Das deutsch-französische Landsystemhaus KNDS plant für die kommenden Jahre Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro in deutsche Standorte. Das kündigte KNDS-CEO Jean-Paul Alary gestern bei einem Gespräch mit Journalisten in München an. Wie er weiter ausführte, geht es dabei auch um neue Produktionsstätten, wobei es sich voraussichtlich um „Brownfield“-Projekte handeln werde. KNDS Deutschland hatte erst im vergangenen Jahr das von der Schließung bedrohte Alstom-Werk in Görlitz übernommen, um dort gepanzerte Fahrzeuge zu bauen. Da der französische Manager ab dem Jahr 2028 mit einem starken Anstieg der Auslieferungen für den deutschen Kunden rechnet, dürfte ein Großteil der Investitionen in diesem und dem kommenden Jahr erfolgen.
Das Unternehmen, das sie je zur Hälfte im Besitz des französsichen Staates und einer deutschen Eigentümerfamilie befindet, strebt noch im laufenden Jahr einen Börsengang sowohl in Paris als auch Frankfurt an. Weitere Details wollte Alary mit Blick auf den IPO nicht nennen. Der Zeitpunkt des Börsengangs könne womöglich auch von den Marktbedingungen beeinflusst werden, räumte er ein. Er betonte, dass KNDS auch in Zukunft ein reines Landsystemhaus bleiben werde.
Eine Herausforderung stellt seinen Worten zufolge das Hochfahren der Produktionskapazitäten dar, weshalb auch die Automatisierung ausgebaut werden soll. Der KNDS-CEO sieht sein Unternehmen dabei auf gutem Weg, so sei der Output für das französische Programm Scorpion mit drei Radfahrzeugtypen in den vergangnen Jahren verdreifacht worden. In Zukunft werde auch die Supply-Chain erweitert und für bestimmte Fahrzeuge – etwa den Boxer – auch mehrere Komponenten-Lieferanten qualifiziert.
Alary zeigte sich als Verfechter europäischer Rüstungsprogramme, etwa des Main Ground Combat System (MGCS), bei dem man bereit sei, die Führung zu übernehmen. Allerdings wünscht sich der Manager ein schnelleres Vorgehen. MGCS sieht er als ein Langfrist-Projekt. Für die kurze und mittlere Frist ab der nächsten Dekade habe sein Unternehmen Vorschläge für neue Fahrzeuge, etwa einen moderneren Kampfpanzer mit mehr Schutz und Feuerkraft – der später ins MGCS integriert werden könnte – sowie Verbesserungen bei der Artillerie.
Technologisch werden nach Einschätzung des KNDS-Managers die Themen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und unbemannte Systeme immer wichtiger, womit das sogenannte Manned-Unmanned Teaming an Bedeutung gewinne. Hier kollaboriere sein Unternehmen unter anderem mit Partnern wie Helsing oder TYTAN Technologies und habe einen Anteil an der estnischen Firma Milrem Robotics erworben. Als sogenannter Lead System Integrator sei es jedoch erforderlich, dass KNDS in diesen Technologiesegmenten über Schlüsselexpertise verfüge.
Vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitsumfeldes und der gewachsenen Bedrohung erwaret Alary in den kommenden Jahren in Europa hohe Ausgaben für Verteidigung, selbst wenn es zu einem Waffenstillstand in der Ukraine kommen sollte. Neben Europa, wo laut dem CEO sein Unternehmen in neun Ländern präsent ist und 24 Streitkräfte als Kunden hat, habe der Konzern auch eine starke Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent, im Mittleren Osten sowie Südostasien. Diese wolle man beibehalten.
Lars Hoffmann


















