Die neuen Kreuzer – Entwicklungstrends im Kriegsschiffbau

Alexander Luck

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Mit Kriegsschiffen verhält es sich ein wenig wie mit Autos, obwohl Klassifizierungen aus Gründen der Tradition, Politik oder Bequemlichkeit beibehalten werden, weist jede neue Generation von Entwürfen ein unübersehbares Plus an Dimensionen und Masse auf. Die Deutsche Marine baute einst mit der Köln-Klasse ihre erste Fregatte der Nachkriegszeit mit einer Verdrängung von knapp 3.000 Tonnen bei einer Länge und Breite von 110 respektive 11 Metern. Ein halbes Jahrhundert später bringen die neuesten in Dienst befindlichen Einheiten der Baden-Württemberg-Klasse (F125) 7.200 Tonnen auf die Waage bzw. ins Wasser, bei einer Länge und Breite von knapp 150 bzw. 19 Metern. Ein Ende, geschweige denn eine Umkehr, ist zumindest bei Zerstörern und Fregatten, also den Kampfschiffen der „obersten“ Kategorie, abgesehen von Flugzeugträgern und amphibischen Einheiten, bisher nicht absehbar. Im Gegenteil, zumindest mittelfristig dürfte sich die Dynamik des Wachstums sogar noch erhöhen. Dass dabei mittlerweile die „magische“ Grenze von 10.000 Tonnen Wasserverdrängung überschritten wird, veranlasst Beobachter immer wieder, bei neueren Entwürfen von „Kreuzern“ zu sprechen, auch wenn die betreffenden Marinen mit dieser Bezeichnung wie angedeutet noch behutsam umgehen.

Der Beitrag bietet an dieser Stelle einen Überblick der aktuellen Entwicklungen weltweit, zeigt auf, worin die Motivation zu „mehr Schiff“ liegt und warum mittelfristig der „Kreuzer“-Begriff in der Tat ein Comeback erleben dürfte.

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Historischer Kontext – ein Kreuzer, viele Schiffe

Wenn in aktuellen Diskussionen bei Marineschiffen von Kreuzern die Rede ist, kommt vielen zuerst ein Schiffstyp in den Sinn, wie er im Zweiten Weltkrieg seine finale Erscheinung annahm. Die damaligen leichten und schweren Kreuzer definierten sich durch ihre Hauptbewaffnung nach vertraglichen Regelwerken wie dem Flottenabkommen von Washington, mit einer Größe von maximal 10.000 Tonnen. Der Begriff an sich hat allerdings einen erheblich längeren historischen Vorlauf, zurückgehend auf Segelfregatten mit robuster Bewaffnung, die dennoch eine hohe Seeausdauer und Geschwindigkeit aufwiesen, um als „Einzelfahrer“ über die Weltmeere zu „kreuzen“.

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Diese segelnden Kreuzer waren flexible, hochseetaugliche Kriegsschiffe, die zur Erkundung, zum Geleitschutz oder als Handelsstörer zum Einsatz kamen. Mit der Revolution im Marineschiffbau durch die Dampfmaschine, gefolgt von Panzerung und großkalibrigen Marinegeschützen, wurde der Kreuzer in seiner Begrifflichkeit von einem Aufgabengebiet zum Schiffstyp. Typen und Varianten von Kreuzern unterschieden sich durch die Art der Bewaffnung, Masse an Panzerung, aber auch weiterhin in der Aufgabenstellung, etwa als Späh- und schließlich auch als Schlachtkreuzer.

Nachdem nach Ende des Zweiten Weltkriegs die nächste Revolution in der Seekriegsführung die Artillerie weitestgehend durch eine Flugkörperbewaffnung ersetzte und Panzerung praktisch irrelevant machte, erfuhren Kreuzer, ebenso wie die kleineren Fregatten und Zerstörer, die tiefgreifendste und bis heute wichtigste Veränderung, hin zum „Lenkwaffenkreuzer“. Im Unterschied zu Zerstörern und Fregatten waren diese neuen Vertreter wie ihre Vorgänger als Führungsschiffe für Überwasserverbände optimiert, mit der Fähigkeit zur Einschiffung eines Führungsstabs. Typisch insbesondere für die Vereinigten Staaten ist die Zuordnung eines oder mehrerer Kreuzer zur Führung der Geleitschutz-Einheiten von Flugzeug- und amphibischen Trägern.

