Generalleutnant Heico Hübner, Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur Militärische Grundorganisation, sieht die tiefe Integration von unbemannten Systemen als eines von fünf Handlungsfeldern, auf die sich der Fokus und die Priorisierung des Deutschen Heeres richten müssen, „wenn es um eine Erhöhung der Einsatzbereitschaft und das Erreichen einer Kriegstüchtigkeit geht“. Dies geht aus dem Skript seiner Keynote hervor, die er am 14. April im Zuge des parlamentarischen Abends des Förderkreis Deutsches Heer e.V. in Berlin gehalten hat.
Hübner wies darauf hin, dass es im Rahmen einer zukünftigen Kriegsführung zu verhindern gilt, „im stark umkämpften Niemandsland gebunden und abgenutzt zu werden. Der Erstkontakt mit dem Feind muss daher künftig unbemannt sein, auf Abstand.“ Er sieht es daher als erforderlich an, unbemannte Systeme in der Luft sowie am Boden in großer Zahl und tief zu integrieren, die sowohl für die Aufklärung, Wirkung und Unterstützung genutzt werden können. „Im Gefecht der verbundenen Waffen sind sie eng mit den bemannten Systemen zu verknüpfen als innovativer moderner gepanzerter Kern 2.0“, heißt es diesbezüglich in einem Manuskript seiner Rede.
Der stellvertretende Heeresinspekteur verwies beim Thema unbemannte Bodensysteme auf das aktuelle Gefechtsbild in der Ukraine, wo sich solche Systeme „bereits einen festen Platz in der Operationsführung der ukrainischen Streitkräfte“ erkämpft haben. Er stellt zudem die Frage, ob nicht Überlegungen angebracht wären, ob „das so dringend benötigte vierte Manöverelement auf Verbands- und womöglich auch auf Großverbandsebene“ unter Umständen auch unbemannt ausgebracht werden könnte.
Zunächst bedürfe es jedoch einer Anfangsbefähigung unbemannter Bodensysteme (UGV) im Deutschen Heer, zu denen es im Heer bereits „eine Vielzahl von Untersuchungen und Projekten“ gebe. „Neben den bereits eingeführten Systemen (kleine Aufklärungsroboter und Systeme zur Kampfmittelbeseitigung) gibt es Projekte, die logistische Aufgaben (z.B. Fahrzeug-Konvoi) mittels UGV für das Heer untersuchen. Dabei werden mittlere UGV zur Unterstützung für Infanterie-, Log- und Pionier-Kräfte und große UGV einschließlich einer elektronischen Deichsel für Logistikkräfte entwickelt“, heißt es in dem Text.
Gut unterrichtete Kreise gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr erste größere UGV-Ausschreibungen der Bundeswehr – hier mit dem Fokus auf logistische Aufgaben der Kampf- und Unterstützungstruppe – erfolgen werden. Kolportiert werden Budgetallokationen in einem hohen dreistelligen Millionenbereich.
Hübner fordert jedoch auf, weiter zu denken. „Wenn wir für das sich abzeichnende Kriegsbild ernsthaft einsatzbereit werden wollen, kommt es nun darauf an, auch innovativ über UGV für Kampf- und Kampfunterstützungstruppe nachzudenken. Denn nur im Manned-Unmanned-Teaming wird sich das skizzierte Niemandsland mit Aussicht auf Erfolg und hinreichendem Schutz überwinden lassen. Und seien Sie versichert, die Gegenseite arbeitet bereits daran“, erklärte der General auf dem parlamentarischen Abend laut Redetext.
Seiner Ansicht nach kommt es daher jetzt für das Deutsche Heer darauf an, diese Herausforderung zusammen mit der Industrie, den zuständigen Ämtern und der Truppe „ganz praktisch“ anzugehen. Die Experimentalserie des Heeres kann dazu seiner Meinung nach „ein erster Meilenstein für die dann weitere Verbandstestung in der Truppe sein, um parallel zu Fragen der technischen Umsetzbarkeit bereits über Einsatzgrundsätze nachzudenken und gemeinsam zu einer feldbrauchbaren Lösung zu kommen“.
Waldemar Geiger

















