Die Düsseldorfer Rheinmetall AG hat ihr Geschäft mit den Streitkräften auch im Geschäftsjahr 2025 deutlich ausgebaut und die Profitabilität weiter gesteigert. Wie das Unternehmen heute bekanntgegeben hat, legte der Konzernumsatz deutlich um 29 Prozent auf 9.935 Millionen Euro zu. Im Vorjahr lag der Wert von bei 7.715 Millionen Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 33 Prozent und kletterte auf 1.841 MioEUR. Rheinmetall gibt seinen Backlog mit 63,8 Milliarden Euro EUR an, eine Steigerung um 36 Prozent zum Vorjahr. In diesen Wert sind sowohl der verbindliche Auftragsbestand als auch die Rahmenverträge einbezogen.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet der Konzern ein anhaltendes Umsatz- und Ergebniswachstum bei weiter steigender Profitabilität. Mit der Herauslösung der zum Verkauf stehenden Automotive-Aktivitäten fokussiert sich der Konzern nach eigenen Angaben von nun an vollständig auf das Defence-Geschäft. Neben den bisherigen Dimensionen Land und Luft engagiert sich Rheinmetall nach der erfolgten Übernahme des Marineschiffbauers NVL auch im maritimen Bereich sowie in der Dimension Space. Die Konzernstruktur wurde zum 1. Januar 2026 neugestaltet: Neben Vehicle Systems und Weapon and Ammunition wurden die neuen Segmente Air Defence, Digital Systems und Naval Systems etabliert.
Der Jahresumsatz im Rheinmetall-Konzern soll im Geschäftsjahr 2026 um 40 Prozent bis 45 Prozent auf 14,0 Milliarden Euro bis 14,5 Milliarden Euro anwachsen. Der rein organische Umsatzanstieg (ohne Akquisitionen) soll hierbei 28 Prozent bis 31 Prozent betragen.
Wie Rheinmetall-CEO Armin Papperger heute bei einer Pressekonferenz ausführte, erwartet sein Unternehmen einen Großauftrag für die Produktion von Radpanzern des Typs Boxer. Im Rahmen des Vorhabens mit dem Namen „Arminius“, das bis 2035 oder möglicherweise gar bis 2040 reiche, rechnet er mit einem Umsatz für Rheinmetall von bis zu 37,5 Milliarden Euro. Ein erster Auftrag im Rahmen des Vorhabens im Volumen von 12,5 Milliarden Euro könne noch in diesem Jahr geschlossen werden. Dabei seien Vorauszahlungen von 20 bis 30 Prozent vorgesehen, um die Produktionskapazitäten aufzubauen.
Weitere Aufträge im Milliardenbereich erwartet der Rheinmetall-CEO im Segment der Munition. Hier stehen seinen Worten zufolge sechs Verträge vor dem Abschluss. Mit einem zusätzlichen Umsatz von drei bis fünf Milliarden Euro rechnet er im Rahmen einer Lieferung des Schützenpanzers Puma, wofür die Beauftragung noch im laufenden Jahr erfolgen soll.
Neben dem Werk „Niedersachsen“ in Unterlüß, in dem Artilleriemunition hergestellt wird und das seit dem vergangenen Jahr produziert, baut Rheinmetall für 170 Millionen Euro an dem Standort auch eine Fertigung für Raketenartillerie auf. Hier sollen für Raketen unterschiedlicher Hersteller unter anderem Motorgehäuse, Düsen und Komponenten, sowie Komposit-Treibstoff für Feststoffraketen hergestellt werden. Das Unternehmen plant eine Verarbeitung von bis zu 3.500 t Treibstoff pro Jahr. Der Produktions-Ramp-up ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Laut Papperger werden die Raketenmotoren so ausgelegt, dass eine hohe Varibilität erreicht wird und so bei Bedarf auch Reichweiten von etwa 2.000 Kilometern zu realisieren sein sollen.
Wie er weiter ausführte, wurde am Standort Weeze in Nordrhein-Westfalen die Produktion der Mittelrumpfteiel des Kampfflugzeugs F-35 bereits aufgenommen. „Die ersten sechs Fuselages sind in der Produktion“, sagte Papperger. Rheinmetall sei jetzt in der Lage, Stealth-Oberflächen zu produzieren.
