CustomCells hat neue Lithium-Ionen-Batteriezellen für militärische Anwendungen entwickelt

Lars Hoffmann

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Der deutsche Batteriezellenhersteller CustomCells aus Itzehoe hat nach eigenen Angaben mit seiner neuen „High Cycle Power“-Technologie (HCP) einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung von Lithium-Ionen-Batterien gemacht. Die neue Zellchemie sei speziell für anspruchsvolle Anwendungen, etwa bei militärischem Gerät, Spezialfahrzeugen und mobilen Energiesystemen ausgelegt, gibt das Unternehmen an.

Im Zentrum der Entwicklung steht den Angaben zufolge eine Anodenchemie, die sich deutlich von klassischen Graphit- oder Siliziumlösungen unterscheidet. Sie kombiniere hohe Leistungsfähigkeit mit außergewöhnlicher Sicherheit und einer extrem langen Lebensdauer – selbst unter widrigsten Umweltbedingungen, wie extremer Kälte oder Hitze.

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Wie CustomCells-Geschäftsführer Benno Leuthner im Gespräch mit hartpunkt erläutert, sind Batteriezellen seines Unternehmens bereits für die Nutzung bei der Bundeswehr geliefert worden. Es gehe dabei um Anwendungen in Torpedos, sagte er. Man befinde sich überdies mit weiteren potenziellen Nutzern aus der Rüstung, etwa Herstellern von Drohnen, in Gesprächen.

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Leuthner betont, dass CustomCells – das Unternehmen konzentriert sich auf sogenannte Pouch- und prismatische Zellen – bereits in die Serienproduktion der neuen Zellen eingestiegen ist und diese nach militärischen Vorgaben zertifiziert seien.

Ein zentrales Merkmal der HCP-Zellen ist laut Hersteller ihre Fähigkeit zum schnellen Laden: Eine vollständige Ladung sei – je nach Anwendung – in nur sechs Minuten möglich. Gleichzeitig können die Zellen sehr hohe Ströme liefern, was insbesondere für Startvorgänge großer Motoren oder kurzzeitige Leistungsspitzen wichtig sei. Wie Leuthner erläutert, sind die neu entwickelten Batteriezellen aufgrund ihrer technischen Eigenschaften „intrinsisch sicher“. Um diese Sicherheit zu erreichen, wende sein Unternehmen unter anderem spezielle Prozesse bei der Beschichtung, Trocknung und Assemblierung an.

Durch die hohe Betriebsspannung der Anode wird die Bildung von Lithium-Dendriten laut CustomCells verhindert – eine der Hauptursachen für interne Kurzschlüsse und thermisches Durchgehen bei herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien. In internen Tests habe die HCP-Technologie selbst bei Überladung, Kurzschluss oder mechanischer Beschädigung kein Brand- oder Explosionsrisiko gezeigt.

Nach Angaben des Herstellers haben die Zellen auch nach mehr als 10.000 Lade- und Entladezyklen ihre volle Kapazität beibehalten. Da sich das Elektrodenmaterial beim Laden und Entladen kaum ausdehne oder zusammenziehe, werde die Alterung reduziert.

Nach Angaben des CEO können die Zellen auch bei sehr niedrigen Temperaturen im zweistelligen Minusbereich ge- und entladen werden. Gleichzeitig werde ein mehrjährige Lagerfähigkeit ohne Nachladung erreicht.

CustumCells kann laut Leuthner bereits heute auf eine Lieferkette nur in NATO-Staaten oder „NATO +“ zurückgreifen. Damit bestehe keine Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern. Eine solche Sicherheit der Lieferkette werden immer häufiger von Kunden gefordert, sagt er.

China galt in den vergangenen Jahren bei Lithium-Batterien als marktbeherrschend. Die Einschränkungen beim Export, etwa von Seltenen Erden, haben vielen Kunden allerdings ihre gefährliche Abhängigkeit vor Augen geführt. Nicht nur bei Batterien, sondern auch bei anderen militärischen Produkten legt auch die Bundeswehr gegenwärtig mehr Gewicht auf Souveränität und eine sichere Versorgung.

