Die ukrainischen Streitkräfte bauen den Einsatz unbemannter Bodensysteme (UGV – Unmanned Ground Vehicles) an der Front offenbar mit hohem Tempo weiter aus. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums führten Einheiten der Verteidigungskräfte allein im Juni mehr als 16.600 Logistik- und Evakuierungsmissionen mit bodengebundenen Robotersystemen durch. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einem Anstieg um 18,6 Prozent.
Die Zahlen zeigen die zunehmende Bemühung der ukrainischen Streitkräfte unbemannte Bodensysteme im Verteidigungskampf gegen die russischen Streitkräfte einzusetzen. Im März 2026 lag die Zahl der Einsätze noch bei 9.000 und im Vergleich dazu im November 2025 noch bei rund 2.900. Während der Fokus der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin auf luftgestützten Systemen liegt, entwickelt sich auch der Bereich der bodengebundenen Robotik stetig zu einem wichtigen Baustein der ukrainischen Streitkräfte.
Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums übernehmen die Systeme im Schwerpunkt weiterhin Aufgaben in besonders gefährdeten Frontabschnitten. Dazu zählt der Transport von Munition, Verpflegung und Ausrüstung ebenso wie die Evakuierung verwundeter Soldaten. Darüber hinaus kommen die Fahrzeuge für verschiedene logistische Unterstützungsaufgaben zum Einsatz.
Aus ukrainischer Sicht steht dabei vor allem die Entlastung des Personals im Vordergrund. „Jeder Einsatz, den ein Roboter anstelle eines Soldaten ausführt, bedeutet potenziell ein gerettetes Menschenleben“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.
Die hohe Zahl gemeldeter Einsätze hängt auch mit dem ukrainischen Innovations- und Beschaffungssystem Brave1 zusammen. Für nachgewiesene Einsätze erhalten Einheiten sogenannte ePunkte, die über den Brave1 Market gegen neue Technologien eingetauscht werden können. Dazu gehören neben Bodensystemen auch unbemannte Luftfahrzeuge (UAS), Systeme der elektronischen Kampfführung sowie weitere digitale und robotische Lösungen. Das Ministerium verweist darauf, dass durch dieses Verfahren zeitgleich verifizierte Einsatzdaten gewonnen werden. Diese sollen es ermöglichen, erfolgreiche Technologien schneller zu identifizieren und in größerem Umfang an die Truppe auszuliefern.
Parallel zu den ansteigenden Einsatzzahlen wird auch die Beschaffung erheblich ausgeweitet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde der Bedarf an bodengebundenen Robotersystemen für die kommenden Jahre deutlich erhöht. Demnach hat die ukrainische Agentur für Verteidigungsbeschaffung bereits mehr als 22.000 unbemannte Bodensysteme für die Auslieferung im Jahr 2026 unter Vertrag genommen. Die Auslieferung soll schrittweise erfolgen. Gleichzeitig laufen weitere Vergabeverfahren, sodass die Gesamtzahl bis zum Jahresende noch deutlich steigen dürfte.
Die Größenordnung verdeutlicht die Ambitionen der Ukraine, robotische Systeme nicht mehr nur ergänzend, sondern in größerem Maßstab in die Streitkräfte zu integrieren. Während UAS inzwischen zu den prägenden Elementen des Krieges geworden sind, scheinen unbemannte Bodensysteme insbesondere im Bereich Logistik und Verwundetentransport eine ähnliche Entwicklung zu durchlaufen.
Der verstärkte Einsatz von UGV folgt einer grundlegenden Entwicklung des Krieges. Die hohe Dichte an Aufklärungsdrohnen, Artillerie und FPV-Drohnen erschwert Bewegungen im Frontbereich erheblich. Logistikfahrten oder Evakuierungsmissionen zählen vielerorts zu den gefährlichsten Aufgaben für das Personal. Unbemannte Bodensysteme bieten hier die Möglichkeit, Risiken zumindest teilweise auf Maschinen zu verlagern. Zwar sind auch die Fahrzeuge selbst verwundbar und können durch Minen, Artillerie oder Drohnen bekämpft werden. Der Verlust eines Roboters wiegt jedoch deutlich weniger schwer als der Verlust von Soldaten.
Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die Ukraine den Bereich der bodengebundenen Robotik inzwischen nicht mehr als Experimentierfeld betrachtet. Vielmehr entwickelt sich der Einsatz unbemannter Bodensysteme zunehmend zu einem festen Bestandteil der militärischen Operationsführung mit dem Ziel, die eigene personelle Belastung zu reduzieren und gleichzeitig die Versorgung der Frontverbände aufrechtzuerhalten.
Kristóf Nagy


















