Die US-Marine hat Zone 5 Technologies, einem Unternehmen des norwegischen Kongsberg-Konzerns, einen auf 65 Millionen US-Dollar dotierten Auftrag zur Herstellung und Lieferung ihrer kampferprobten, kostengünstigen Marschflugkörper des Typs „Rusty Dagger“ für das „Coalition Heterogeneous Affordable Offensive Strike“ (CHAOS)-Programm der Streitkräfte erteilt. Der am 21. August bekanntgegebene Auftrag ist der zweite Vertrag, der im Rahmen des relativ neuen CHAOS-Programms unterzeichnet wurde, dessen Ziel es ist, modulare, von Schiffen aus gestartete Marschflugkörper an die USA und ihre Verbündeten zu liefern.
„Da Gegner zunehmend fortschrittliche Systeme zur Einschränkung von Bewegungen in Einsatzräumen (Area Denial) einsetzen, stehen Koalitions- und verbündete Streitkräfte vor erheblichen Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung glaubwürdiger, moderner und erschwinglicher Schiffsabwehrfähigkeiten“, wird Kapitän zur See Sarah Abbott, Programmmanagerin bei PMX-201, in der Pressemitteilung der US-Marine zur Auftragsvergabe zitiert. „CHAOS schließt diese Fähigkeitslücke, indem es eine hochleistungsfähige, anpassungsfähige und exportierbare Lösung für den maritimen Angriff liefert, die die heutigen Probleme der Überalterung und der Lieferkette überwindet.“
Der erste Auftrag wurde an CoAspire vergeben, einen Wettbewerber von Zone 5, der seine von Schiffen aus gestartete „Rapidly Adaptable Affordable Cruise Missile-Extended Range (RAACM-ER)“ liefert. Der jüngste Auftrag an Zone 5 stellt einen wesentlich größeren Schritt bei der Einführung leistungsfähiger Marschflugkörper für die USA und ihre Verbündeten dar – insbesondere im Pazifikraum.
Im Gegensatz zur RAACM-ER ist der „Rusty Dagger“ von Zone 5 eine Waffe, die bereits im hart umkämpften russischen Luftraum im Kampfeinsatz erprobt wurde. Dies verschafft Zone 5 einen deutlichen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, da sich die Wirksamkeit des Flugkörpers in der Praxis bestätigt hat.
Nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Quellen ist der Flugkörper bereits ein herausragendes Element im „Extended Range Attack Munition“-Programm der Luftwaffe. Grund dafür ist die herausragende Leistung der Waffe im ukrainischen Einsatz, wo „Rusty Dagger“-Flugkörper Ziele mit äußerster Präzision getroffen haben und dabei gleichzeitig hohe Überlebensraten aufrechterhalten konnten – selbst gegen fortschrittliche Boden-Luft-Raketen.
Dank dieser Erfahrungen ist „Rusty Dagger“ in Test und Entwicklung den Konkurrenten CoAspire und Anduril, die jeweils „RAACM-ER“ und „Barracuda-M“ anbieten, deutlich voraus.
Das CHAOS-Programm der Marine ist eine von vielen neuen Initiativen, die aus dem Bestreben des Pentagons nach kostengünstigen Angriffswaffen mit hoher Schlagkraft hervorgegangen sind. Die Waffenproduktion steigt gegenwärtig auf breiter Front, wobei kostengünstige Programme der Luftwaffe und der Marine voraussichtlich in den kommenden Jahren Tausende neuer Marschflugkörper liefern werden. Auch bei High-End-Programmen wie der JASSM- und LRASM-Familie von Lockheed Martin steigen die Auslieferungsraten, und zuletzt wurde die Anzahl der erwarteten Lieferungen aus einem Vertrag für 2024 erhöht, wie die hartpunkt-Partnerseite Naval News bereits berichtete. Das Angebot von Zone 5 soll diesen Verfügbarkeitspool noch weiter ausbauen.
„Zone 5 freut sich außerordentlich über die Partnerschaft mit der [US-Marine] und darüber, sowohl den US-Streitkräften als auch unseren Verbündeten sofortige Einsatzfähigkeit zu bieten. Das Engagement des [Marineministeriums] für die Erfüllung von Missionen in erforderlichem Tempo passt perfekt zu Zone 5 und unserer bewährten Erfolgsbilanz“, wird Thomas Akers, CEO von Zone 5, in einer Pressemitteilung zitiert.
„Rusty Dagger“ wird bereits für die ukrainische Luftwaffe produziert, und Naval News berichtete bereits über den Einsatz des Flugkörpers bei Langstreckenangriffen auf wichtige russische Militärziele, die die Produktion von Schlüsselwaffen und -technologien durch das russische Militär beeinträchtigt haben.
Diese andauernde Kampagne macht die Waffe, die in den Vereinigten Staaten die Bezeichnung AGM-188A trägt, zu einem serienreifen, sofort einsatzfähigen Mittel für die US-Marine, die nach hohen Verbräuchen im Iran-Krieg bestrebt ist, ihren Waffenbestand rasch aufzustocken.
„Multi-Domain-Deep-Strikes erfordern eine partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb des [Verteidigungsministeriums], und die PMA-201 ist einer dieser perfekten Partner, die uns helfen, den Einstieg in dieses maritime Angriffsumfeld zu beschleunigen. Diese vertrauensvolle Partnerschaft, gestützt durch die bewährte Leistung der Zone 5 als einziger erschwinglicher, in Serie gefertigter Massen-Marschflugkörper, wird sicherstellen, dass wir die Erwartungen der US-Marine erfüllen und übertreffen und gleichzeitig unseren Wettbewerbern weiterhin einen Schritt voraus sind“, erklärt Tom Kanewske, Chief Strategy Officer von Zone 5, in der Pressemitteilung.
„Das Streben nach kostengünstigeren, aber dennoch hochentwickelten und leistungsfähigen Flugkörpern ist ein Trend, der erhebliche Auswirkungen auf die Marine- und Militärstrategie haben wird“, argumentiert H. I. Sutton, Marineanalyst und Autor bei Naval News, in Bezug auf das Bestreben des US-Militärs nach kostengünstigen Waffen mit hoher Kapazität. „Selbst kostengünstigere Drohnen und Drohnen-Flugkörper haben ihren Platz am mengenmäßigen Ende des Angriffspakets. Doch überlegene Waffen wie [Rusty Dagger] können den Weg ebnen, Lücken öffnen und die am besten verteidigten Ziele treffen.“
Das Programmbüro für Präzisionsschlagwaffen (PMX-201) der US-Marine betonte zudem, dass das CHAOS-Programm genutzt wird, um die Flugkörperfähigkeiten der Koalition zu unterstützen – ein entscheidendes Element der Machtprojektion, insbesondere da sich die USA von ihren hohen Ausgaben für Flugkörper im Nahen Osten erholen.
„CHAOS ist darauf ausgelegt, kostengünstige, skalierbare Präzisionsschlagwaffen schnell zu entwickeln und an Verbündete und Partner zu liefern“, erklärte die Marine in ihrer Pressemitteilung zur Auftragsvergabe. „Im Rahmen von Foreign Military Sales (FMS)-Projekten lädt PMX-201 Partnerländer aktiv dazu ein, an der Festlegung zukünftiger CHAOS-Anforderungen mitzuwirken und Möglichkeiten auszuloten.“
Autor: Carter Johnston. Der Beitrag erschien erstmalig am 21.08.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.

