Die geopolitischen Veränderungen und die Dominanz der Supermächte USA und Sowjetunion bedeutete allerdings auch, dass sich abgesehen von diesen beiden Marinen nur die wenigsten Staaten diese neuartigen Kreuzer leisten konnten und wollten. Selbst Marinen wie die von Großbritannien oder Frankreich, mit tiefer Tradition im Betrieb von Hochseeflotten, beschränkten sich praktisch auf Lenkwaffenzerstörer und -fregatten. Die französische „Marine Nationale“ und die italienische „Marina Militare“ hielten Lenkwaffenzerstörer lediglich in symbolischen Zahlen in Dienst, und es darf behauptet werden, zum Teil auch aus Gründen des historischen Prestige-Denkens.

Der neue Drang zum Lenkwaffenkreuzer im 21. Jahrhundert

Diese Dynamik hat sich allerdings seit dem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts merklich verändert. Kernfaktoren für das neue, substanzielle Wachstum sind der Bedarf an leistungsstarker Sensorik, etwa Radarsystemen zur Flugabwehr, der Fähigkeit, eine hohe Anzahl an Flugkörpern vor allem in Senkrechtstartanlagen (VLS) zu tragen, ein erheblicher Energiebedarf für die Sensorik, einer hohen Schadensresistenz einschließlich System-Redundanz und Überlebensfähigkeit sowie deutlich verbesserten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen für die Besatzung.

Neue Zerstörer und Fregatten mit der Aufgabe der Flugabwehr einschließlich des Verbandsschutzes stehen an der Spitze dieses Trends. Allerdings liegen selbst neue Mehrzweckfregatten oder Entwürfe mit Optimierung für andere Aufgaben, etwa die U-Boot-Jagd, mittlerweile ebenfalls im fünfstelligen Bereich bei der Wasserverdrängung.

Ironischerweise tragen die meisten neuen Entwicklungen mit einer Verdrängung jenseits von 10.000 Tonnen kombiniert mit schwerer Flugkörperbewaffnung, hoher Seeausdauer und Fähigkeiten zur Verbandsführung weiterhin die Typbezeichnung „Fregatte“ oder „Zerstörer“. In Einzelfällen kommt es zu Umbenennungen während der Beschaffung, oder ein Schiffstyp wird von zwei Staaten mit unterschiedlichen Klassifizierungen bedacht.

Die folgende Auflistung bietet einen Überblick der relevanten Entwicklungen für die betreffenden Marinen.

Australien – Hunter-Klasse

Die australische Marine (RAN) beschafft derzeit die Mehrzweckfregatten der Hunter-Klasse. Dabei handelt es sich um eine substanzielle Modifikation des britischen „Type 26“-Entwurfs. Während der Ursprungsentwurf als U-Jagd-Fregatte für die Royal Navy etwa 8.000 Tonnen bei einer Länge von 149,9 Metern und Breite von 20.8 Metern verdrängt, bringt die leicht längere und breitere Hunter-Klasse nach mehreren Überarbeitungen inzwischen mehr als 10.000 Tonnen gepaart mit der Anforderung, die Schiffe in Australien zu bauen, erhebliche Mehrkosten mit sich, weswegen das Projekt in Down Under inzwischen äußerst umstritten ist.

Hunter Class Frigate Australia
Bild: MoD Australia

Von den ursprünglich geplanten neun Einheiten sind bisher lediglich drei Fregatten unter Vertrag. Drei weitere sollen absehbar folgen. Die Hunter-Klasse besitzt ein VLS für 32 Zellen des Typs Mk 41 zum Verschuss von ESSM, SM-2 und Tomahawk. Ein bedeutender Faktor für die Gewichtszunahme ist das australische CEAFAR 2 AESA-Radar, das erhebliche Fähigkeiten zur Verbandsflugabwehr einschließlich Bekämpfung ballistischer Flugkörper ermöglicht. Dennoch ist die Hunter prinzipiell als Mehrzweckfregatte mit Schwerpunkt U-Jagd konzipiert.

