China zeigt Einblicke in den Flugbetrieb des neuen „Superträgers“ Fujian

Alexander Luck

Anzeige

Am Montag, dem 22. September, haben offizielle Kanäle der Volksbefreiungsarmee (PLA) eine umfangreiche Zahl an Bildern und Videos zu Start- und Landeoperationen auf dem neuen chinesischen „Super-Träger“ Fujian veröffentlicht.

Offizielle Kanäle der Volksbefreiungsarmee (People‘s Liberation Army oder PLA) haben am Montag, dem 22. September, eine umfangreiche Zahl an Bildern und Videos zu Start- und Landeoperationen auf dem neuen chinesischen „Super-Träger“ Fujian veröffentlicht.

Anzeige

Das Erscheinen des qualitativ hochwertigen Materials hat in seiner Plötzlichkeit und Masse Beobachter der militärischen Modernisierung Chinas einigermaßen überrascht. Die verschiedenen Videos und Bildserien, zum Teil als professionelles Werbe- und Rekrutierungsmaterial einschließlich Slogans zur Vaterlandsliebe zeigt die Besatzung des Flugzeugträgers bei verschiedenen Flugdeck-Operationen. Katapultstarts mittels des neuen elektromagnetischen Startsystems befördern Radarfrühwarnmaschinen des Typs KJ-600 sowie Kampfjets der Typen J-15T und J-35 in die Luft. Lande- und Hangar-Bewegungen komplettieren die Darstellung eines modernen und kampfkräftigen Trägers, der in naher Zukunft den Dienst bei der Chinesischen Volksmarine (PLAN) antreten wird.

Anzeige

Obwohl die neue Medienkampagne mit der neunten Seeerprobung der Fujian, zum ersten Mal im Südchinesischen Meer, korreliert, durfte das Bildmaterial auf die Zeit zwischen September 2024 und Mai 2025 datieren.

Die mutmaßlich frühste Szene zeigt eine KJ-600 im Überflug über das Landedeck der Fujian. Aufgrund der Präsenz mehrerer charakteristischer Container an Bord lässt sich das Segment auf die vierte Seeerprobung des Flugzeugträgers vom 3. bis zum 21. September 2024 datieren. Es handelt sich um einen reinen Überflug, da zu diesem Zeitpunkt noch keine Fangseile auf dem Landestreifen installiert waren.

Der überwiegende Teil der Darstellungen datiert auf die siebte Seeerprobung vom 18. März bis zum 1. April 2025. Der Nachweis hierfür ist der schwarz gefärbte Sensormast des Flugzeugträgers, eine Erscheinung, die nur von Anfang März bis Anfang April zu beobachten war. Der Grund für die Veränderung ist unklar. Allerdings scheint die Fujian Probleme mit starker Ruß-Schwärzung des Mastes aufgrund der Nähe zum dahinter befindlichen Schlot zu haben.

Generell ist der Flugbetrieb auf der Fujian keine Überraschung für langjährige Beobachter des Träger-Bauprogramms der PLAN. Bereits die sechste Seeerprobung vom Dezember 2024 bis Januar 2025 scheint zumindest „touch and go“-Flüge beinhaltet zu haben, wie nach Rückkehr des Schiffs nach Schanghai aufgrund von Reifenabrieb auf dem Rollfeld ersichtlich war. Im Juli dieses Jahres erschienen zudem verschiedene Bilder, die die Präsenz von J-15 Kampfjets auf dem Träger und beim Überflug suggerierten.

Dennoch beinhaltet das neue Material auch neue Einsichten. Alle Katapultstarts erfolgten vom Bug-Katapult auf der Backbord-Seite. Weder das Steuerbord-Katapult noch die „lange“ Startspur weiter achtern auf dem Landedeck fanden Verwendung. Ob dies mit unterschiedlichen Reifegraden des betroffenen Materials zusammenhängt, oder ein Zufall durch die Bearbeitung der Videos ist, bleibt unklar.

