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Verteidigungsministerium steigt wieder ins Boxer-Programm ein

Das britische Verteidigungsministerium wird erneut am Programm für den Radpanzer Boxer teilnehmen und Optionen für die Beschaffung des 8X8-Fahrzeugs zur Modernisierung der britischen Streitkräfte prüfen. Wie das Verteidigungsministerium am Samstag weiter mitteilte, wird angestrebt, die Rechte als Partner des Entwicklungsprogramms wieder zu übernehmen, damit das Fahrzeug in Großbritannien gebaut und von dort exportiert werden kann. Über die Zahl und Versionen der zu beschaffenden Fahrzeuge sowie die Kosten machte das Ministerium keine Angaben. Insider gehen jedoch von mehreren Hundert Boxern aus, was ein Geschäftsvolumen von mehreren Milliarden EUR bedeuten würde.

Das Vereinigte Königreich war einer der Partner bei der ursprünglichen Entwicklung des Boxer, stieg allerdings später im Prozess aus. Wie es aus Industriekreisen heißt, entspricht der Boxer deshalb den damaligen Design-Anforderungen der britischen Armee – etwa in Hinsicht auf den ABC-Schutz. Es soll sogar die Möglichkeit, des Tee-Kochens an Bord berücksichtigt worden sein. Erst vor wenigen Wochen hatten sich die australischen Streitkräfte für den Kauf von mehr als 200 Boxern in der Variante als Aufklärungspanzer entschieden.

Laut dem britischen Verteidigungsministerium sollte ein zukünftiger Vertrag die vollständige Montage des Fahrzeugs in Großbritannien vorsehen, wobei mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung auf die britische Industrie entfallen.  Dabei wird angestrebt, mindestens 1.000 Arbeitsplätze im Königreich zu schaffen.

Artec,  das Joint Venture von Rheinmetall und KMW zur Produktion des Boxer, habe bereits Partnerschaften mit den britischen Firmen BAE Systems, Pearson Engineering und Thales UK geschlossen, hieß es weiter. Das Ministerium erwartet, dass britische Unternehmen für die Produktion und die Lieferung von Komponenten in den Wettbewerb treten. Bereits im Boxer-Programm engagiert seien Rolls Royce, Parker Hannifin, William Cook Engineering sowie andere britische Firmen. Während für das Beschaffungsprogramm der australischen Streitkräfte Rheinmetall die Federführung hatte, liegt der Lead in Großbritannien bei KMW.

Das Ministerium setzt nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren die Verhandlungen mit Artec und der europäischen Rüstungsagentur OCCAR fort. Die OCCAR, an der auch Großbritannien beteiligt ist, managt das Boxer-Programm. Die Bewertungsphase für die Beschaffung soll demnach bis 2019 laufen, die ersten Fahrzeuge 2023 an die britische Armee ausgeliefert werden.

Als Bestandteil eines Vertrages erwartet das Vereinigte Königreich, dass sich Rheinmetall als Eigner von 64 Prozent der Artec-Anteile zur erheblichen Investitionen in Großbritannien bereit erklärt. KMW habe bereits eine große Produktionsniederlassung im englischen Stockton für Design, Produktion und Unterstützung von komplexen Militärgütern.
lah/12/1.4.2018