Die Nachfolge der Aufklärungsdrohne ALADIN (Abbildende Luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich) der Bundeswehr soll offenbar auf Basis der Twister-Aufklärungsdrohne des deutschen Drohnenherstellers Quantum Systems realisiert werden, wie hartpunkt aus mehreren gut informierten Kreisen erfahren hat. Der offizielle Zuschlag dürfte jedoch erst nach der Billigung der entsprechenden 25-Mio-Vorlage durch den Haushaltsausschuss erfolgen, deren Behandlung dem Vernehmen nach für Dezember 2025 geplant ist.
In der Bundeswehr dienen die 2005 erstmals eingeführten leichten ALADIN-Aufklärungsdrohnen in der Aufklärungs- und Kampftruppe zur Ziel-, Wirkungs- und Lageaufklärung bei Tag und Nacht. Da die Systeme bereits seit geraumer Zeit nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, wurde seitens des Bundeswehrbeschaffungsamtes BAAINBw im Juni 2024 ein Teilnahmewettbewerb für die Lieferung von „leichten, einfach bedienbaren, unbemannten Fluggeräten (UAS) zur militärischen Aufklärung im Nahbereich“ als Nachfolgesysteme für die Aufklärungsdrohne ALADIN eröffnet. Absicht ist es, die neue Aufklärungsdrohne in den Teilstreitkräften Heer, Marine und Luftwaffe einzusetzen. Dem Vernehmen nach haben mehrere Unternehmen Interesse an der Ausschreibung bekundet.
Es wurde eine Rahmenvereinbarung für insgesamt 747 Systeme ausgeschrieben, von denen zum Zeitpunkt Sommer 2024 voraussichtlich nur 147 Drohnen fest beauftragt werden sollten. Die restlichen 600 Systeme sollten als Option abrufbar sein. Ob sich zwischenzeitlich Änderungen an den geplanten Abrufzahlen ergeben haben, ist derzeit öffentlich nicht bekannt. Die derweil bekundete Absicht der Bundeswehr der Truppe eine Vollausstattung zur Verfügung stellen zu wollen, die Aufgrund der höheren Verteidigungsausgaben auch finanzierbar geworden ist, dürfte ein deutlich Indiz dafür sein, dass es nicht bei den 147 angekündigten Systemen bleiben wird. Zudem hat Carsten Stawitzki, Abteilungsleiter Rüstung im BMVg, in den vergangenen Wochen im Zuge mehrerer unterschiedlicher Veranstaltungen bekundet, dass die Bundeswehr die getätigten Rahmenvereinbarungen voll auszuschöpfen gedenkt.
Da die Bedarfsermittlung der 747 Systeme zudem noch in der „alten“ Bundeswehrstruktur erfolgt ist, dürfte der Gesamtbedarf für eine 260.000 Soldatinnen und Soldaten Bundeswehr signifikant größer ausfallen. Auch die Absicht der Bundeswehr eine Umlaufreserve von bis zu 40 Prozent aufbauen zu wollen, ist in der Ausschreibung noch nicht berücksichtigt gewesen. Der Gesamtbedarf der Bundeswehr für den ALADIN-Nachfolger sollte somit in einem niedrigen vierstelligen Bereich liegen.
Bei der Twister handelt es sich um eine elektrisch angetriebene Aufklärungsdrohne mit der Fähigkeit, senkrecht starten und landen zu können. Die Twister hat nach Angaben des Herstellers eine Spannweite von 1,25 m und ein maximales Abfluggewicht von 3,8 kg sowie eine maximale Betriebshöhe von 3.800 m. Die Aufklärungstiefe des Systems wird mit 15 km und die Flugdauer mit 90 min angegeben.
Technische Daten der Twister gemäß Unternehmenswebseite max. Startgewicht 3,8 kg Größe (L/H/B) 1,25 m Spannweite Aufklärungstiefe 15 km Flugdauer 90 min Sensorik Nighthawk2-UZ (40x Zoom, 20x +2x digital) Besonderheiten – eVTOL
– tragbar in einem Rucksack
– GNSS Denied Operations
Haus- und Hoflieferant für die luftgestützte Aufklärung
Mit der erfolgreichen Bezuschlagung für die ALADIN-Nachfolge dürfte sich Quantum Systems langsam, aber sicher zu einem Haus- und Hoflieferanten der Bundeswehr im Bereich der leichten, taktischen Aufklärungsdrohnen entwickeln.
Quantum Systems hat eigenen Angaben zufolge seine Drohnen nach einem „Family of Systems“-Ansatz entwickelt, bei dem die Systeme eine hohe Hardware- und Software-Kommunalität aufweisen. Daraus dürften sich auch Synergieeffekte für die Bundeswehr ergeben, die mit der Vector, in der Bundeswehr als „ferngeführtes Aufklärungssystem, luftgestützt, kurze Entfernung“ (FALKE) eingeführt, bereits Drohnen des Herstellers für die Spezialkräfte sowie Heeresaufklärungstruppe beschafft haben. Darüber hinaus hat Quantum Systems im März dieses Jahres mit der AirRobot GmbH den Hersteller der MIKADO-Drohnen (Mikroaufklärungsdrohne für den Ortsbereich) übernommen.
Waldemar Geiger


















