen, Gebäude und Infrastruktur am Boden gegen Bedrohungen durch Flugzeuge, Hubschrauber und Flugkörper über eine
Reichweite von 40 km und einer Höhe bis 20 km. Das System zeichne sich durch eine echte 360°-Abdeckung, hohe taktische Mobilität, Dislozierbarkeit der Startgeräte und Mehrfachzielbekämpfung bei geringem Personalaufwand aus.
Der Mitteilung zufolge erwirbt die Schweiz die IRIS-T-SLM-Systeme im Rahmen eines standardisierten Vertrags für ESSI-Beschaffungen. Das ermögliche einen schnelleren Beschaffungsprozess sowie für die Zukunft große Synergieeffekte in den Bereichen Training, Wartung und Logistik.
Wie das schweizerische Verteidigungsministerium VBS mitteilt, ist ein wichtiges Ziel ider Beschaffung, die raumbezogene Marschflugkörperabwehr sowie eine Frühwarnfähigkeit gegenüber Raketen-, Mörser- und Artillerieangriffen (RAM) neu zu etablieren. Ebenso übernehme das System Aufgaben der mittleren Fliegerabwehrkanone, die außer Dienst gestellt werden sollen.
Zwischen armasuisse und der Herstellerin Diehl Defence GmbH & Co. KG wurde laut VBS ein Offset-Agreement abgeschlossen. Dieses beinhalte die Verpflichtung, Kompensationsgeschäfte im üblichen Umfang und gemäss der Offset-Policy der armasuisse mit Schweizer Unternehmen zu realisieren.
Für Bodluv MR wurde im Rüstungsprogramm 2024 ein Verpflichtungskredit von 660 Millionen CHF bewilligt. Gemäss aktueller Planung belaufen sich die Investitionen auf 660 Millionen CHF sowie weiteren 10 Millionen aus dem PEB-Kredit für Projektierung, Erprobung und Beschaffungsvorbereitung. Damit bewege sich das Projekt weiterhin im vorgesehenen Finanzrahmen. Der Vertragswert zur kooperativen Beschaffung von Systemen IRIS-T SLM im Rahmen von ESSI belaufe sich auf rund 500 Millionen CHF.Das VBS stellt heraus, dass IRIS-T SLM die Fähigkeit zur simultanen Mehrzielbekämpfung hat und mit dem Sensor TRML-4D von Hensoldt über modernste AESA-Radartechnik (Active Electronically Scanned Array) verfügt. Die offene Architektur erlaube zudem die Einbindung in nationale Systemlandschaften. Die modulare Bauweise ermögliche eine flexible Skalierung, vom punktuellen Objektschutz bis hin zum flächendeckenden Raumschutz.
Projekt Bodluv MR
Beim Projekt Bodluv MR handelt es sich um ein Beschaffungsprojekt zur Erneuerung wichtiger Fliegerabwehr-Systeme der Schweizer Armee. Die Erneuerung wird eine bestehende Fähigkeitslücke in der Abwehr von Abstandswaffen schliessen, um anfliegende Ziele auf eine mittlere Distanz zu bekämpfen und damit die bodengestützte Luftverteidigung größerer Reichweite mit dem System Patriot zu ergänzen. Aktuell im Einsatz stehende Systeme erreichen bald ihr Nutzungsende.
Das Projekt Bodluv MR startete 2019 und befindet sich aktuell in der Konzeptphase. Es wird im beschleunigten Verfahren, auch «Busspur» genannt, durchgeführt und soll planmässig 2032 abgeschlossen sein. Das System wird, wo möglich, in der Standardkonfiguration des Ursprungslandes (Deutschland) beschafft. Anpassungen erfolgen nur dort, wo sie für die Anbindung an bestehende Schweizer Systeme erforderlich sind, zum Beispiel bezüglich Führungs- und Lagebildsysteme.
Gemäß aktueller Planung erfolgt die Lieferung der ersten Feuereinheit ab Ende 2028. In den Jahren 2029 bis 2031 erfolgen dann laut VBS die Lieferungen der weiteren Feuereinheiten und Logistikmittel sowie die schrittweise Systemintegration. Die Ausbildung der Berufsmilitärs erfolgt ab 2027, die Miliz wird ab 2029 an den Systemen ausgebildet respektive umgeschult. Der Aufbau der logistischen Infrastruktur und der Ausbildungsinfrastruktur nimmt die Jahre 2028 bis 2031 in Anspruch. Der Fähigkeitsaufbau erfolgt ebenfalls schrittweise. Eine erste Einsatzbereitschaft (Initial Operational Capability – IOC) für Einsätze im Rahmen der Wahrung der Lufthoheit (WdL) soll so rasch wie möglich erreicht werden. Die volle Einsatzbereitschaft (Full Operational Capability – FOC) wird nach der Lieferung der letzten Feuereinheit und umfänglichen Erprobungs- und Einsatztests erreicht.
lah















