Die schwedischen Streitkräfte haben eine nicht näher bezifferte Anzahl von Marschflugkörpern des Typs TAURUS aus Beständen der Bundeswehr erhalten. Dies geht aus einem heute veröffentlichten Beitrag der schwedischen Wirtschaftspublikation „Dagens industri“ hervor. Dem Bericht zufolge bestätigte die schwedische Rüstungsbeschaffungsbehörde FMV den Transfer der Marschflugkörper aus deutschen Beständen. Die genaue Zahl der überlassenen TAURUS-Flugkörper wird jedoch weiterhin geheim gehalten.
Wie hartpunkt berichtete, haben die schwedischen Streitkräfte Ende August 2026 erstmals ein Flugkörperschießen durchgeführt, bei dem die von der Taurus Systems GmbH – einem Joint Venture von MBDA Deutschland und Saab – entwickelte Abstandswaffe TAURUS von einem Kampfflugzeug des Typs Gripen C verschossen wurde.
Die schwedische Luftwaffe veröffentlichte dazu ein 14 Sekunden langes Video, das den Einsatz des TAURUS von einer Gripen C zeigt. Darin war zu erkennen, dass das Kampfflugzeug neben dem Testflugkörper mit einem weiteren TAURUS-Dummy bestückt war.
Die Markierungen auf dem verschossenen Flugkörper deuteten bereits damals darauf hin, dass der Testflugkörper mit einem Gefechtskopf ausgestattet war. Daher wurde bereits zu diesem Zeitpunkt in Fachkreisen darüber spekuliert, aus welchen Beständen der für den Test benötigte Flugkörper stammte.
Da der TAURUS in seiner ursprünglichen Version nicht mehr hergestellt wird, gingen Beobachter davon aus, dass Schweden den oder die benötigten Marschflugkörper aus den Beständen einer anderen Nation erhalten haben musste. Neben Deutschland wurde der Flugkörper auch in Spanien und Südkorea eingeführt.
Ob die schwedischen Streitkräfte lediglich eine für Integrationszwecke notwendige Anzahl an TAURUS-Flugkörpern aus Bundeswehrbeständen erhalten haben oder ob ein für den operativen Einsatz ausreichender Vorrat transferiert wurde, ist derzeit nicht bekannt. Neben den Flugkörpern selbst wäre dafür auch ein Missionsplanungssystem erforderlich, mit dem die für den Einsatz notwendigen Geodaten vor dem Start auf den Flugkörper übertragen werden.
Die Bundeswehr hat nach öffentlich zugänglichen Informationen im Zeitraum von 2005 bis 2010 insgesamt 600 TAURUS KEPD 350 zur Ausstattung ihrer Tornado-Kampfflugzeuge beschafft. Seitdem wurden mit dem Waffensystem mehrere Übungsschüsse durchgeführt. Aktuell läuft zudem die Integration des TAURUS auf den Eurofighter. Der Marschflugkörper soll bis Mitte der 2040er-Jahre im Bestand der Luftwaffe bleiben.
TAURUS
TAURUS steht für Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System. Der Marschflugkörper wird von der Taurus Systems GmbH produziert. Der 1,4 Tonnen schwere Flugkörper ist mit einem rund 450 kg schweren Gefechtskopf ausgestattet, der gut 100 kg Explosivstoff enthält.
Der TAURUS fliegt mit Unterschallgeschwindigkeit und verfügt über eine Reichweite von mehr als 500 km. Bei dieser Reichweitenangabe handelt es sich um eine theoretische Leistungsangabe unter optimalen Flugbedingungen und bei einer geradlinigen Flugbahn zwischen dem startenden Kampfflugzeug und dem Ziel. In der Einsatzpraxis würde der TAURUS, ebenso wie andere luftgestützte Wirkmittel, aus einer gewissen Entfernung zum Gefahrenbereich abgefeuert, um das Trägerflugzeug möglichst wenig der gegnerischen Luftverteidigung auszusetzen. Die tatsächliche Reichweite hängt daher unter anderem von der jeweiligen Flughöhe, dem Flugprofil und der Missionsplanung ab.
Waldemar Geiger















