Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall, einer der größten Munitionshersteller der westlichen Welt, treibt sein Projekt „Firepower“ voran und baut seine Produktionskapazitäten erheblich aus. Noch im Oktober wird das Tochterunternehmen Rheinmetall Expal Munitions am spanischen Standort Albacete seine neue Mittelkaliberfertigung in Betrieb nehmen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.
Der Standort Albacete solle um fast ein Drittel der bisherigen Belegschaft wachsen – von derzeit rund 210 auf rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, heißt es weiter. Produktionsanlagen der nächsten Generation ermöglichen dank eines hohen Automatisierungsgrades, Schlüsselkomponenten für Mittelkaliberpatronen noch schneller und in größeren Mengen herstellen zu können, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Auch die Fertigungskapazität für Mörserwaffen und Systeme – die bisherige Kernkompetenz des Standortes – werde deutlich ausgeweitet. Rheinmetall hat nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten am Standort Albacete investiert.
So wurde ein Gebäude modernisiert und ausgeweitet, um die neue Mittelkaliber-Produktionslinie aufnehmen zu können. Auf einer Fläche von etwa 5.700 Quadratmetern wurden eine neue technische Gebäudeinfrastruktur, neue Maschinen und neue Fertigungsmöglichkeiten geschaffen. Ebenso entstand in weniger als einem Jahr ein neues Gebäude mit 5.200 Quadratmetern Nutzfläche, um die Produktion von Mörsersystemen auszuweiten. Auch die Flugzeugwartung wird laut Rhienmetall in dieser neuen Halle möglich sein.
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, wird mit den Worten zitiert: „Albacete gehört zu unseren wichtigen Kompetenzzentren im Bereich der Munitionskomponenten- und Waffensystemfertigung. Es liegt auf der Hand, diese Kompetenz unserer Kolleginnen und Kollegen für unser Projekt ‚Firepower‘ zu nutzen. Wir bringen eine neue Fähigkeit in diesen Standort, um die Mittelkaliber-Produktion deutlich zu steigern. Zugleich stärken wir die bisherige Kernkompetenz des Werkes, nämlich den Bau von Mörsersystemen. Albacete wird somit nicht nur für Rheinmetall, sondern auch für Spanien und Europa von strategischer Bedeutung sein und zur glaubhaften Verteidigungsfähigkeit beitragen.“
Im Bereich Mittelkaliber-Komponenten kann Albacete laut Mitteilung die Kaliber 20 mm bis 35 mm abdecken. Die jährliche Produktionskapazität werde bei rund 1,2 Millionen Geschossen und etwa 1,8 Millionen Patronenhülsen liegen. Diese Komponenten werden an anderen Standorten des Rheinmetall-Netzwerkes – unter anderem im Werk in Burgos – weiter verarbeitet, um verschiedene Munitionstypen für Schützenpanzer und Flugabwehrkanonensysteme herzustellen. Hierzu zählen tempierbare Gefechtsmunition, panzerbrechende Pfeilgeschosse oder die AHEAD-Munition zur Luftfahrzeug- und Drohnenabwehr. Im Bereich der Mörsersysteme soll die jährliche Fertigungskapazität künftig bei 40 Dual-Eimos-Mörsersystemen im Kaliber 81 mm liegen. Weiterhin sei es möglich, mehr als 650 Mörser in den Kalibern 60mm, 81mm und 120mm pro Jahr herzustellen.
Das Rheinmetall Expal-Munitions-Werk in Albacete hat sich laut Mitteilung als Kompetenzzentrum für die Munitionskomponentenproduktion und die Herstellung verschiedener Mörsertypen in den Kalibern 60mm, 81mm und 120mm und von Mörsersystemen etabliert. Dabei liegt der Schwerpunkt insbesondere auf der Produktion der EIMOS-81-Modelle und der bevorstehenden Serienfertigung des EIMOS 120.
Mit dem Projekt „Firepower“ reagiert Rheinmetall nach eigenen Angaben auf die dringende Nachfrage nach Munition in der westlichen Welt. Das Technologieunternehmen strebt an, bis spätestens 2030 eine jährliche Produktionskapazität von 1,5 Millionen Schuss 155mm-Artilleriemunition, 240.000 Schuss 120mm-Panzermunition und 4 Millionen Schuss Mittelkalibermunition zu erreichen.
An der Erweiterungszeremonie in Albacete nahmen die spanische Staatssekretärin für Verteidigung, Amparo Valcarce, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Heiko Thoms, der Bürgermeister der Stadt Albacete, Manuel Serrano López, und der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall AG, Armin Papperger, teil.
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