Airbus in Gesprächen mit Automobilindustrie für Space-Produkte

Lars Hoffmann

Anzeige

Zahlreiche Unternehmen der Rüstungsindustrie denken gegenwärtig darüber nach, für den Ausbau der eigenen Produktion auf Infrastruktur und Personal der Automobilindustrie zurückzugreifen. So soll es beispielsweise mehrere Interessenten aus der Verteidigungsbranche für das VW-Werk in Osnabrück geben.

Auch Airbus befinde sich in Gesprächen mit der Automobilindustrie, sagte Klaus Michel, Geschäftsführer bei Airbus Defence and Space, heute auf einer Panel-Diskussion bei der Tech Conferce von Handelsblatt und Schwarz Digits in Heilbronn. Seiner Aussage zufolge geht es bei den Gesprächen um die Produktion von Satelliten und Satelliten-Elektronik.

Anzeige

Bekanntlich will die Bundeswehr in den kommenden Jahren 35 Milliarden Euro in die Weltraumsicherheit investieren und komplexe Konstellationen aufbauen, wobei einer nationalen Wertschöpfungskette immer mehr Bedeutung zukommt.

Anzeige

„Wir bauen jetzt Hunderte von Satelliten“, sagte Michel. Die Automobilindustrie habe das Know-how, um die Produktion auf große Stückzahlen zu skalieren, von diesem Wissen könne man profitieren.  Man schaue sich in ganz Deutschland um, sagte der Manager am Rande der Veranstaltung zu hartpunkt.

Beobachter gehen davon aus, dass insbesondere Automobilstandorte in strukturschwachen Regionen oder dort, wo es eine Automotive-Monokultur gibt, für Übernahmen in Frage kommen. Für die Automobilbranche würde dies den Vorteil bringen, dass Fertigungsstätten weiter genutzt und Mitarbeiter nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Womöglich lassen sich so auch finanzielle Belastungen für Abfindungen und Überbrückungslösungen reduzieren.

 Presseberichten zufolge wollen Airbus Defence and Space, Rheinmetall und OHB gemeinsam für das beim Aufbau eines Netzwerks von Kommunikationssatelliten mit der Bezeichnung SATCOMBw 4 zusammenarbeiten und dem Verteidigungsministerium ein entsprechendes Angebot vorlegen. Dafür sollen mehrere Hundert Satelliten ins All geschossen werden.    

Aufgrund der Krise in der deutschen Automobilindustrie ist schon seit längerem, das Abwandern von Fachpersonal aus dieser Branche in die Verteidigungsindustrie zu beobachten, wie eine Reihe von Firmen berichten. Das bestätigte auch Leonard Wessendorff, CEO und Gründer von ProjectQ, auf der gleichen Podiumsdiskussion. So komme das ProjectQ-Team für die Sensorfusion vom Automobilhersteller Daimler. Personal von Automobilherstellern bringe umfangreiche Fähigkeiten mit und die Neugier, sich mit mit neuen Themen zu beschäftigten, sagte Wessendorff.

Lars Hoffmann