Aufgrund der Entwicklung im Mittleren Osten und der Bedrohung durch Drohnen und Raketen rechnet der Rheinmetall-Chef mit einer großen Nachfrage nach Produkten für die Luftverteidigung. So haben bei Kunden in der Region eingesetzte Systeme von Rheinmetall seiner Aussage nach bereits eine große Zahl von iranischen Drohnen abgeschossen. Insbesondere die Rohrwaffensysteme wie der Skynex oder Skyranger seien in der Lage, Drohnen, die bis zu 50.000 Dollar kosten, mit drei bis fünf Schuss für rund 5.000 Dollar abzuschießen. Damit lasse sich eine Abwehr auch wirtschaftlich darstellen. „Man will unsere Systeme“, betonte Papperger.
Der Anteil des in Deutschland erzielten Konzernumsatzes im Jahr 2025 stieg laut Rheinmetall um 4 Prozentpunkte auf 38 Prozent, nach 34 Prozent im Vorjahr. Der Auslandsanteil am Konzernumsatz beträgt demnach 62 Prozent. Nur 6 Prozent der Lieferungen entfallen auf Nicht-NATO-Länder. Die operative Marge im Konzern lag bei 18,5 Prozent und übertraf damit ebenfalls erneut den Vorjahreswert von 18,0 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern stieg auf 835 Millionen Euro und lag damit um 3 Prozent über dem Vorjahreswert von 808 Millionen Euro.
Der Umsatz bei Vehicle Systems, mit Tätigkeiten vor allem im Bereich der militärischen Rad- und Kettenfahrzeuge, lag im Geschäftsjahr 2025 bei 4.992 Millionen Euro. Der Vorjahreswert von 3.790 Millionen Euro wurde damit sehr deutlich um 32 Prozent übertroffen. Wesentliche Umsatzbeiträge resultierten dabei aus der Lieferung von Wechsellader-Lkw sowie aus dem Anlaufen von taktischen Fahrzeugprogrammen wie den Boxer-Radpanzern in der Variante MIV für Großbritannien und als Schwerer Waffenträger Infanterie für die Bundeswehr.
Weapon and Ammunition erzielte mit den Aktivitäten bei Waffen, Munition und Schutzsystemen im Berichtsjahr einen Umsatz von 3.532 Millionen Euro. Gemessen am Vorjahreswert entspricht dies einem Zuwachs von 749 Millionen Euro oder 27 Prozent. Deutliche Wachstumsimpulse kamen hierbei wie im Vorjahr neben Deutschland aus weiteren NATO-Staaten sowie der Ukraine als wichtigstem Kundenland. Weapon and Ammunition erreichte mit 7.126 Millionen Euro erneut ein Beauftragungsvolumen (Rheinmetall Nomination), das den Umsatz um mehr als 100 Prozent übertraf.
Der Geschäftsbereich Electronic Solutions, mit den Produkten im Bereich der Digitalisierung der Streitkräfte, der infanteristischen Ausrüstung sowie der Flugabwehr und der Simulation, steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2025 auf 2.504 Millionen Euro und übertraf damit den Vorjahreswert um 45 Prozent (Vorjahr: 1.726 Millionene Euro). Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Umsatzsteigerung leisteten die Umsätze aus dem im Geschäftsjahr 2025 erteilten Großauftrag für das Digitalisierungsprogramm TaWAN sowie aus der im Vorjahr beauftragten Lieferung von Sprechsätzen mit Gehörschutzfunktion, beide für die Bundeswehr. Zudem leiteten sich aus der Lieferung weiterer Skyranger- und Skynex-Flugabwehrsysteme – jeweils an europäische Kunden – weitere Umsatzbeiträge ab.
Der Rheinmetall Nomination von Electronic Solutions stieg – unter Einbeziehung von Rahmen-verträgen – im Geschäftsjahr 2025 auf einen neuen Höchstwert von 14.235 Millionen Euro (Vorjahr: 5.065 Millionen Euro). Dies entspricht laut Rheinmtall erneut einem mehr als verdoppelten Zuwachs von 181 Prozent. Die größten Einzelaufträge konnten den Angaben zufolge beim deutschen Kunden gewonnen werden, namentlich das Digitalisierungsprogramm TaWAN der Bundeswehr, die Nachbeschaffung des Soldatensystems IdZ-ES sowie das Satellitenprogramm SPOCK1. Das operative Ergebnis von Electronic Solutions lag mit 366 Millionen Euro um 68 Prozent über dem Wert des Vorjahres von 217 MioEUR.
Lars Hoffmann
