China – Typ 055

Die chinesische Volksmarine (PLAN) hat zehn sogenannte „Große Zerstörer“ des Typs 055 im Bestand. Weitere vier Einheiten befinden sich derzeit in der Endausrüstung und werden zeitnah zulaufen. Der Typ 055-Entwurf weist eine Verdrängung von mehr als 12.000 Tonnen bei einer Länge von 180 Metern und einer Breite von 20 Metern auf. Amerikanische Offizielle bezeichnen diesen Entwurf als Lenkwaffenkreuzer. Der Typ 055, in US-Quellen auch als „Renhai“-Klasse bezeichnet, besitzt ein VLS in zwei Bänken mit insgesamt 112 Zellen zum Verschuss von See-, Land- und Luftzielflugkörpern.

Lenkwaffenzerstörer Typ 055 - China hat bisher vierzehn Einheiten dieses auch als Kreuzer eingestuften Modells gebaut.
Lenkwaffenzerstörer Typ 055 – China hat bisher vierzehn Einheiten dieses auch als Kreuzer eingestuften Modells gebaut. (Bild: chinesische soziale Medien)

Bemerkenswert ist die Fähigkeit zum Verschuss von ballistischen Seezielflugkörpern des Typs YJ-20. Zum Aufgabenspektrum dieses chinesischen Zerstörers gehört die Führung von Überwasserverbänden einschließlich für den Geleitschutz von Flugzeugträgern, weswegen die Bezeichnung als Lenkwaffenkreuzer nicht nur der Größe wegen angemessen sein dürfte.

Deutschland – F126 und F127

Die Deutsche Marine steht aktuell vielleicht mehr als andere, „traditionellere“ Hochseemarinen für den Trend zu stetig höherer Verdrängung und, mittlerweile, auch erheblicher Revision der Bewaffnung seiner neuen Überwasserkampfschiffe. Die derzeit im Bau und in den Schlagzeilen befindliche Fregatte der Klasse 126 weist eine Verdrängung von 10.550 Tonnen bei einer Länge von 166 m und Breite von 21,7 m auf. Die Bewaffnung ist für die Größe eher zurückhaltend: 16 Mk 41 VLS-Zellen, zwei RAM-Starter, ein 127mm-Hauptgeschütz, zwei NSM-Vierfachstarter sowie leichtere Bordkanonen und Maschinengewehre.

Fregatte Niedersachsen-Klasse F126
Fregatte Niedersachsen-Klasse F126 (Bild: Bundeswehr / Hoffmann)

Die Größe bedingt sich, ähnlich wie bei der F125, insbesondere durch die Marine-Anforderungen an Überlebensfähigkeit, hohe Ausdauer auf See und einen hohen Grad an Automatisierung und geringere Instandsetzungsanforderungen. Zudem bieten die Schiffe überdurchschnittlich gute Unterkunftsbedingungen für die Besatzung und weiteres eingeschiffte Personal sowie die Fähigkeit zum organischen Mitführen zweier Bordhubschrauber in der Klasse von 10 Tonnen.

Die Klasse 127 ist der Nachfolger der Sachsen-Klasse (F124), und wie diese derzeit in Dienst befindlichen 5.600 Tonnen verdrängenden Fregatten als Führungsschiff für Verbands-Flugabwehr konzipiert. Im Gegensatz zur Sachsen-Klasse soll die F127 allerdings mittlerweile die dreifache Menge an Flugkörpern mitführen, mit 96 Zellen für das Mk 41 VLS. Die dramatische Erhöhung der Magazintiefe ist die Konsequenz aus neuen Anforderungen als Mehrrollen-Kampfschiffen, die neben dem Verbandsschutz auch zur weitreichenden Verteidigung gegen ballistische und absehbar Hyperschallflugkörper sowie Landzielbekämpfung befähigt werden sollen. Die Vielzahl an Aufgaben bedingt ein Spektrum an Flugkörpern, von ESSM über die drei Kategorien von „Standard Missiles“ (SM-2, SM-6, SM-3) bis zu Marschflugkörpern sowie weiteren, derzeit noch in der Projektierungsphase befindlichen Waffen.

