Der Sensorspezialist Hensoldt hat nach eigenen Angaben vom Landsystemhaus KNDS mehrere Großaufträge zur Ausstattung von Kampf- und Schützenpanzern mit digitaler Optronik erhalten. Mit einem Gesamtvolumen von mehr als 400 Millionen Euro zählen die Aufträge für den Radschützenpanzer Boxer RCT 30, genannt „Schakal“ und den Kampfpanzer Leopard 2 A8 zu den bedeutendsten für digitale Sichtsysteme im Landbereich und markieren einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Software-Defined-Defence, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt.
Im Mittelpunkt steht den Angaben zufolge ein Auftrag zur Ausstattung des Schakals. Der Vertrag umfasst laut Hensoldt ein Volumen von rund 290 Millionen Euro. Das Unternehmen liefere hierfür insgesamt 288 vollständige Sätze digitaler Optronik für das Fahrzeug, das auf der GTK-Boxer-Plattform mit dem Turmsystem des Schützenpanzers Puma basiert. Jeder Satz beinhalte das digitale Kommandantensichtgerät PERI RTWL HD, das digitale Richtschützensichtgerät WAO HD, das Multifunctional Self-Protection System (MUSS) sowie die zugehörigen Monitore zur Darstellung der Videostreams.
Parallel zu dem Schakal-Programm wurde Hensoldt Ende 2025 von KNDS mit einem weiteren Auftrag zur Ausstattung des Kampfpanzer Leopard 2 A8 beauftragt. Dieser umfasse die Lieferung von 178 Sätzen bestehend aus dem PERI RTWL HD, dem Zusatzvisier für Richtschützen FERO Z18, dem Sensorkopf Spectus II sowie dem Wärmebildgerät ATTICA GL und dem Entfernungsmess- und Einschießsystem EMES OPO, schreibt das Unternehmen. Der Auftrag hat den Angaben zufolge ein Volumen von mehr als 110 Millionen Euro. Insgesamt werde Hensoldt damit 301 Sätze digitaler Sichtsysteme für die deutsche Leopard-2-Flotte bereitstellen.
Die Auslieferung der Sensor-Pakete wird laut Hensoldt ab 2027 beginnen. Prototypen digitaler Sichtsysteme für den Puma-Turm wurden demnach bereits ausgeliefert, der Beginn der Serienauslieferung für den Schakal sei für das vierte Quartal 2027 vorgesehen.
Ein wesentliches Merkmal beider Programme ist laut Hersteller die konsequente Umstellung auf digitale Optronik. Die eingesetzten Sichtsysteme seien als smarte, softwarefähige Sensoren ausgelegt und ermöglichen die Anbindung an die Software-Defined-Defence-Fähigkeiten von Hensoldt. Um Interoperabilität, Versorgbarkeit und Verfügbarkeit im Einsatz zu maximieren, seien die Komponenten des Schützenpanzers Puma und des Schakals untereinander austauschbar.
Zentrales Element der Ausstattung ist laut Mitteilung das digitale Kommandantensichtgerät PERI RTWL HD. Das stabilisierte, digitale Periskop ermögliche eine präzise Rundumaufklärung und Zielerfassung auch während der Fahrt sowie unter widrigen Einsatzbedingungen wie Staub, Nebel und Dunkelheit. Aufbauend auf den Erfahrungen aus der Einführung digitaler Sichtsysteme für den Kampfpanzer Leopard 2 überträgt Hensoldt diese bewährten Fähigkeiten auf weitere Plattformen. Das System sei plattformübergreifend ausgelegt und unterstütze damit den flexiblen Einsatz auf unterschiedlichen Gefechtsfahrzeugen.
Ergänzt wird das PERI RTWL HD laut Hersteller durch das digitale Richtschützensichtgerät WAO HD, das als Nachfolger eines bislang analogen Systems entwickelt wurde und auf derselben digitalen Architektur wie das PERI basiert. Die WAO HD biete eine hochauflösende Videoausgabe, eine erweiterte Sichtreichweite zur Optimierung der Kampfentfernung sowie eine verbesserte Stabilisierung. Moderne digitale Schnittstellen ermöglichen der Mitteilung zufolge eine effiziente Integration in das jeweilige Turmsystem, während eine zentralisierte Anwenderschnittstelle Wartung und Service vereinfacht. Mit der WAO HD vollzieht Hensoldt nach eigenen Angaben den technologischen Schritt von analogen zu vollständig digitalen Sichtsystemen auch für den Richtschützen.
Die digitalen Sichtsysteme bilden die Grundlage für weiterführende Funktionen wie Bilddatenfusion, Videotracking und die Vernetzung mit Führungs- und Wirksystemen. „Die parallelen Aufträge für Schakal und Leopard 2 A8 zeigen, dass digitale Optronik heute ein zentraler Enabler für Software-Defined-Defence ist. Mit unseren plattformübergreifend einsetzbaren, softwarefähigen Sichtsystemen schaffen wir die Grundlage für vernetzte, zukunftsfähige Gefechtsfahrzeuge und stärken nachhaltig die Einsatzbereitschaft moderner Streitkräfte“, so Christina Canitz, Head of Optronics Division bei Hensoldt.
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