Bundeswehr: TYTAN Technologies mit Entwicklung einer Drohnenabwehr-Lösung für Liegenschaften beauftragt

Waldemar Geiger

Anzeige

Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat das Münchener Start-up TYTAN Technologies mit der Entwicklung einer Drohnenabwehr-Lösung für Bundeswehr-Liegenschaften beauftragt. Dies geht aus einer heute veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens und des BAAINBw hervor. Anders als bisherige Drohnenabwehr-Lösungen der Bundeswehr fokussiert sich die neue Lösung offenbar auf die Nutzung kinetischer Ansätze, die sowohl im Friedensbetrieb Spionagedrohnen als auch im Kriegseinsatz Langstrecken-Abfangdrohnen erfolgreich bekämpfen können.

Wie ein TYTAN-Sprecher auf Nachfrage erklärte, hat der Entwicklungsauftrag ein Gesamtvolumen in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrages. Kerngegenstand der Entwicklung – bei dem das Start-up als Generalunternehmer fungiert – ist die Entwicklung und Demonstration einer modularen Komplettlösung, die kritische Infrastruktur der Bundeswehr effektiv gegen Bedrohungen durch feindliche UAS der NATO-Klasse II (<600 kg) schützen kann. Im Fokus des des Ansatzes steht die Fusion verschiedenster Sensortypen, Effektoren sowie Führungs- und Kontrollkomponenten. TYTAN selbst soll dabei offenbar die Führungs- und Kontroll-Software, die Bodenkontrollstation und die Abfangdrohnen bereitstellen.

Anzeige

Den Angaben des Unternehmenssprechers zufolge will man bereits im ersten Quartal 2026 funktionierende Lösungen demonstrieren. Geplant sind dabei sowohl Versionen für den stationären sowie den mobilen Einsatz.

Anzeige

Kernstück der TYTAN-Drohnenabwehrlösung ist die Software, bei der die darin genutzte KI wesentliche Aufgaben des Abfangprozesses übernimmt und die kognitive Last der Nutzer minimiert. Der Mensch muss nur einzelne Entscheidungen – wie beispielsweise den Start der Abfangdrohne oder die Freigabe des Endanfluges – treffen.

Die Abwehr der Drohnen selbst erfolgt mittels Abfangdrohnen, die ebenfalls von TYTAN Technologies entwickelt wurden und der Unternehmensmitteilung zufolge bereits erfolgreich unter Einsatzbedingungen im In- und Ausland getestet worden sind. Den Angaben des Herstellers nach, soll mit den Abfangdrohnen, die über eine autonome Zielerfassung verfügen und so eine präzise Neutralisierung feindlicher Drohnen erlauben, eine Drohnenabwehr zu deutlich geringeren Kosten möglich sein, als dies mit herkömmlichen Luftverteidigungssystemen darstellbar ist. Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen zur Drohnenabwehr mittels Störsystemen und Fangnetzen, können schnelle, kinetisch wirkende Abfangdrohnen selbst hoch- und schnellfliegende Feinddrohnen effektiv bekämpfen.

Ob es sich bei den für die Bundeswehr vorgesehenen Abfangdrohnen um rein kinetisch wirkende Drohnen handelt, die nach dem Hit-to-kill-Prinzip arbeiten, oder um Systeme mit einer integrierten Sprengladung, ist unklar. Das Unternehmen wollte dazu keine Stellung nehmen. Generell hat TYTAN Technologies beide Varianten im Angebot. Auch zu weiteren Leistungsmerkmalen der Abfangdrohnen wollte das Unternehmen keine Angaben machen. In Folge von Messen und Ausstellungen wurden jedoch unterschiedlich große Systeme gezeigt, die Abfanggeschwindigkeiten von rund 300 km/h erreichen und Reichweiten von 5, 25 bzw. 50 km aufweisen. Der Verweis in der Pressemitteilung auf den Schutz vor Drohnen der NATO-Klasse II dürfte jedoch darauf hindeuten, dass eine Variante des „TYTAN Interceptor B“ zum Einsatz kommen wird, die eine Abfangreichweite von rund 25 km aufweisen soll.

Der Abfangprozess der TYTAN-Abfangdrohnen läuft wie folgt ab:

  1. Eine feindliche Drohne aus der Zielkategorie wird mittels eines im Einsatz befindlichen Aufklärungssensors – beispielsweise Radar, Optronik oder Akustik – erkannt und das Drohnenabwehrsystem gemeldet.
  2. Das Drohnenabwehrsystem berechnet dann anhand des Flugprofiles der Zieldrohne autonom einen optimalen Abfangkurs und schlägt dem Nutzer – in diesem Fall dem Kommandanten des Fahrzeuges – den Einsatz der Interceptor-Drohne vor.
  3. Einmal gestartet, fliegt die Abfangdrohne das Ziel an und holt dieses vom Himmel, dabei wird der Interceptor durchgehend autonom gesteuert, auch im Ziel-Endanflug – dafür ist an der Spitze der Drohne ein beweglicher, tag- und nachtfähiger Sensor angebracht.

Waldemar Geiger