Die F127 basiert im Kern auf dem TKMS-Entwurf MEKO A-400 Air Missile Defence (AMD). (Symbolbild: TKMS)

Die F127 basiert im Kern auf dem TKMS-Entwurf MEKO A-400 Air Missile Defence (AMD). Dieser Vorschlag wies ursprünglich eine Länge von 160 m bei einer Breite von 21 m und einer Verdrängung um die 10.000 Tonnen auf. Allerdings dürfte der Aufwuchs von ursprünglich 64 auf nun 96 Zellen auch einen Gewichtszuwachs bedingen, weswegen F127 in der zuletzt kommunizierten Ausstattung geschätzt näher an 12.000 Tonnen Einsatzverdrängung liegen könnte.

Großbritannien – Type 83-Zerstörer

Die Royal Navy ist in Tradition und Konzeption auf den weltweiten Einsatz ihrer Marinekräfte ausgelegt und betrieb daher auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine relativ große Zahl an hochseetauglichen Zerstörern und Fregatten mit einer Verdrängung zwischen 4.500 und 8.500 Tonnen. Die neuen Fregatten des Typs 26, die für die U-Boot-Bekämpfung vorgesehen sind, befinden sich derzeit im Bau. In der weiteren Planung steht die Einführung des zukünftigen Flugabwehrzerstörers vom Typ 83, der die Daring-Klasse (Typ 45) ab Mitte der 2030er Jahre ersetzen soll.

Zur Größe und weiteren detaillierten technischen Angaben ist aufgrund der im Anfangsstadium befindlichen Planung nichts bekannt. Die kommunizierte Absicht ist bisher, ein Kampfschiff mit einer Bewaffnung von 72 bis 128 Zellen für Flugkörper zu beschaffen. Die Daring-Klasse besitzt 48 Starter des Typs PAAMS für Aster 15 und Aster 30 SAM, und erhält derzeit in einer Modifikation weitere 24 Starter für Sea Ceptor-Flugabwehrflugkörper mittlerer Reichweite. Die Verdrängung wird von Offiziellen zwischen 6.000 und 10.000 Tonnen beziffert. Dabei dürfte es sich um die Standard-Verdrängung handeln, eine bei der Royal Navy übliche Einordnung, was angesichts der Bewaffnung eine Einsatzverdrängung jenseits von 10.000 äußerst wahrscheinlich macht.

Ebenso wie die Daring-Klasse sind die Type 83-Zerstörer als Führungsschiffe vorgesehen, einschließlich der Koordination von Geleitschutz-Einheiten für die zwei Flugzeugträger der Queen Elizabeth-Klasse.

Italien – DDX-Zerstörer

Ebenso wie der britische Type 83 soll der neue italienische Entwurf für einen Lenkwaffenkreuzer, bisher als DDX benannt, ab Mitte der 2030er Jahre bei der Marina Militare zulaufen, und dann mit Verspätung die Zerstörer der „Durand de la Penne“-Klasse ersetzen. Auch zu DDX sind bisher nur ungefähre Angaben zu finden, die durch die weitere Entwicklung Veränderungen unterliegen können.

Ausgehend von kommunizierten Entwürfen weist DDX eine Verdrängung von bis zu 13.000 Tonnen bei einer Länge von 180 m auf. Die für Flugabwehr und Führungsaufgaben optimierten Einheiten sollen eine Flugkörperbewaffnung von bis zu 96 Zellen für verschiedene Varianten von Aster-SAM einschließlich zur Abwehr ballistischer Raketen erhalten. Ebenso ist der Einsatz von Marschflugkörpern vorgesehen. Wie die meisten neuen Entwürfe ist DDX als vollelektrisches Schiff konzipiert, mit erheblichen Energiereserven für das leistungshungrige Radar, und mittelfristig verfügbare Laser-Bewaffnung.

Japan – ASEV-Lenkwaffenkreuzer

Für die japanische Marine (Japanese Maritime Self Defence Force, oder JMSDF) sind derzeit zwei Lenkwaffenkreuzer des Typs „ASEV“ (AEGIS System Equipped Vessel) bei MHI in Nagasaki und JMU in Yokohama im Bau. ASEV fand seinen Ursprung in dem japanischen Vorhaben, zwei landbasierte „AEGIS Ashore“-Batterien zur Verteidigung gegen nordkoreanische ballistische Raketen aufzubauen. Nachdem das Vorhaben auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung stieß, insbesondere bei der Auswahl von geeignetem Bauland, entschied sich die damalige Regierung 2020 dazu, zwei seebasierte Plattformen zu beschaffen.

