Auf der APEX Defence-Konferenz in London, die vom 7. bis 8. Oktober dieses Jahres stattfand, stellte Sphere Defense den in Entwicklung befindlichen Drohnenabwehrflugkörper LORIN-1 mit Jetantrieb vor. Ein Videoclip am Messestand zeigte die bislang durchgeführten Live-Tests, darunter einen Gefechtskopftest gegen ein Metallziel. Die hartpunkt-Partnerseite Calibre Defence sprach mit dem Team von Sphere Defense über Details des LORIN-1.
Beim LORIN-1 handelt es sich um einen relativ kleinen Flugkörper, etwa so groß wie eine Panzerabwehrlenkrakete. Er soll eine Reichweite von 30 Kilometern bieten und in der Lage sein, ein Ziel erneut anzugreifen, falls er es beim ersten Versuch verfehlt. Der Flugkörper fliegt mit einer Marschgeschwindigkeit von 600 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 0,6+. Das entspricht rund 200 Metern pro Sekunde. Zum Vergleich: Die von Russland gegen die Ukraine eingesetzte, strahlgetriebene Geran-4 erreicht nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 139 m/s beziehungsweise 500 km/h.
Der LORIN-1 ist mit einem 800 Gramm schweren hochexplosiven Splittergefechtskopf und einem optischen Suchkopf ausgestattet. In diesen sind Algorithmen der künstlichen Intelligenz integriert, die Vorhersagen zur Flugbahn des Ziels und zum Angriffsweg ermöglichen sollen. Der Flugkörper wird vertikal von einer kleinen Abschussrampe aus gestartet und ist mit SAPIENT-Kommunikationsarchitekturen kompatibel. Dadurch lässt er sich in verschiedene Führungs- und Leitsysteme integrieren. Sphere Defense strebt ein Kostenverhältnis von 1:1 zwischen dem LORIN-1 und seinen Zielen an. Dies deutet auf Stückkosten in Höhe von mehreren Zehntausend Euro hin.
„Die Entwicklung von LORIN-1 begann Anfang 2026 ernsthaft. Das Konzept entstand durch einen Besuch des Mitbegründers und CEO von Sphere Defense, Yves Coppye, in der Ukraine im Jahr 2025, wo er aus erster Hand die hohen Verluste bei der Abwehr von Angriffsdrohnen vom Typ Shahed und Geran miterlebte. Es war zudem offensichtlich, dass diese Bedrohungen zunehmend schneller und leistungsfähiger wurden“, erklärte Sphere Defense auf Anfrage.
Die Gründer des Unternehmens kamen zu dem Schluss, dass ein elektrischer Antrieb nicht ausreichen würde, um mit der Geran-Bedrohung Schritt zu halten – denn genau diesen Antrieb nutzen die meisten drohnenbasierten Abfangjäger. Seitdem hat der LORIN-1 den Technologiereifegrad TRL 5 erreicht. In dieser Phase werden Schlüsselkomponenten mit hinreichend realistischen unterstützenden Elementen integriert und anschließend in einer simulierten oder relevanten Umgebung getestet.
Konkret habe man „VTOL-Tests, Hochgeschwindigkeitsflüge und kontrollierte Sprengversuche sowie umfassendere Tests der Teilsysteme abgeschlossen. Vollständige Tests der Kill-Chain sind für das 4. Quartal 2026 geplant“, erklärte Sphere Defense. Parallel dazu würden Test- und Evaluierungsmaßnahmen mit mehreren Verteidigungsministerien durchgeführt, fügte ein Unternehmensvertreter hinzu.
Bis Ende 2026 soll der Flugkörper den Technologiereifegrad TRL 7 erreichen. Ein erstes Los eines „Minimum Viable Product“ soll im ersten Quartal 2027 produziert werden. Anschließend plant Sphere Defense, die Serienproduktion bis Ende 2027 hochzufahren. Dies spiegele „sowohl die Dringlichkeit des operativen Bedarfs als auch das Ausmaß des Interesses wider, das wir beobachten“, so der Unternehmensvertreter.
Über den LORIN-1 hinaus beabsichtigt das Unternehmen, seine digitale Engineering-Plattform SPADE (Surrogate-Based Parametric Analysis & Design Environment) einzusetzen. „SPADE kombiniert digitale Zwillinge, Systemsimulation und fertigungstechnische Einschränkungen, um die Zeit zwischen der Anforderung des Endnutzers und der Bereitstellung des Prototyps zu verkürzen – in manchen Fällen auf nur vier Wochen“, so der Sprecher.
Schnelle Innovation und Anpassung sind derzeit wichtige Themen innerhalb der NATO-Streitkräfte. Die Entwicklung und Beschaffung neuer Fähigkeiten gelten in diesem Bereich als durch Bürokratie und verfahrenstechnische Hürden geprägt, die zu unnötigen Verzögerungen führen können.
Autor: Sam Cranny-Evans. Der Beitrag erschien erstmalig am 14.10.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Calibre Defence.
















