Der Spezialist für militärische Sitzsysteme AUTOFLUG in Rellingen bei Hamburg hat auf der Rüstungsmesse DSEI in London sein verbessertes Sitzsystem für Panzerbesatzungen mit der Bezeichnung Suspended Dynamic Seat (SDS) 2.0 vorgestellt. Im Vergleich zu den Vorgängerserien sollen die neuen SDS 2.0-Sitze einen höheren Komfort bieten. Zudem wurde eine neue, abwärtskompatible Einhebel-Schalteinrichtung vorgestellt, die eine deutlich einfachere Bedienung bietet und so zu einer höheren Sicherheit beiträgt.
Ausgelegt für Kommandanten, militärische Kraftfahrer und Richtschützen von beispielsweise Kampf- und Schützenpanzern kommen die neuen SDS 2.0-Sitze nun ohne Beinschlaufen aus. Zum Einsatz kommt ein Drehschloss mit Schulter- und Beckengurten, der für die gleiche Sicherheit sorgt, wie die Nutzung des vorherigen Gurtsystems in Kombination mit den Beinschlaufen. Für die Besatzung geht damit ein signifikant höherer Sitzkomfort einher, da die Beine so auch bei längerer Nutzung und straff angezogenen Gurten nicht mehr einschlafen.
Nach Angaben des Unternehmens sind die neuen SDS 2.0-Sitze bereits von einem nicht näher spezifizierten NATO-Kunden für ein aktuelles Vorhaben bestellt worden. AUTOFLUG zufolge ist der Sitz für eine große Bandbreite an Körpergrößen (5. Perzentil weiblich bis 95. Perzentil männlich) und somit für die Nutzung eines Großteils der europäischen Bevölkerung geeignet.
Schaltbox 2.0
Moderne Sitzsysteme sind bereits seit geraumer Zeit elementarer Bestandteil eines Schutzkonzeptes von Panzerbesatzungen. Im Gegensatz zu klassischen Sitzen in Fahrzeugen müssen militärische Sitzsysteme die Nutzer nicht nur vor den Gefahren des Straßenverkehrs schützen und in der Sitzposition fest verankern, sie müssen auch verhindern, dass im Rahmen von Ansprengungen auftretenden Kräfte vom Panzer auf die Besatzung übertragen werden.
Zu diesem Zweck – der Unterbrechung der Kraftübertragung – sind praktisch alle modernen militärischen Sitzsysteme von dem jeweiligen Fahrzeugchassis entkoppelt. Panzersitzsysteme wie der SDS sind dafür zumeist mittels mehrerer Gurte an der Panzerwanne befestigt. Nichtsdestotrotz müssen die Besatzungsmitglieder auch in den entkoppelten Sitzen in eine „fixe“ Sitzposition gebracht werden, damit sie während der Fahrt oder unter Ansprengung nicht gegen das Fahrzeuginnere geschleudert werden. Darüber hinaus werden auch starke Vibrationsübertragungen des Fahrzeuges auf das Besatzungsmitglied verhindert. Dafür werden die Befestigungsgurte, die den Sitz mit der Wanne verbinden, mittels Retraktoren (ähnlich einer herkömmlichen Gurtratsche) über Bowdenzüge eingestellt. So kann die Besatzung einerseits einigermaßen bequem in den Sitz einsteigen und dann eine sichere Fahrposition Über- oder Unterluke erreichen. Für diesen Prozess hat AUTOFLUG bis dato eine Zweihebel-Schalteinrichtung angeboten. Mittels der beiden Hebel, die jeweils drei Schaltstellungen hatten, ließ sich eine große Kombination – darunter auch einige nicht benötigte – an Sitzeinstellungen vorgenommen werden. Vergleichen kann man diese Funktionalität mit der Einstellung des Fahrersitzes im Auto. Durch unterschiedliche Hebel kann der Sitz geneigt oder die Rückenlehne gekippt werden. Der Sitz kann höher oder tiefer gestellt werden sowie in der Position weiter nach vorne oder hinten gebracht werden.
Die nun auf der DSEI vorgestellte Schaltbox 2.0 kommt mit nur einem einzigen Hebel und vier Schaltpositionen aus und kombiniert alle beschriebenen Funktionalitäten in einem System. Die Nutzung eines einzelnen Hebels vereinfacht die Ausbildung und lässt sich auch im Gefechtsstress deutlich einfacher bedienen, was zur Steigerung der Besatzungssicherheit beiträgt, indem stressinduzierte Fehleinstellungen der Sitzposition verringert werden.
Nach Angaben der Unternehmensvertreter in London befindet sich die Schaltbox 2.0 derzeit in der Prototypenphase. Eine Serienreifmachung ist für 2026 vorgesehen. Da das System abwärtskompatibel ausgelegt ist, kann es vergleichsweise einfach gegen derzeit in Bestandsflotten genutzte Sitzsystem-Schaltboxen ausgetauscht werden.
Waldemar Geiger

