Bild: Lockheed Martin

Die ursprüngliche Planung beinhaltete einen relativ unkonventionellen Entwurf für ein weitestgehend von zivilen Entwicklungen abgeleitetes Schiff in einer Größe von über 20.000 Tonnen bei einer Länge von 210 m und einer Breite von 40 m mit einer minimalen Besatzung vor. Als dieses Konzept auf Widerstand der JMSDF stieß, die sich schwer damit tat, eine derartig exotische Fähigkeit mit bestehenden Flottenplanungen in Einklang zu bringen, würde der Entwurf zunehmend zu einem „konventionellen“ Kampfschiff weiterentwickelt.

Im Endergebnis ist ASEV nun ein mindestens 12.000 Tonnen verdrängender Kreuzer mit einer Länge von 190 m und einer nach wie vor beachtlichen Breite von 25 m. Die beiden Schiffe tragen 128 Zellen für Mk 41, womit der Entwurf in der Bewaffnung die amerikanischen Lenkwaffenkreuzer der Ticonderoga-Klasse (122 Zellen) übertrifft. Die mit dem amerikanischen AN/SPY-7 Radar und dem AEGIS-Führungssystem ausgerüsteten Kampfschiffe werden von der japanischen Marine bemerkenswerterweise auch offiziell inzwischen als Lenkwaffenkreuzer benannt und absehbar die CG-Kennung (Cruiser, guided missile) erhalten. ASEV steht damit im Kontrast zu bisher bei JMSDF in Dienst befindlichen AEGIS-Zerstörern der Kongo-, Atago- und Maya-Klassen, welche alle um die 10.000 Tonnen verdrängen, aber ebenso wie ihre amerikanischen Gegenstücke der Arleigh-Burke-Klasse als Lenkwaffenzerstörer (DDG) klassifiziert sind.

Die beiden ASEV-Kreuzer sollen 2028 und 2029 in Dienst gestellt werden.

Russland – Admiral Nakhimov

Die russische Marine erlebt seit dem Ende der Sowjetunion eine konsistente Talfahrt ihrer Fähigkeiten insbesondere zur Machtprojektion auf hoher See und in Übersee-Operationen. Der Marineschiffbau konzentriert sich seit zwei Jahrzehnten zunehmend auf die Fertigung von nuklear angetriebenen Angriffs- und strategischen U-Booten. Die Überwasserflotte erfährt im Gegensatz dazu eine Verkleinerung und zunehmenden Fähigkeitsverlust. Repräsentativ dafür ist das Ausbleiben neuer Bauvorhaben für Zerstörer und Kreuzer, das nur teilweise durch die Einführung neuer Fregatten der Gorshkov-Klasse (Projekt 22350/22350M) abgefedert wird. Wiederholt propagierte Planungen zum Bau neuer Kampfschiffe in Kreuzer-Größe, etwa des bis zu 19.000 Tonnen schweren „Zerstörers“ der Lider-Klasse (Projekt 23560) sind bisher nicht über Modelle und Grafiken hinausgekommen.

Schlachtkreuzer Admiral Nachimow
Der kolossale Schlachtkreuzer Admiral Nakhimov aus der Zeit des Kalten Krieges wurde modernisiert, um neben dem Luftraumverteidigungssystem S-400 auch Zircon-Hyperschallraketen einsetzen zu können. Mit 176 primären vertikalen Abschusszellen könnte eine vollständige Bewaffnung je nach Zusammensetzung der Munition etwa 500 Millionen US-Dollar kosten. (Grafik: H.I. Sutton / Covert Shores)

Um zumindest ein Minimum von „Abschreckung“ oder Prestige durch den Betrieb kampfstarker Überwassereinheiten aufrechtzuerhalten, hat Russland über den bemerkenswerten Zeitraum von 20 Jahren die „Admiral Nakhimov“, den dritten Lenkwaffenkreuzer der Kirov-Klasse, modernisiert und umgebaut. Das kostspielige und militärisch fragwürdige Vorhaben resultierte in einem modifizierten Kirov-Entwurf, der 80 Zellen für Marschflugkörper trägt, ergänzt von 96 Zellen für Flugabwehrraketen. Kirov-Kreuzer verdrängen etwa 28.000 Tonnen und verfügen über einen nuklearen Antrieb.

