MBDA Deutschland und ARX Robotics zeigen Konzeptstudie ENFORCER x GEREON

Waldemar Geiger

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MBDA Deutschland und ARX Robotics wollen im Rahmen der am Montag in Nürnberg startenden Fachmesse Enforce Tac 2026 erstmals den Konzeptdemonstrator „ENFORCER x GEREON“ öffentlich zeigen. Wie Vertreter der beiden Unternehmen im Vorfeld gegenüber hartpunkt erklärten, verfolgt die Konzeptstudie das Ziel, zwei eingeführte Systeme zu kombinieren und den Streitkräften dadurch eine neue Fähigkeit zur Verfügung zu stellen. Der Fokus hierbei liegt auf einer unbemannten, abstandsfähigen und skalierbaren Wirkfähigkeit, die unabhängig von Wetter, Gelände oder der Tageszeit eingesetzt werden kann.

Als Trägerplattform dient das unbemannte Bodenfahrzeug (UGV) GEREON RCS von ARX Robotics. Bei dem System handelt es sich nach Aussagen von ARX-Vertretern um ein einsatzerprobtes System. Kein anderes westliches UGV-Modell wurde ARX zufolge häufiger an die ukrainischen Streitkräfte geliefert. Abhängig von der Kommunikationsausstattung und dem Gelände kann das System über eine Entfernung von bis zu 5 Kilometern via Radio ferngesteuert oder teil-autonom betrieben werden. Bei Abstützung auf eine Satelliten- oder LTE/5G-Verbindung kann die Reichweite um ein Vielfaches vergrößert werden. Die Nutzlast des Systems wird mit bis zu 500 kg angegeben, die Reichweite mit einer Ladung mit 40 km, wobei die Ausdauer im Stand-by-Betrieb 72h betragen soll.

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Im Rahmen der Konzeptstudie fungiert der GEREON als Träger für eine von MBDA entwickelte Werfereinheit, die bis zu acht Flugkörper vom Typ ENFORCER bzw. ENFORCER X aufnehmen kann. Beim ENFORCER – in der Bundeswehr als Leichtes Wirkmittel 1800+ eingeführt – handelt es sich um einen leichten, schultergestützten Fire-and-Forget-Mehrzweckpräzisionseffektor, welcher auf Basis von Anforderungen deutscher Spezialkräfte entwickelt wurde. Neben der Bundeswehr wird das Waffensystem auch von einem nicht weiter benannten Exportkunden beschafft. Der ENFORCER ist für Reichweiten bis 2.000m und teilweise auch darüber hinaus ausgelegt und kann mit unterschiedlichen Zündermodi Ziele auch in Bewegung und verdeckt präzise bekämpfen.

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Im Gegensatz zum ENFORCER, welcher über einen Multi-Effekt Gefechtskopf mit Multimode-Zünder verfügt, verfügt ENFORCER X über ein Gefechtskopf mit einer Tandem-Hohlladung. Damit ist die Panzerabwehrvariante des Lenkflugkörpers MBDA zufolge in der Lage, auch stark gepanzerte Gefechtsfahrzeuge zu bekämpfen.

Einsatzkonzept ENFORCER x GEREON

Wie bereits erwähnt, soll das System den Streitkräften eine Option für eine unbemannte, abstandsfähige Panzerabwehrfähigkeit bieten, die unabhängig von Wetter-, Gelände oder der Tageszeit eingesetzt werden kann. Übersetzt in ein mögliches taktisches Szenario könnte das UGV beispielsweise zu relevanten Punkten fahren, um von dort teleoperiert bestimmte Geländeabschnitte zu überwachen und auftretenden Feind durch einen Bediener ferngesteuert im Human-in-the-Loop-Prinzip zu bekämpfen. Weiterhin könnte sich das System im Verbund mit anderen Aufklärungsmitteln an erkannte Feindziele „heranpirschen“ und diese ferngesteuert bekämpfen. Gleichzeitig wäre es möglich, den ENFORCER x GEREON als „einfachen“ Lastesel für infanteristisch kämpfende Kräfte zu nutzen, indem das Fahrzeug beispielsweise den Transport der eingerüsteten ENFORCER-Flugkörper übernimmt, die bei Bedarf durch die Soldaten wieder entnommen und von der Schulter verschossen werden können.

Die vergleichsweise geringe akustische sowie optische Signatur des elektrisch angetriebenen GEREON gegenüber anderen Fahrzeugen soll das System schwerer aufklärbar machen. Die Maße der Konzeptstudie werden mit rund 1,35 m Breite und 1,5 m Höhe angegeben.

Der Bekämpfungsablauf ist wie folgt: Mögliche Ziele werden durch andere Aufklärungsmittel von Dritten oder die Sensorik des UGVs aufgeklärt. Bei Bedarf nähert sich das UGV dem Ziel an. Sobald sich das Ziel in Reichweite (bis zu 2 km) befindet, richtet das UGV den Werfer über die Kette auf das Ziel aus. Die Verschlusskappen des Launchers werden geöffnet und das Ziel über den Suchkopf des Flugkörpers aufgenommen. Dessen Bild wird über den GEREON-UGV auf der Bedienstation angezeigt, so dass der Bediener den Tracker auf das Ziel aufschalten kann. Ist dies erfolgt, kann der Bediener des UGV den Feuerbefehl erteilen und der Flugkörper steuert über den Fire-and-Forget-Modus selbstständig ins Ziel.

Weitere Entwicklungsschritte

Damit ein Einsatz real erfolgen kann, ist jedoch noch eine gewisse Entwicklungsarbeit erforderlich, die abhängig von Kundeninteresse angegangen werden soll. So muss beispielsweise ein Datenaustausch zwischen dem UGV und dem Lenkflugkörper etabliert werden. MBDA sieht sich für diese Aufgabe gut gerüstet. Ein Vertreter des Unternehmens verweist gegenüber hartpunkt darauf, dass man u.a. im Rahmen des seit Jahren laufenden Vorhabens Combat Unmanned Ground Systems (CUGS) der European Defence Agency (EDA) notwendiges Know-how gesammelt hat und bereits nachgewiesen habe, dass vergleichbare Herausforderungen gelöst werden können. Die CUGS-Erfahrungen können dem MBDA-Vertreter zufolge auch für den ENFORCER x GEREON genutzt werden.

Waldemar Geiger