Im Rahmen der NATO-Großübung „Cold Response 2026“ haben britische Royal Marines am 3. März im arktischen Raum eine verdeckte Infiltration aus einem deutschen U-Boot des Typs 212A heraus geübt. Dies gab die Royal Navy gestern in einer Mitteilung bekannt. Spezialkräfte der Commando Force wurden dabei im norwegischen Fjordgebiet aus dem getauchten U-35 heraus eingesetzt, um Aufklärung und Zielzuweisung für alliierte Kräfte durchzuführen. Die Übung ist Teil der umfangreichen NATO-Aktivitäten zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit im sogenannten „High North“.
Nach Angaben der britischen Marine waren insbesondere Spezialkräfte der 30 Commando Information Exploitation Group (Surveillance and Reconnaissance Squadron (SRS) und Shore Reconnaissance Troop (SRT)) sowie Beobachter der 148 Commando Forward Observation Battery beteiligt. Diese Einheiten gelten innerhalb der Commando Force als besonders spezialisierte Kräfte für Aufklärung, Zielerfassung und die Koordination von Feuerunterstützung. Ihre Aufgabe besteht darin, im Vorfeld größerer Operationen in feindlich kontrollierte Räume einzudringen, dort Aufklärungsergebnisse zu gewinnen und gegebenenfalls präzise Wirkmittel, etwa durch Seestreitkräfte oder Luftnahunterstützung anzufordern, um Hochwertziele zu bekämpfen.
Im konkreten Szenario operierten die eingesetzten Teams entlang der zerklüfteten norwegischen Küste. Ziel war es unter anderem, ein simuliertes gegnerisches Radarsystem zu beobachten und anschließend durch NATO-Seestreitkräfte bekämpfen zu lassen. Durch solche Einsätze soll das maritime Lagebild verbessert und gegnerische Sensorik vor Beginn größerer Operationen ausgeschaltet werden.
Der Einsatz aus einem U-Boot heraus gilt dabei als besonders anspruchsvolle Infiltrationsmethode. Sie erlaubt es, kleine Aufklärungsteams unbemerkt an gegnerische Küstenabschnitte heranzuführen und damit auch stark überwachte Räume zu erreichen. Nach Angaben aus der Übungsberichterstattung von Cold Response erfolgte die Verbringung der britischen Kommandos in diesem Fall durch ein deutsches U-Boot des Typs 212A, da zu dem Zeitpunkt kein britisches U-Boot für eine solche Operation zur Verfügung stand.

Die Operation ist eingebettet in die Vorbereitungen für die Übung „Cold Response 2026“, eine der größten militärischen Trainingsaktivitäten der NATO im arktischen Raum. Die von Norwegen geführte Übung findet vom 9. bis 19. März statt und umfasst rund 25.000 Soldaten aus etwa 14 Nationen, die gemeinsam Land-, Luft- und Seestreitkräfte in extremen klimatischen Bedingungen einsetzen.
Ziel der regelmäßig stattfindenden Übung ist es, die Fähigkeit der Allianz zu trainieren, militärische Operationen in arktischer Umgebung durchzuführen und gleichzeitig die Verteidigung der nördlichen NATO-Flanke zu demonstrieren. Dabei werden insbesondere Aspekte wie die Logistik, Gefechtsführung in teilweise extremer Kälte sowie multinationale Kooperation geübt.
Neben klassischen Gefechtsübungen werden zunehmend auch Aspekte der sogenannten „Total Defence“ einbezogen, also die Einbindung ziviler Infrastruktur und Behörden in Krisenszenarien, auf die in den nordischen NATO-Ländern ein zunehmender Fokus gelegt wird.

Die verstärkte militärische Aktivität im hohen Norden spiegelt dabei die wachsende strategische Bedeutung der Arktis wider. Mehrere Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei.
Erstens eröffnen schmelzende Eisflächen neue Seewege und erleichtern den Zugang zu Rohstoffvorkommen, wodurch wirtschaftliche Interessen der Anrainerstaaten und externer Akteure steigen. Zweitens besitzt die Region hohe militärische Relevanz. Insbesondere Russlands Nordflotte verfügt über eine große Zahl von U-Booten und ist in der Lage, wichtige transatlantische Versorgungs- und Kommunikationslinien zu bedrohen. Darüber hinaus verlaufen im arktischen Raum zentrale maritime Kommunikationslinien sowie wichtige Unterseekabel und Energieinfrastruktur. Ihre Sicherung gilt für NATO-Staaten als essenziell, da Angriffe auf solche Systeme erhebliche wirtschaftliche und militärische Auswirkungen haben könnten.
Vor diesem Hintergrund verstärken mehrere NATO-Staaten ihre Präsenz in der Region. Großbritannien beispielsweise plant, die Zahl der dauerhaft in Norwegen eingesetzten Soldaten mittelfristig deutlich zu erhöhen, während gleichzeitig verstärkt gemeinsame Übungen stattfinden. Mit Blick auf den zunehmenden geopolitischen Wettstreit in der Arktis und die strategische Rolle der Region für transatlantische Verbindungen ist davon auszugehen, dass NATO-Übungen wie „Cold Response“ auch künftig einen zentralen Bestandteil der Bündnisverteidigung im hohen Norden bilden werden.
Kristóf Nagy

















