Auf der heute in Nürnberg beginnenden Fachmesse Enforce Tac 2026 stellt das zur Beretta Defense Technologies (BDT) gehörende Schweizer Unternehmen SwissP Defence die neue Spezialmunition SHATTER4K zur infanteristischen Drohnenabwehr vor. Laut Unternehmensangaben zielt die Entwicklung darauf ab, kleine und mittelgroße unbemannte Flugsysteme (UAS) mit bereits eingeführten Handwaffen zu bekämpfen und die querschnittliche Drohnenabwehr zu verstärken.
Die zunehmende Verfügbarkeit kommerzieller und militärischer Drohnen hat die Anforderungen an wirksame Drohnenabwehrmaßnahmen deutlich erhöht. Elektronische Gegenmaßnahmen wie Störsysteme spielen zwar eine wichtige Rolle, doch gelten kinetische Lösungen insbesondere im Nah- und Nächstbereich sowie in komplexen Einsatzumgebungen als unerlässlicher Bestandteil einer mehrschichtigen Verteidigung gegen Drohnenangriffe. An dieser Stelle kommt laut SwissP Defence die sofort einsetzbare SHATTER4K-Patrone ins Spiel, die aus einer breiten Palette bereits eingeführter Sturm- und Maschinengewehre verschossen werden kann, ohne dass Anpassungen an den Waffen erforderlich sind. Die Munition ist aktuell in den NATO-Standardkalibern 5,56 × 45 mm und 7,62 × 51 mm verfügbar.
Um die Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen, basiert die SHATTER4K-Patrone auf einem Mehrfachprojektil-Design. Nach dem Verlassen der Mündung werden vier Subprojektile freigesetzt, die mit leichter Streuung entlang der Schussachse ihren Flug fortsetzen. Ziel dieses Ansatzes ist es, die Trefferwahrscheinlichkeit gegen agile Luftziele wie Multicopter-Drohnen zu erhöhen. Die effektive Reichweite wurde laut Hersteller bewusst begrenzt, um das Risiko von Kollateralschäden zu reduzieren. Dadurch könnte die Patrone auch für einige polizeiliche Szenarien und den Schutz kritischer Infrastruktur interessant werden. Gleichzeitig soll die verbleibende kinetische Energie ausreichen, um kritische Drohnenkomponenten wie Rotoren, Motoren, Elektronik oder Batterien innerhalb der maximalen Bekämpfungsreichweite, zu der SwissP keine Angaben macht, zuverlässig zu beschädigen.
In der vom Unternehmen herausgegebenen Pressemitteilung beschreibt das Entwicklungsteam die kontrollierte Streuung der Subprojektile als bewusstes Konstruktionsmerkmal und bezeichnet sie als „präzise Unpräzision“. Anstelle maximaler Präzision im klassischen Sinne sei eine reproduzierbare Streuung angestrebt worden, um die Wirksamkeit gegen schnell bewegliche Ziele zu erhöhen und zugleich einen vorhersehbaren ballistischen Wirkungsraum sicherzustellen.
Insbesondere für reguläre Streitkräfte und Sicherheitsbehörden sind Lösungen interessant, die mit vorhandenen Infanteriewaffen kompatibel sind, da sie ohne zusätzliche Plattformen und mit einem überschaubaren Ausbildungsaufwand eingeführt werden können. So sucht beispielsweise das U.S. Marine Corps seit 2024 nach Patronen mit Mehrfachgeschossen in den Kalibergruppen von 5,56 x 45 mm bis 40 mm, um die Drohnenabwehrfähigkeiten abgesessener Kräfte zu verbessern.
Kristóf Nagy


