Da die Kirov-Kreuzer inzwischen annähernd vierzig Jahre alt sind, und abgesehen von der Nakhimov und der Pyotr Velikiy kein weiteres Schiff des Typs einsatzklar ist, dürfte das russische Vorhaben eher als Beispiel dafür dienen, dass nicht alles, was technisch erreichbar ist, nennenswerte operative Sinnhaftigkeit demonstriert.

Süd-Korea – KDX III Batch I/II

Die südkoreanische Flottenplanung verfolgt seit drei Jahrzehnten verstärkt einen Ansatz von hochseefähigen Kampfeinheiten, der insbesondere durch die KDX-III-Klasse von Lenkwaffenzerstörern veranschaulicht wird. KDX-III teilt sich in zwei Bauphasen (oder „batches“).

Das erste Los beinhaltet die drei Zerstörer der „Sejong der Große“-Klasse. Ähnlich wie bei den japanischen Zerstörern der verschiedenen AEGIS-Klassen (siehe oben) handelt es sich um signifikant modifizierte Varianten der amerikanischen Arleigh-Burke-Klasse. Die Länge liegt bei 166 m, die Breite bei 21,4 m, was eine Einsatzverdrängung von etwa 10.000 Tonnen ergibt. Das zweite Baulos, beginnend mit „Jeongjo der Große“ weist eine Länge von 170 m und eine Verdrängung von geschätzt etwa 12.000 Tonnen auf.

Stapellauf des KDX III Batch II-Zerstörers „Dasan Jeong Yak-yong“
Stapellauf des KDX III Batch II-Zerstörers „Dasan Jeong Yak-yong“ (Bild: HD HHI)

Charakteristisch für die koreanischen Varianten ist die Bewaffnung sowohl mit amerikanischen als auch einheimischen Waffensystemen einschließlich der Senkrechtstartanlagen. Batch-1-Zerstörer verfügen über 80 Zellen des Mk 41 und weitere 48 Zellen des koreanischen K-VLS. Batch-2-Zerstörer reduzieren das Mk 41 auf 48 Zellen, und integrieren zwei Varianten des K-VLS mit 16 und 24 Zellen verschiedener Größe. Ähnlich dem chinesischen Typ 055 sollen Batch- 2-Einheiten zukünftig die Fähigkeit zum Verschuss ballistischer Raketen haben, allerdings im Gegensatz zur Seezielfähigkeit des chinesischen Pendants als Landzielwaffe.

Vereinigte Staaten – Zumwalt, DDGX, Trump-Klasse-„Schlachtschiff“

Die Vereinigten Staaten betreiben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs konsistent die größte Flotte der kampfstärksten Überwasserkriegsschiffe, einschließlich einer Vielzahl von im internationalen Vergleich eher schwer bewaffneten Lenkwaffenzerstörern und -kreuzern.

Bedingt durch das Ende des Kalten Krieges und die „Friedensdividende“ auch bei den amerikanischen Verteidigungsausgaben ist es allerdings über die letzten drei Jahrzehnte zu einem erheblichen Bruch in der fließenden Erneuerung der Überwasserflotte der U.S. Navy gekommen.

Zumwalt

Beispielhaft hierfür ist die „Zumwalt“-Klasse von Lenkwaffenzerstörern. Von der ursprünglichen Planung für 32 „Stealth“-Lenkwaffenzerstörer optimiert für den küstennahen Einsatz gegen Landziele im hochintensiven Gefecht sind lediglich drei Einheiten übriggeblieben. Hinzu kommt, dass Finanzmittel für die Finanzierung von Sensorik, Waffen- und Führungssystemen sukzessive zur Verwendung andernorts zusammengestrichen worden sind. Das Endergebnis ist ein Entwurf, der auf ein Hauptwaffensystem, das 155 mm „Advanced Gun System“ (AGS)-Schiffsgeschütz verzichten muss.

