Ukraine könnte Luft-Luft-Flugkörper Meteor erhalten

Waldemar Geiger

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Mit der heute von der schwedischen Regierung angekündigten Spende von 16 Kampfflugzeugen des Typs JAS 39 Gripen C/D an die Ukraine könnte das im Krieg befindliche Land erstmals den modernen Langstrecken-Luft-Luft-Flugkörper Meteor erhalten. Wie aus einer heute veröffentlichten Mitteilung der schwedischen Regierung hervorgeht, könnten die ersten Gripen C/D womöglich bereits im nächsten Jahr zur Verteidigung des ukrainischen Luftraums beitragen. Wie es in der Mitteilung weiter heißt, kann die Spende auch qualifizierte Munition enthalten, beispielsweise Iris-T, AMRAAM und den Langstreckenflugkörper Meteor. Voraussetzung für die Spende der bis zu 16 Maschinen sei, dass die Ukraine auch tatsächlich einen Kauf von Gripen E/F unterzeichne.

Sollte in der Munitinsspende auch der Meteor enthalten sein, würde die ukrainische Luftwaffe einen Flugkörper erhalten, der über deutlich mehr Reichweite verfügt, als die aktuell von der Ukraine genutzten Luft-Luft-Flugkörper. Damit wären ukrainische Piloten in der Lage, russische Kampfflugzeuge viel tiefer im russischen Luftraum zu beschießen, als dies derzeit möglich ist. Besonders wertvoll dürften sich die Flugkörper bei der Abwehr der Su-34-Kampfbomber erweisen, die ukrainische Stellungen aus der Ferne mit Gleitbomben angreifen.

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Der Meteor-Flugkörper wurde in einer europäischen Kooperation (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden und Spanien) unter britischer Führung realisiert. Der deutsche Anteil (16 Prozent) besteht aus dem Gefechtskopfsystem von TDW (MBDA Deutschland, Schrobenhausen), der Inertial Measurement Unit (IMU) von der Northrop Grumman LITEF GmbH (Freiburg) und dem Triebwerk von der Bayern-Chemie (MBDA Deutschland, Aschau am Inn).

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Der Meteor ist für die Bekämpfung hochagiler Flugziele jenseits des Sichtbereichs (Beyond Visual Range) in mittleren Entfernungen entwickelt worden. Der Lenkflugkörper setzt sich aus den drei Hauptkomponenten Radarsuchkopf mit Elektronik, Gefechtskopf und Antrieb zusammen. Durch ein regelbares Feststoff-Staustrahltriebwerk (Throttleable Ducted Rocket oder Ramjet) können früheren Angaben zufolge Reichweiten von über 200 km und in Höhen über 20.000 m Durchschnittsgeschwindigkeiten von Mach 4 erreicht werden.

Durch die weltweit einzigartige Antriebstechnologie wird die sogenannte No Escape Zone zwei bis fünf Mal größer als bei bisher eingesetzten Flugkörpern. Als No Escape Zone bezeichnet man einen Bereich um das Flugzeug, aus welchem es auch bei einem sofortigen Fluchtkurs (z.B. 180 Grad entgegengesetzt) und unter maximalen g-Manövern der angreifenden Flugkörper nicht mehr entkommen kann.

Nach Identifizierung eines Ziels und Zuordnung als feindlich werden dem vom Waffenrechner der Plattform angewählten Meteor kurz vor dem Start die Position und der Kurs des Gegners eingegeben. Bislang bestand bei eingeführten Lenkflugkörpern lediglich die Möglichkeit einer unidirektionalen Verbindung zur Plattform. Durch den Einsatz eines Zwei-Wege-Datenlinks im Meteor besteht die Möglichkeit, Informationen des Lenkflugkörpers an die Plattform und zurück zu übermitteln. So wird der Pilot in die Lage versetzt, alle ihm zur Verfügung stehenden Informationen zu bündeln und den Flugweg des Flugkörpers bedarfsgerecht an den Erfordernissen des aktuellen Luftlagebildes auszurichten.

Der Datenlink bietet somit völlig neuartige Möglichkeiten der Informationsverarbeitung bis hin zu qualifizierbaren Aussagen über einen Missionserfolg. Darüber hinaus können Zielinformationen, die von dritter Stelle, z.B. einem anderen Flugzeug (Kampfflugzeug oder AWACS) an den Flugkörper weitergeleitet werden, dazu dienen, um ein Ziel weiterzuverfolgen und den Bekämpfungsvorgang fortzusetzen. Das Trägerflugzeug erlangt damit den taktischen Vorteil, dass es sich unmittelbar nach dem Abschuss des Flugkörpers einer neuen Luft/Luft- oder Luft/Boden-Kampfsituation zuwenden kann.

Waldemar Geiger