Die schwedische Rüstungsbeschaffungsbehörde FMV hat den deutschen Panzerabwehrspezialisten Dynamit Nobel Defence (DND) mit der Herstellung und Lieferung einer nicht näher spezifizierten Anzahl von Minenwerfersystemen des Typs „Skorpion²” beauftragt.
Wie aus einer Meldung des FMV hervorgeht, wurde mit DND ein bis 2033 laufender Rahmenvertrag mit einer Gesamthöhe von rund vier Milliarden Kronen geschlossen, was umgerechnet rund 360 Millionen Euro entspricht. Aus diesem Rahmenvertrag wurde zudem ein erster Abruf im Wert von 900 Millionen Kronen (rund 81 Millionen Euro) getätigt.
Nach Lettland im Oktober 2025 und Dänemark im Dezember 2025, hat sich mit Schweden somit ein drittes EU- und NATO-Land für die Beschaffung des Minenwerfersystems Skorpion² von DND entschieden.
Wie es in der FMV-Mitteilung heißt, umfasst die Beschaffung fahrzeuggestützte Minenwerfersysteme, Schieß- und Übungsmunition sowie Ausbildungs- und Demonstrationsmaterial. „Das System soll den schwedischen Streitkräften eine verbesserte Fähigkeit verschaffen, Panzerabwehrminen schnell verlegen zu können, um den Vormarsch feindlicher Streitkräfte – vor allem mechanisierter Verbände – zu verhindern oder zu verzögern“, schreibt die FMV. Der FMV zufolge ist das System in der Lage, innerhalb von zehn Minuten bis zu 400 Minen auszulegen, und bietet dem Bediener zudem die Möglichkeit, die Gestaltung des Minenfeldes an das Gelände und den Einsatzzweck anzupassen.
Minenwerfersystem Skorpion²
Das Minenwerfersystem Skorpion² wurde von DND erstmals auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2024 in Paris gezeigt. Bei dem Skorpion² handelt es sich um ein modulares, fahrzeugunabhängiges System, welches eine schnelle, einfache und sichere Integration auf unterschiedliche Fahrzeuge – Rad, Kette oder unbemannte Systeme – ermöglichen soll. Neben der Integration auf einer selbstangetriebenen Plattform kann das Panzerabwehrwurfminensystem Skorpion² auch auf einer Anhängerlösung realisiert werden.
Das Verlegesystem basiert auf Wurfkanistern, die direkt auf der Mobilitätsplattform montiert oder auf einer modularen Containerplattform über eine ISO668 Twist-Lock-Schnittstelle installiert werden.
Die Wurfeinheiten, die bis zu fünf Magazine mit der AT2+ aufnehmen können, bilden die Schlüsselkomponente des Skorpion². Eine 10-Fuß-Containerplattform kann vier Wurfeinheiten aufnehmen. Die aus vier Startröhren mit je fünf AT2+-Minen bestehenden Magazine dienen als Einweg-Start-, Transport- und Lagerbehälter für insgesamt 20 AT2+ Panzerabwehrwurfminen. Das Gewicht einer mit fünf Magazinen voll bestückten Wurfeinheit wird seitens DND mit 400 kg angegeben. Möglich sei auch eine Realisierung auf einer 15- oder 20-Fuß-Containerplattform.
Das modulare Minenverlegesystem Skorpion² ermöglicht DND zufolge ein situationsgerechtes, schnelles Auslegen von Minensperren innerhalb von wenigen Minuten. Nach Einstellung der Form und Dichte der Sperre platziert das Skorpion²-System die Wurfminen vollautomatisch. Eine Sperrbreite von 2.000 Metern kann mit dem System in weniger als 10 Minuten angelegt werden.
Da Skorpion² über ein Command & Control-Gerät verfügt, können alle relevanten Sperrinformation mittels einer Schnittstelle in das jeweilige Battle Management System transferiert werden, um ein lückenloses Reporting zu gewährleisten.
Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+
Bei der Panzerabwehrwurfmine Next Generation AT2+ (NG AT2+) handelt es sich nach Angaben von DND um eine Überarbeitung der bewährten Panzerabwehrwurfmine AT2, welche ebenfalls von DND hergestellt wurde. Die NG AT2+ ist eine programmierbare, streuungsfähige Panzerabwehrmunition mit digitalisierter Steuerung und einem Multisensorsystem, welches unter der gesamten Breite eines Kampfpanzers wirkt.
Die Gefechtskopfleistung wird seitens DND mit einer Penetrationsleistung von > 140 mm RHA angegeben. Zudem soll die robuste Mine gegen verschiedene Arten von Räumungssystemen gehärtet sein. Sechs an der AT2+ angebrachte Stützfüße sorgen dafür, dass sich die Mine nach dem Verschuss automatisch in die Einsatzposition bringt.
Den Aussagen des Herstellers zufolge kann die Wurfmine NG AT2+ auf unterschiedliche Art und Weise verlegt werden. Dazu zählt eine Verbringung mit dem neuen modularen Minenverlegesystem Skorpion², dem handgehaltenen Minenwurfgerät Bobcat, im Rahmen von Minenausstoßraketen – mit zwei bis fünf AT2+ pro Rakete – sowie mittels in Hubschraubern integrierten Minenwurfsystemen. Mit der EGGBOX hat DND zudem ein System entwickelt, die Panzerabwehrminen auch mittels Drohnen verlegen zu können.
Waldemar Geiger
















