Der deutsche Sensorspezialist Hensoldt will in den kommenden drei Jahren eine Milliarde Euro in den Ausbau des Unternehmens investieren. Nachdem man in der Vergangenheit bereits eine Milliarde Euro investiert habe, solle bis etwa 2027 eine weitere Milliarde dazukommen, um die Produktion weiter auszubauen, sagte Hensoldt-CEO Oliver Dörre gestern vor Journalisten in Berlin. Er geht davon aus, dass in der damit verbundenen zweiten Phase der Skalierung die Kapazität deutlich schneller ausgebaut werden kann, da das Unternehmen aus der ersten Phase des Produktionshochlaufs wichtige Erfahrungen mitgenommen habe.
Wie Hensoldt-CFO Christian Ladurner erläuterte, sollen von der zusätzlichen Milliarde Euro Investitionen rund 450 Millionen in Forschung und Entwicklung fließen, worin auch die Ausgaben für den neuen Multi-Domain Operations Core enthalten seien. 250 Millionen Euro sind seinen Angaben zufolge für inkrementelle Investitionen, etwa für die Automatisierung der Supply Chain, vorgesehen. Der Rest für die Modernisierung der IT-Systeme sowie zusätzliche Betriebsstätten.
Beim Multi Domain Operations Core handelt es sich offenbar um eine Software-Lösung, mit der zahlreiche Sensoren plattformübergreifend miteinander verbunden werden können, wie aus den Ausführungen von Dörre hervorging. Man werde eine Softwarelösung anbieten, die Sensorik unterschiedlicher Dimensionen vernetzen könne, sagte er. Diese sei in der Lage, nicht nur Hensoldt-Produkte, sondern auch Produkte anderer Hersteller über automatisiertes Software Coding in Netzwerke einzubinden. Dörre zufolge wird die Lösung in der Lage sein, über Large Language Models, über Sprache oder Schriftform, in quasi natürlicher Sprache Sensordaten für den Operateur verfügbar zu machen. „Und das hat das Potenzial, sage ich mal, in diesem Rennen schnell Fähigkeiten zu schaffen und wirklich einen Schub zu geben.“
Sein Unternehmen liefere traditionell für alle Dimensionen Sensoren, so beispielsweise Periskope für U-Boote und Panzer oder Radare für Flugzeuge und verfüge deshalb – anderes als viele Start-ups – über Zugang zu den gewonnenen Daten und könne damit umgehen. Wenn man das Gefechtsfeld beherrschen wolle, müsse man über alle Domänen hinweg wirken, betonte Dörre.
Man setze bei der Sensordatenfusion, KI und Large Lanuage Models auf offene Standards, was die Einbindung von Partnern ermögliche. „Wir werden unseren Beitrag leisten, organisch, aber auch in Partnerschaften das Sensornetzwerk Multidomain-übergreifend zu gestalten“, kündigte der Hensoldt-Manager an. Langfristig kann er sich auch vorstellen, in diesem Kontext „Datenclouds und Ähnliches“ als Dienstleister zu betreiben.
Im Bereich der Luftverteidigung strebt Hensoldt an, sein Passivradar mit dem TRML-4D-Radar zu kombinieren. Dazu befinden man sich mit Diehl Defence, dem Hersteller des Luftverteidigungssystems Iris-T SLM, in Abstimmung, so Dörre. Insgesamt sieht er einen weiter steigenden Bedarf nach Radaren. Allein zur flächenmäßigen Abdeckung von Deutschland seien 50 bis 70 TRML-4D erforderlich. Hensoldt will deshalb die Fertigung hochfahren.
Einen weiteren „Drive“ für sein Unternehmen sieht Dörre bei den Fahrzeugsystemen. So gehe es beispielsweise darum, die mittleren Kräfte des Heeres mit neuen Fahrzeugen auszustatten, für die Hensoldt Komponenten liefert. Auch beim Kampfpanzer Leopard gelte es „weiterzudenken“.
Zu einem Paradigmenwechsel komme es beim Spähfahrzeug der nächsten Generation. Denn im Sinne der Software Defined Defence liefere Hensoldt nicht nur die Sensorik, sondern ein komplettes Missionssystem. Mit Hilfe der eigenen Software Ceretron werden laut Dörre auf der Plattformebene die Systeme vernetzt. Damit sei man auf der Plattform in der Lage, „Daten aus dem Netzwerk von außen zu bekommen“ und Daten wieder in das Netzwerk einzuspeisen, um ein umfassendes Lagebild zu generieren.
Der Manager sieht auch Potenzial für sein Unternehmen bei Projekten wie der zukünftigen Fregatte 127. Etwa bei der Betreuung der Radare für die Fregatten. Unterhalb des Radars und des Führungs- und Waffeneinsatzsystems Aegis, werde es allerdings auch „nationale Erweiterungen“ etwa für die Eloka-Anlage oder Kanonen geben. Hier werde sich Hensoldt positionieren und führe verschiedene Gespräche mit Partnern, so Dörre.
Lars Hoffmann

















