Der ungarische Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtkonzern 4iG hat mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin eine Absichtserklärung über die Entwicklung und Produktion eines Raketenartilleriesystems unterzeichnet. Dies gaben beide Unternehmen am 17. Dezember 2025 in einer Pressemitteilung bekannt. Die Mitteilung ist bemerkenswert, da Beobachter den PULS-Mehrfachraketenwerfer (Precise and Universal Launching System) des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems als favorisierte Lösung der ungarischen Streitkräfte ansahen.
Laut der Mitteilung hielten die beiden Industriepartner ihre Absicht fest, ein an ungarische Bedürfnisse angepasste Version eines Langstrecken-Raketenartilleriesystem zu entwickeln. Demnach soll das von Lockheed Martin entwickelte Artillery Rocket System Launcher Loader Module (LLM) auf einen in Ungarn gefertigten Lkw integriert werden. Hierdurch soll der Mitteilung zufolge eine NATO-kompatible Feuerunterstützungslösung für die ungarischen Streitkräfte bei gleichzeitiger Nutzung von lokalen industriellen Kapazitäten realisiert werden.
Auf ungarischer Seite soll die Realisierung der Fahrzeugkomponente vom Lastwagenspezialisten Rába umgesetzt werden, wie gut informierte Kreise hartpunkt gegenüber bestätigten. Das Maschinenbauunternehmen mit Sitz im westungarischen Győr baut seit Ende der 1990er Jahre die stark an den MAN Kat 1, respektive SX und HX erinnernde H-Serie von Lkws für die ungarischen Streitkräfte. Als potenzielles Trägerfahrzeug könnte Beobachtern zufolge eine auf Grundlage des Rába H25.324 6×6-Lkw entwickelte Plattform zum Einsatz kommen.
Die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit Lockheed Martin lässt Beobachter aufhorchen, da im Vorfeld die PULS-Lösung von Elbit Systems als gesetzt galt. Wie hartpunkt aus gut informierten Kreisen erfuhr, soll die Vereinbarung über die Beschaffung eines Pakets von PULS-Raketenartilleriesystemen und Heron 900 MALE-Drohnen (Medium Altitude Long Endurance) durch die Partner bereits im Sommer 2025 bis zur Unterschriftsreife verhandelt worden sein. Nach dem im Spätsommer erfolgten abrupten Halt scheint im Anschluss an den Besuch von Ministerpräsident Viktor Orbán beim US-Präsidenten Donald Trump im November 2025 eine Neuausrichtung erfolgt zu sein. Auch wenn zu den Gründen bis jetzt nichts Offizielles bekanntgeworden ist, sehen wohlinformierte Kreise die Motivation für ein Zusammengehen mit Lockheed Martin in der Möglichkeit einer einheimischen Wertschöpfung und einer möglichen, günstigeren Finanzierungsoption durch die US-Seite.
Kristóf Nagy


















