Der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems entwickelt eine eigene raketenmotorgestützte Abfangdrohne, die sich bereits in einer fortgeschrittenen Flugerprobungsphase befindet und feindliche Drohnen in einer Entfernung bis 25 km kostengünstig abwehren soll.
Wie ein Unternehmenssprecher gegenüber hartpunkt erklärte, handelt es sich bei der Abfangdrohne um ein System, welches derzeit unter dem Arbeitstitel „Jäger“ entwickelt wird. Kernmerkmal der Abfangdrohne, die ein günstiges Wirkmittel für den Abschuss von Drohnen darstellen soll, ist der raketengestützte Antrieb, der die Drohne in sehr kurzer Zeit in große Höhen befördern kann und so die Fähigkeit des Systems signifikant verbessert, hoch und schnell fliegende Drohnen abwehren zu können.
Der Start der Abfangdrohne selbst erfolgt aus einer Box. Vier elektrisch angetriebene Schubpropeller befördern die Jäger aus dem Transportbehälter auf rund 100 m Höhe, im Anschluss übernimmt der Feststoffraketenbooster, der eine Brenndauer von rund fünf Sekunden aufweist und die Jäger schnell auf sehr große Höhen bringt. Der anschließende Vortrieb erfolgt wieder rein elektrisch.
Einem LinkedIn-Beitrag des Co-Gründers und Co-CEOs von Quantum Systems Florian Seibel von vor zwei Wochen zufolge, ist die Drohne dank des Kombi-Antriebs in der Lage, innerhalb von 30 Sekunden auf 4.000 m Höhe zu steigen. Zudem veröffentliche Seibel ein Video, welches Flugversuche der Drohne auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr zeigt.
Seibels Äußerung deutet weiterhin darauf hin, dass die Abfangdrohne für die Abwehr von Drohnen vorgesehen ist, die der NATO-Klassifizierung Class II (<600 kg) entsprechen.
Die maximale Betriebshöhe der Jäger wird vom Unternehmenssprecher gegenüber hartpunkt mit 5.000 m und die Reichweite mit 25 km sowie die maximale Geschwindigkeit mit 365 bis 405 km/h angegeben. Der finale Stückpreis des bis zu 2,5 kg schweren Interceptors soll Quantum Systems zufolge im vierstelligen Euro-Bereich liegen. Von den 2,5 kg sind bis zu 800 g für eine Nutzlast vorgesehen.
Weitere Merkmale der Abfangdrohne sind ein störungsresistenter Datenlink sowie die Fähigkeit, ohne Satellitennavigation operieren zu können. Der Abfangvorgang soll im finalen Entwicklungsstand einen hohen Automatisierungsgrad aufweisen und ohne menschließe Steuerung auskommen. Der Abfangprozess selbst erfolgt mittels des Hit-to-kill-Prinzips bei dem die feindliche Drohne durch die Jäger gerammt und so kinetisch zerstört wird.
Wie der Sprecher weiter ausführte, ist die Entwicklung des Systems unternehmensseitig abgeschlossen, alle weiteren Schritte bis hin zu einem Seriensystem müssten mit einem Kunden erfolgen, so dass die kundenspezifischen Einsatzgrundsätze bei der Serienreifmachung berücksichtigt werden können. Der Einsatzbetrieb wäre dann Ende des Jahres möglich.
Waldemar Geiger

















