Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat heute im Namen und bevollmächtigt von Dänemark mit Diehl Defence einen Vertrag über die Lieferung einer Feuereinheit des Luftverteidigungssystems Iris-T SLM an den nördlichen Nachbarn Deutschlands unterzeichnet. Wie aus einer Mitteilung des BAAINBw auf dem offiziellen WhatsApp-Kanal hervorgeht, erfolgte die Beschaffung im Rahmen der European Sky Shield Initiative (ESSI), die 2022 von Deutschland ins Leben gerufen wurde.
Die gemeinsame Beschaffung verbessert nach Angaben des BAAINBw nicht nur die Interoperabilität, die höheren Stückzahlen senken zudem die Beschaffungskosten sowie die Betriebskosten, da Wartung und Logistik gemeinsam erfolgt.
Wie hartpunkt bereits im Juni berichtete, haben sich die dänischen Streitkräfte im Rahmen einer Interimslösung für die bodengebundene Luftverteidigung (Ground Based Air Defence; GBAD) für den parallelen Kauf bzw. das Leasing von drei unterschiedlichen Luftverteidigungssystemen mittlerer Reichweite entschieden. Neben Iris-T SLM von Diehl Defence wurde jüngst auch eine Feuereinheit des MBDA France Systems VL MICA im Wert von 390 Millionen Euro gekauft. Zudem wurde eine Feuereinheit des us-norwegischen Luftverteidigungssystems NASAMS von Kongsberg geleast. Dänemark hat sich für diesen Weg entschieden, damit alle drei Systeme ab 2026 der Truppe zur Verfügung stehen können. Parallel soll die dänische Organisation für Beschaffung und Logistik im Verteidigungsbereich (DALO) den Beschaffungsprozess für eine permanente Lösung durchführen, einschließlich einer Bewertung, ob eines der Interims-GBAD-Elemente beibehalten werden sollte.
Das System Iris-T SLM ist laut Hersteller auf die Abwehr von Bedrohungen durch gegnerische Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und Drohnen auf eine Distanz von bis zu 40 km und einer Höhe von 20 km ausgelegt. Eine Feuereinheit Iris-T SLM besteht aus den Komponenten Startgerät, Radar und Gefechtsstand. Üblicherweise wird ein System mit drei Startgeräten, die jeweils bis zu acht SLM-Flugkörper tragen können, genutzt. Es wird durch Unterstützungselemente wie Werkstatt-, Ersatzteil- und Nachladefahrzeuge ergänzt. Das System zeichne sich durch seine hohe taktische Mobilität, Dislozierbarkeit der Startgeräte und Mehrfachzielbekämpfung bei geringem Personalaufwand aus.
Das Luftverteidigungssystem hat sich im Ukrainekrieg als besonders treffsicher bei der Abwehr von Langstrecken-Angriffsdrohnen und Marschflugkörper bewährt, selbst die Abwehr ballistischer Bedrohungen soll vereinzelt erfolgt sein. Neben der Ukraine ist das Luftverteidigungssystem auch in Ägypten im Einsatz. Weiterhin haben sich Deutschland, Estland, Lettland, Slowenien, Schweden und die Schweiz für die Beschaffung von Iris-T SLM entschieden. Zudem gibt es Signale aus Bulgarien, Litauen und Österreich, die auf eine Beschaffungsabsicht hindeuten.
Waldemar Geiger