Zumwalt Zerstörer DDG 1000
Bild: U.S. Navy

Dennoch ist die Zumwalt im Kern ein hochinnovativer Entwurf, und in vielerlei Hinsicht beispielhaft für Entwicklungsaspekte, die, wie oben dargelegt, in anderen Staaten zunehmend für eigene Vorhaben realisiert werden. Der Schiffskörper ist 190 m lang und knapp 25 m breit, für eine Einsatzverdrängung von etwa 16.000 Tonnen.

Die charakteristische Erscheinung begründet sich durch ein hohes Maß an Signaturreduzierung („stealth“). Die Zumwalt ist als vollelektrisches Schiff ausgelegt, mit Gasturbinen, die von Wellen und Schiffsschrauben entkoppelt elektrische Motoren speisen. Das Mk 57 VLS mit 80 Zellen ist, ähnlich wie das AN/SPY-3-Radar, ein Unikat für diesen Schiffstyp, ohne Verwendung auf anderen Schiffstypen der U.S. Navy.

Trotz der historischen Schwierigkeiten mag die Zumwalt-Klasse einen „zweiten Frühling“ erleben. Derzeit durchläuft die USS Zumwalt als erster der drei Zerstörer dieses Typs ein umfangreiches Modifikationsprogramm. Das Vorhaben ersetzt die zwei AGS-Geschütze mit 12 Zellen für das Conventional Prompt Strike (CPS)-System. CPS ist im Kern ein modifiziertes Virginia Payload Module (VPM) und geeignet zum Verschuss von hyperschallschnellen Flugkörpern, konkret dem Intermediate Range Conventional Prompt Strike (IRCPS) Hyperschall-Gleiter. Varianten dieser Waffe sind ebenfalls für den Verschuss von „Virginia Block V“-U-Booten und, als „Dark Eagle“, von landgestützten Startern für die U.S. Army vorgesehen. Die USS Zumwalt soll dieses Jahr mit See-Erprobungen nach beendeter Modifikation beginnen.

DDGX

Wie bereits beschrieben, durchläuft die U.S. Navy derzeit eine Krise bei der Erneuerung zahlreicher Fähigkeiten. Dies ist insbesondere der Fall beim Ersatz der Lenkwaffenkreuzer der Ticonderoga-Klasse (CG-47). Die ursprünglich 27 Kreuzer sollten eigentlich ab den 2010er- Jahren durch einen Neubau, damals als CGX benannt, ersetzt werden. Wie am Beispiel der Zumwalt-Klasse erläutert, machte ein Mangel an Finanzierung und kohärenter Planung vor dem Hintergrund auch des 11. Septembers und des „Krieges gegen den Terror“ derartige Überlegungen zunichte.

Zerstörer DDGX
Bild: U.S. Naval Sea Systems Command / PEO Ships

Mittlerweile werden die verbleibenden CG-47-Kreuzer schrittweise aufgrund von Überalterung und des Fehlschlages eines ambitionierten Modernisierungsprogramms aus dem aktiven Dienst genommen. Einen teilweisen Ersatz stellen weitere Zerstörer der Arleigh Burke-Klasse, in der sog. „Flight III“-Variante, dar. Diese Einheiten, beginnend mit DDG-125 Jack H Lucas, sind anders als vorherige Zerstörer, als Führungsschiffe ausgestattet, um insbesondere für Trägerverbände die Rolle der CG-47-Kreuzer wahrzunehmen.

Dennoch ist „Flight III“ kein vollwertiger Ersatz. Dies begründet sich auch dadurch, dass der Arleigh Burke-Entwurf, der seit Anfang der 1990er Jahre gebaut wurde, inzwischen durch die Vielzahl an Modifikationen jegliche Wachstumsreserven mehr als komplett ausgeschöpft hat.

