Die Ukraine hat von Frankreich Lizenzen für die Produktion der Boden-Luft-Rakete Aster 30 sowie des Marschflugkörpers Scalp erhalten, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gestern bei einer Pressekonferenz beim Gipfeltreffen der „Koalition der Willigen“ in Paris mitteilte. Überdies wird Frankreich eine Batterie des Luftverteidigungssystems SAMP/T NG an das im Krieg stehende Land liefern sowie 16 Kampfflugzeuge des Typs Rafale samt Bewaffnung, wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei der Pressekonferenz ausführte. Seiner Aussage zufolge sollen die ersten Maschinen 2028 oder 2029 in der Ukraine eingesetzt werden. Die Pilotenausbildung werde in den kommenden Monaten beginnen
Darüber hinaus informierte Selenskyj darüber, dass das erste Treffen der Initiative zur Abwehr ballistischer Raketen mit der Bezeichnung FREYJA stattgefunden hat. Dabei gehe es unter anderem um die Koordination auf politischer, staatlicher und industrieller Ebene, um Abwehrsysteme und Effektoren gegen ballistische Flugkörper im großen Stil bereitzustellen. Die „Anti-Ballistic Missile Coalition“, die acht Länder – darunter auch Deutschland – umfasst, habe gestern ihr Gründungstreffen abgehalten, so Selenskyj. Er würdigte die Beteiligung europäischer Unternehmen, die kritische Komponenten dafür bereitstellen.
Der ukrainische Präsident nannte in diesem Zusammenhang Fire Point, Thales, Diehl Defence, Saab, Kongsberg Defence & Aerospace, Weibel, Leonardo, Sener, MBDA, Eurosam, Safran und Destinus. Die Ukraine habe zwar Raketen, diese seien aber nur Teil eines Systems. Selenskyj zeigte sich optimistisch, in den kommenden zwölf Monaten FREYJA umfassend ausrollen zu können.
Zur Finanzierung der französischen Lieferungen und des Vorhabens FREYJA wurden während der Pressekonferenz keine Details genannt. Wie es in einem Pressestatement von Bundeskanzler Friedrich Merz heißt, der ebenfalls nach Paris gereist war, wurde beim NATO-Gipfel in Ankara beschlossen, die Ukraine in diesem und im kommenden Jahr jeweils mit mehr als 70 Milliarden Euro zu unterstützen. Welchen Anteil die einzelnen NATO-Staaten dabei übernehmen, ist nicht bekannt. Allerdings dürfte Deutschland wieder zu den größten Gebern gehören. Auch Großbritannien will sich an den EU-Hilfen für die Ukraine beteiligen, wie der scheidende Premierminister Keir Starmer gestern in Paris sagte.
Besonders dringlich sei jetzt die Frage der ukrainischen Luftverteidigung, so Merz laut Pressestatement. „Wir werden die Herstellung von Flugabwehrsystemen und Abstandswaffen in Europa ausbauen. Heute haben wir verabredet, insbesondere beim Schutz gegen ballistische Raketen gemeinsam voranzugehen“, so der Kanzler.
Lars Hoffmann

















