Großbritannien hat sein neues Programm „Atlantic Bastion” vorgestellt, das das Land durch eine Umgestaltung der Royal Navy und ihrer U-Boot-Jagdkapazitäten besser vor russischen Unterwasserbedrohungen im Nordatlantik schützen soll.
Wie das britische Verteidigungsministerium schreibt, besuchte Verteidigungsminister John Healey die Naval Base Portsmouth, um erste Arbeiten am bahnbrechenden „Atlantic Bastion“-Programm vorzustellen, in dessen Rahmen in diesem Jahr Millionen Pfund in die Entwicklung und Erprobung innovativer U-Boot-Sensortechnologie investiert werden.
Atlantic Bastion werde eine fortschrittliche hybride Seestreitkraft schaffen, um das Vereinigte Königreich und die NATO-Verbündeten gegen neue Bedrohungen zu verteidigen. Damit werde Großbritannien in die Lage versetzt, Gegner in weiten Teilen des Ozeans mit beispielloser Effektivität aufzuspüren, zu verfolgen und gegebenenfalls gegen sie vorzugehen.
Atlantic Bastion soll den Angaben zufolge Schiffe, U-Boote, Flugzeuge und unbemannte Fahrzeuge durch KI-gestützte akustische Erkennungstechnologie miteinander verbinden und in ein digitales Zielnetzwerk integrieren, das es ermöglicht, Entscheidungen auf dem Gefechtsfeld zur Bekämpfung feindlicher Bedrohungen schneller zu treffen und auszuführen. An dem Vorhaben sind auch zahlreiche Industrie-Partner beteiligt, darunter Anduril, BAE Systems und Helsing.
Das Verteidigungsministerium und die Industrie haben den Angaben zufolge in diesem Jahr bereits 14 Millionen Pfund für Tests und Entwicklung bereitgestellt. 26 Unternehmen aus Großbritannien und Europa haben demnach Vorschläge zur Entwicklung von Sensortechnologie zur U-Boot-Bekämpfung eingereicht, und 20 Unternehmen, von großen Konzernen bis hin zu kleinen und mittleren Technologieunternehmen, präsentieren bereits Technologiedemonstratoren, wobei die öffentlichen Investitionen bisher im Verhältnis 4:1 durch private Investitionen ergänzt werden.
In der nächsten Phase der Entwicklung und Erprobung in den kommenden Wochen werden laut Ministerium die erfolgreichen Unternehmen die Entwicklungsarbeit vom Konzept bis zur Einsatzreife vorantreiben. Die Fähigkeiten sollen im nächsten Jahr im Wasser getestet werden, und weitere Investitionen zur Beschleunigung und Erweiterung des Programms sollen im nächsten Jahr folgen.
Nach Aussage von Amelia Gould, General Manager Maritime bei Helsing, hat ihr Unternehmen die Führungsrolle Großbritanniens bei Innovationen im Bereich der maritimen Verteidigung erkannt und sein Engagement für Großbritannien durch ein KI- und Softwarezentrum in London und eine neu eröffnete Resilience Factory in Plymouth vertieft.
„Durch die eigenfinanzierte Entwicklung und die in Großbritannien durchgeführten Tests von SG-1 Fathom und Lura haben wir die Leistungsfähigkeit fortschrittlicher KI und Autonomie unter Beweis gestellt, die den Unterwasser-Gefechtsfeld revolutionieren werden“, so Gould. Helsing sei bereit, eine führende Rolle in Atlantic Bastion zu übernehmen und eine „Mauer aus Seedrohnen“ zum Schutz der NATO zu schaffen.
Das Programm Atlantic Bastion ist laut britischem Verteidigungsministerium eine direkte Reaktion auf das Wiederaufleben russischer U-Boot- und Unterwasseraktivitäten, darunter die Aktivitäten des russischen Spionageschiffs Yantar in britischen Gewässern, die kürzlich aufgedeckt wurden. Der britische Militärgeheimdienst habe festgestellt, dass Russland derzeit seine Flotte modernisiert, um kritische Unterwasserkabel und -pipelines anzugreifen.
Lars Hoffmann

















