Ukraine vermutlich dritter Nutzer der gepanzerten Mehrzweckplattform ACSV

Waldemar Geiger

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Die gepanzerte Mehrzweckplattform ACSV (Armoured Combat Support Vehicle) des norddeutschen Panzerbauers FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) wird nach Angaben des Herstellers bereits von drei Staaten genutzt. Dies geht aus einer heute veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens hervor, in der über Exponate berichtet wird, die im Rahmen der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris gezeigt werden. „Drei Staaten zählen bereits zu den Nutzern des ACSV, was die Leistungsfähigkeit des Systems auch international belegt“, heißt es in der Mitteilung.

Offiziell bestätigte ACSV-Kunden sind bis dato nur Norwegen und die Niederlande, die die gepanzerte Kettenplattform für unterschiedliche Zwecke – Materialtransport, Flugabwehr, Pionier-Variante mit Kran, Radarfahrzeug und Bergefahrzeug – beschafft bzw. bestellt haben. Die Beschaffung des ACSV durch einen dritten Staat ist hingegen neu.

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Auch wenn das Unternehmen den dritten Kunden nicht explizit nennt, gibt es Hinweise darauf, dass es sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Ukraine handeln könnte. So war beispielsweise Anfang Dezember 2025 im Rahmen des Industrietages des Military Engineering Centre of Excellence (MILENG COE) in Ingolstadt ein Minenwurfpanzer Skorpion² auf der ACSV-Plattform ausgestellt. Zwei Dinge waren an dem Exponat interessant: Neben der erstmaligen Darstellung der Plattform als Minenwurfpanzer waren auf den auf der Plattform befestigten Typenschildern kyrillische Schriftzeichen sichtbar, so wie sie in der russischen oder ukrainischen Sprache verwendet werden. Für Personen mit Russischkenntnissen waren die Beschriftungen zudem eindeutig als nicht russisch identifizierbar. Gleichsam von Belang ist der Umstand, dass es keine Kommunikation bezüglich des Vertriebserfolges an einen dritten Kunden gegeben hat. Auch dies ist ein starkes Indiz für die Beschaffung des ACSV durch die Ukraine, deren militärische Unterstützungsleistungen durch Deutschland nach dem Regierungswechsel im Frühjahr 2025 nicht mehr offen kommuniziert werden.

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Auf dem Minenwerfer-Missionsmodul waren hingegen keine kyrillischen Beschriftungen angebracht, so dass zumindest daraus keine Ableitung auf eine Lieferung des Systems an die Ukraine getroffen werden kann. Die Kombination aus Missionsmodul und Trägerplattform erschien jedoch nicht zufällig.

Auf Anfrage von hartpunkt, wollte FFG den Sachverhalt nicht über die Angaben in der Pressemitteilung hinaus kommentieren. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums verwies darauf, dass sich die Bundesregierung zu Details militärischer Unterstützungsleistungen für die Ukraine grundsätzlich nicht einlässt. Dynamit Nobel Defence, der Hersteller des Skorpion²-Minenwerfer-Missionsmoduls, war für eine Anfrage nicht erreichbar.

Bei dem ACSV handelt es sich um ein gepanzertes Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeug mit einem Höchstgewicht von 26 Tonnen, einschließlich einer Nutzlast von 8 Tonnen. FFG hat eigenen Angaben zufolge bereits bei der Entwicklung der Plattform die zukünftige Nutzung unterschiedlicher Rüstsätze berücksichtigt. Dazu ist das Heck des Fahrzeugs mit einem „Ladebett“ für verschiedene austauschbare Missionsmodule ausgestattet, das auch mit Standard-ISO-Containern von 10 Fuß Länge kompatibel ist.

Als Antrieb dient ein 6-Zylinder MTU-Motor mit 460 kW, dabei handelt es sich um ein ähnliches System wie beim Boxer, nur mit 6 anstatt mit 8 Zylindern. Darüber hinaus ist der ACSV mit einer einteiligen Gummiband-Verbundkette von Soucy ausgestattet, die für einen vergleichsweise vibrationsarmen und leisen Vortrieb des Kettenfahrzeuges sorgt.

Waldemar Geiger