Nomineller Ersatz für die alternden Kreuzer und, schrittweise, auch die ersten Arleigh Burke-DDG sollte als kompletter Neuentwurf schließlich DDGX werden. Dabei handelte es sich ersten Planungen zufolge um ein Kampfschiff mit einer Verdrängung von 13.500 Tonnen, also etwas kompakter als Zumwalt, aber deutlich größer als Arleigh Burke oder Ticonderoga. Ebenso wie Zumwalt ist DDGX vollelektrisch ausgelegt. Als Bewaffnung wurden ebenso wie bei Arleigh Burke 96 Zellen für Mk 41 beziffert, wobei von Beginn an die Fähigkeit zum modularen Wechsel gegen größere Zellen ähnlich wie auf Zumwalt mit CPM enthalten sein sollte.

Trump-Klasse

Fast ein Jahr nach Amtsantritt gab US-Präsident Donald Trump im Dezember 2025 bekannt, dass seine Regierung einen neuen Ansatz bei der Modernisierung der US-Überwasserflotte verfolgt, benannt als „Golden Fleet“. Ein Kernprogramm dieses Vorhabens ist die „Trump“-Klasse, von der US-Regierung als „Schlachtschiff“ charakterisiert. Die Hauptdaten für das Vorhaben sind eine Verdrängung von über 35.000 Tonnen, eine Länge zwischen 260 und 270 m, eine Breite zwischen 32 und 35 m, sowie eine Besatzungsstärke von 650 bis 800.

USS Defiant Schlachtschiff der Trump-Klasse
Bild: U.S. Navy

Als Bewaffnung werden neben 128 Zellen für ein Mk 41 VLS weitere 12 Zellen für CPS, sowie „angestrebt“ eine großkalibrige Railgun und ein Hochenergie-Laser benannt.

Die Daten in ihrer Gesamtbetrachtung lassen das Vorhaben als unrealistisch erscheinen. US-Werften müssten absehbar erhebliche Ressourcen und Infrastruktur ausschließlich für dieses Bauvorhaben auf Kosten anderer Fähigkeiten abstellen. Weder die Railgun noch der Hochenergielaser sind derzeit real existierende Systeme. Selbst wenn alle Entwicklungs- und Konstruktionshürden überwunden werden könnten, eine angesichts bisheriger Erfahrungen für die US-Marinerüstung unrealistische Annahme, würde die enorme Besatzungsstärke die US Navy vor unüberwindbare Herausforderungen stellen.

Es bleibt daher abzuwarten, wann und wie die U.S. Navy den Ersatz überalterter Kampfschiffe realisieren kann. Bis auf weiteres dürfte es beim weiteren Bau von Arleigh-Burke-Zerstörern bleiben, die de facto bereits heute als „Kreuzer“ für die US-Flotte dienen. DDGX bleibt bis auf weiteres als Programm erhalten, was nahelegt, dass mit erheblicher Verspätung in einigen Jahren ein Entwurf mit derartigen Fähigkeiten realisiert werden könnte.

Fazit

Wie in diesem Überblick dargelegt, ist der Trend zum Überwasserkampfschiff in „Kreuzer“-Größe ein globales Phänomen. Die grundlegenden Motivatoren sind international weitgehend deckungsgleich. Mehrrollenfähigkeit mit einem Fokus auf deutlich erweiterter Luftverteidigung einschließlich der Fähigkeit zum Verbandsschutz und der Führung von Einsatzverbänden sind prägende Anforderungen für praktisch alle relevanten Marinen mit einer Ambition für nachhaltige „blue water“-Operationen auf hoher See ebenso wie im Küstenvorfeld. Jüngste Konflikte, insbesondere im Roten Meer, und neuerdings auch erneut am Persischen Golf, verdeutlichen den Bedarf nach hoher Magazintiefe, und vielschichtiger Verteidigungsfähigkeit auch für Kampfeinheiten, die nicht prinzipiell dem Verbandsschutz gegen Bedrohungen aus der Luft dienen. Diskussionen um die korrekte Benennung dieser neuen Entwürfe, ob nun als Zerstörer, Fregatte oder Lenkwaffenkreuzer, sind in diesem Kontext eine eher akademische Angelegenheit. Deng Xiaoping, ein bedeutender chinesischer Politiker und Parteiführer, stellte einst lakonisch fest, dass es egal sei, ob eine Katze schwarz oder gelb (sic) sei. Allein, dass sie Mäuse fange, sei wichtig.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.