Zur NATO+ zählt Leuthner unter anderem Länder wie Südkorea, Japan oder Australien. Insbesondere die ersten beiden verfügen selbst über eine leistungsfähige Batterie-Industrie und können sowohl Komponenten als auch Materialien liefern. Zum Teil können Grundstoffe nach Aussage des CustomCells-CEO bereits aus Südamerika bezogen werden, wie etwa Lithium.

Leuthner sieht einen erheblichen Bedarf für Batteriezellen seines Unternehmens für Anwendungen in unbemannten Fahrzeugen auf und unter Wasser, auf Land sowie in der Luft für die Bundeswehr und NATO-Streitkräfte. Bei Drohnenanwendungen unter Wasser seien Tauchtiefen von mehreren Hundert Metern möglich. Sein Unternehmen biete auch Entwicklungsleistungen an, etwa bei fliegenden Drohnen.

CustomCells versteht sich als Entwickler, Produzent und Lieferant von Zellen, die von Partnern zu Packs zusammengestellt und mit einem Batteriemanagementsystem versehen zu Akkus zusammengebaut werden.

Akkus mit den Zellen des Unternehmens aus Itzehoe können nach eigenen Angaben auch klassische Blei-Säure-Batterien in militärischen Fahrzeugen ersetzen. Die Technologie erfülle nicht nur die Anforderungen an hohe Startströme, sondern biete aufgrund der hohen Energiedichte gleichzeitig ausreichend Energiereserven für sogenannte „Silent-Watch“-Betriebsarten, bei denen die Bordelektronik ohne laufenden Motor versorgt wird.

Bei entsprechender Nachfrage ist nach Aussage von Leuthner eine kurzfristige Skalierung der Produktion mögliche. Es könnten mehrere Produktionsstätten in Norddeutschland eingerichtet werden, so der Manager. Auch sei die Produktion bei Partnern denkbar.

Mit der HCP-Technologie adressiere CustomCells Anwendungen, bei denen Zuverlässigkeit, Sicherheit und schnelle Einsatzbereitschaft entscheidend seien. „Neben militärischen Fahrzeugen kommen dadurch auch Spezialfahrzeuge in Frage sowie unbemannte Systeme, stationäre Energiespeicher in anspruchsvollen Umgebungen und Anwendungen, bei denen die Total Cost of Ownership (TCO) hochrelevant ist, wie etwa im Bergbau“, so Leuthner.

Im Vergleich zu Standardformaten sei der Preisaufschlag bei Zellen von CustomCells nur gering, so das Unternehmen. Bei Sonderanwendungen könne der Preisunterschied deutlich größer sein, aber ein pauschaler Vergleich sei hier nicht möglich. Nach Aussage des Unternehmens sind die Gesamtkosten bei Kunden sogar niedriger als mit asiatischen Standardkomponenten, da uner anderem weniger Zellen benötigt werden oder ein deutlich günstigerer Bauraum genutzt werden könne.

CustomCells ist ein 2012 gegründeter deutscher Entwickler und Hersteller für Lithium-Ionen-Batteriezellen mit rund 100 Angestellten. Am Sitz in Itzehoe betreibt das Unternehmen, das vollständig im Besitz deutscher Gesellschafter ist, nach eigenen Angaben ein F&E-Zentrum sowie flexible, skalierbare Produktionslinien. Das Unternehmen war nach der Insolvenz des Flugtaxi-Anbieters Lilium als wichtigem Auftraggeber im vergangenen Jahr wirtschaftlich in Schieflage geraten. Mit einem neuen Eigentümerkreis konzentriert sich das Unternehmen nach eigenen Angaben seit Juli 2025 auf kundenindividuelle Zellen für anspruchsvollste Anwendungen, insbesondere in Verteidigung, Motorsport und weiteren High-Tech-Sektoren.

Lars Hoffmann