Helsing rüstet Eurofighter für Elektronischen Kampf mit Künstlicher Intelligenz auf 

Lars Hoffmann

Anzeige

Helsing, ein führendes europäisches Unternehmen für Verteidigungstechnologie und Künstliche Intelligenz (KI), und Saab Deutschland rüsten 15 Eurofighter der Bundeswehr mit einem neuen System für den Elektronischen Kampf (EK) aus. Dabei liefert Helsing die Künstliche Intelligenz, während Saab seine Sensorsuite Arexis beisteuert. Die beiden Firmen haben dazu einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, dessen Volumen sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag beläuft, wie Helsing in einer Mitteilung schreibt. 

Den Angaben zufolge sieht der Vertrag vor, dass Helsing die KI-basierte Software Cirra für elektronische Kampfführung liefert. Auf dem Eurofighter werde Cirra dann in den kommenden drei Jahren in die Arexis-Sensorsuite von Saab integriert. Software und Hardware der beiden Firmen sollen gemeinsam dafür sorgen, dass der Eurofighter Einsätze zur Bekämpfung und Zerstörung feindlicher Luftabwehrsysteme fliegen kann. Die Eurofighter sollen diese Rolle, die auch als Suppression of Enemy Air Defence (SEAD) bezeichnet wird, von den betagten Tornados übernehmen, die 2030 außer Dienst gehen sollen.

Anzeige

Saab Deutschland und Helsing wurden bereits 2023 vom Bundesministerium der Verteidigung ausgewählt, 15 Eurofighter der Luftwaffe für den Elektronischen Kampf zu befähigen. Mit dem jetzt geschlossenen Vertrag beginnt laut Helsing die Anpassentwicklung und gemeinsam mit Airbus Defence and Space die Integration in den Eurofighter, nachdem die konzeptionelle Phase der Systemdefinition in den vergangenen 18 Monaten erfolgreich abgeschlossen wurde. 

Anzeige

Wie Stephanie Lingemann, die bei Helsing für die Dimension Luft zuständig ist, in einem Fachgespräch mit Journalisten erläuterte, wird voraussichtlich im Jahr 2028 die Live-Flug-Kampagne mit dem auf einem Eurofighter eingerüsteten System beginnen.

Die Software Cirra von Helsing ist ihren Worten zufolge dafür ausgelegt, wandelbare und dynamische Flugabwehrradare zu detektieren und zu kategorisieren. KI sei dafür prädestiniert, große Datenmengen aus dem elektromagnetischen Spektrum zu verarbeiten, insbesondere wenn dieses sehr voll und komplex sei, so Lingemann. Cirra nutzt laut Hersteller Deep Learning, um unbekannte Flugabwehrsender zu klassifizieren und ihre Absichten zu verstehen. Die Algorithmen laufen direkt auf dem Kampfflugzeug und ermöglichen Echtzeit-Bedrohungsanalysen und Absichtserkennung, selbst bei unbekannten Emittern. Cirra erhöhe so die Überlebensfähigkeit von Kampfjets signifikant und trägt dazu bei, ein vollständiges und präzises Lagebild zu liefern.

Lingemann sagte, dass KI drei „große Fähigkeitsbeiträge“ liefern könne. Erstens gebe es neben dem Bibliotheksansatz den KI-basierten Ansatz zur Identifikation von Emittern. Bei der dafür erforderlichen komplexen Mustererkennung könne KI deutlich mehr Parameter gleichzeitig auswerten und damit die Sicherheit der Identifikation steigern. Der zweite Beitrag liege im Bereich der „Intent Recognition“. Aufgrund des Arbeitsmodus, in dem sich ein Radarsystem befinde, und aufgrund des Verhaltens des Radars zum eigenen Flugzeug, könne herausgefiltert werden, ob sich das System im Scanning, Tracking oder bereits im „Missile-Guidance-Modus“ befinde. So könne das Gefahrenpotenzial von Emittern bewertet werden, selbst wenn diese noch nicht bekannt seien. Drittens lebe EK von einem stets aktualisierten Informations-Datenloop. Dieser könne durch KI deutlich beschleunigt werden, etwa wenn es um die Aufnahme neuer Emitterparamener in die Datenbank gehe.  

Um die Fähigkeiten des Systems zu demonstrieren und Risiken im Programm zu reduzieren, hat Helsing in den vergangenen Monaten Cirra in einen fliegenden Testträger eingebaut, dabei handelt es sich um Flugzeug des Typs Grob 120. Dies versetzt Helsing in die Lage, firmeneigene Test- und Bewertungsflüge im In- und Ausland durchzuführen. Dem Unternehmen zufolge wurden auf diese Weise unter anderem Luftverteidigungsradare für SA 6 und SA 8, die zur Feinddarstellung genutzt werden, in die Cirra-Datenbank aufgenommen. Überdies seien von Partnerfirmen moderne Bodenradare angemietet worden, um deren Parameter zu vermessen. In Kürze ist geplant, ein größeres und schnelleres Turbopropflugzeug mit hochwertigerer Payload als Testbed für Cirra zu verwenden. Nach Aussage von Lingemann hat überdies Saab Daten zur Verfügung gestellt und in Zukunft werde dies auch der Kunde machen. Überdies hat Helsing ein Simulationsteam aufgebaut, um Emitter künstlich nachzubilden.

Die für die Eurofighter EK vorgesehen Szenarien schließen auch gleichwertige, moderne generische Streitkräfte ein. Zunächst solle der Eurofighter als unabhängiges Waffensystem befähigt werden. Zukünftig könnten die gewonnen Erkenntnisse womöglich auch für andere Anwendungen geteilt werden, sagte Lingemann. Die Luftwaffe müssen entscheiden, welcher Teil der Flotte damit ausgestattet werden. Zur Verarbeitung der Daten wird ihrer Aussage zufolge ein Hochleistungschip verwendet, der in den Eurofighter integriert wird. Gundbert Scherf, Mitgründer und Co-CEO von Helsing, wird mit den Worten zitiert: „Nach intensiven Tests und Investitionen freuen wir uns darauf, gemeinsam mit Saab in die Entwicklungsphase überzugehen. Dieser Schritt unterstreicht unsere Fähigkeit, neue Technologien schnell und Hand in Hand mit Industriepartnern zu entwickeln, zu testen und einzuführen.“ 

Lars Hoffmann