J-15T und J-35 auf Katapult-Startpositionen auf Fujian.
J-15T und J-35 auf Katapult-Startpositionen auf Fujian. (Bild: Volksbefreiungsarmee)

Bemerkenswert ist zudem die Anwesenheit von gleich drei KJ-600 Frühwarnflugzeugen (AEWC). Die KJ-600 ist das chinesische Äquivalent zur amerikanischen E-2 Hawkeye, einschließlich einer detaillierten, aber hoch wahrscheinlich oberflächlichen Ähnlichkeit in der generellen Erscheinung. Die drei Flugzeuge tragen die Seriennummern 7103, 7104 und 7106. Die Präsenz mag nahelegen, dass das KJ-600-Programm als herausstellendes Fähigkeitsmerkmal der Fujian hohe Entwicklungs-Priorität für PLAN hat. Anders als der neue Träger können die bereits in Dienst befindlichen Flugzeugträger mit Rampen, Liaoning und Shandong, keine AEWC-Flugzeuge einsetzen.

Die drei KJ-600 AEWC-Flieger an Bord von Fujian.
Die drei KJ-600 AEWC-Flieger an Bord von Fujian. (Bild: Volksbefreiungsarmee)

Das Bildmaterial zeigt weiterhin die Traeger-Besatzung bei verschiedenen Arbeitsschritten im Abfertigen, Starts und Landungen der verschiedenen Flugzeug-Typen. Auffallend ist erneut, dass die chinesische Volksmarine sich selbst bei Details wie der Farbe der Bekleidung enorm eng an die U.S. Navy anlehnt. Ebenso wie auf us-amerikanischen Trägern trägt das Personal Westen in Gelb, Blau, Weiß, Rot und Grün, je nach individueller Aufgabe im Flugbetrieb. Dabei signalisieren gelbe Westen Personal für die Koordinierung auf dem Flugdeck und den Katapultstart der Flugzeuge. Blau ist Seeleuten für Hangar-Aufzüge und darauf bezogenen Flugzeugbewegungen vorbehalten. Personal für Arbeitssicherheit und Qualitätskontrolle trägt weiße Westen. Unterschiede gibt es bei den Betankungseinheiten. US-Personal trägt lila Westen, chinesische Seeleute tragen Blau.

Ebenso wie bei der erwähnten Ähnlichkeit der KJ-600 zur Hawkeye dürfte die Erklärung sein, dass für PLAN die US-Marine der etablierte und glaubwürdige „Gold-Standard“ im Flugzeugträger-Betrieb ist. Das „Neu-Erfinden des Rads“ würde in dieser Hinsicht wenig sinnvoll erscheinen, zumal für eine Marine wie der PLAN, die traditionsgemäß eher risiko-scheu in Entwicklung und Betrieb neuer Technologien ist.

J-35 beim Katapult-Start.
J-35 beim Katapult-Start. (Bild: Volksbefreiungsarmee)

Ironischerweise gelingt es der PLAN dennoch, zumindest in einer Hinsicht das große Vorbild zu übertreffen. Anders als die US-Marine hat China bereits Flugoperationen mit dem Marine-Kampfjet neuer Generation, der J-35, auf der Fujian durchgeführt. Währenddessen muss sich die US-Marine bis mindestens 2027 gedulden, um vergleichbares mit der F-35C auf dem neuen Flugzeugträger USS Gerald R Ford (CVN-78), ebenfalls mit elektromagnetischen Katapulten zu vollbringen. Die Verzögerung begründet sich vornehmlich durch erhebliche Ausgabenbeschränkungen, die der US-Kongress dem Pentagon auferlegt hat, nachdem das CVN-78-Programm wiederholt erhebliche Verzögerungen und Kostensteigerungen erfahren hat. Derzeit ist geplant, frühestens 2027 mit dem F-35C-Flugbetrieb auf CVN-78 zu beginnen. Bis dahin sind F-35-Geschwader allerdings dennoch auf mehreren Trägern der Nimitz-Klasse einsatzbereit.

J-15T bei Landung auf Fujian.
J-15T bei Landung auf Fujian. (Bild: Volksbefreiungsarmee)

Die Fujian ist zwischenzeitlich wie erwähnt mitten in der neunten Seeerprobung und hält sich derzeit in der Nähe der Marinebasis Sanya auf der Insel Hainan im Südchinesischen Meer auf. Der neue Träger wird potenziell nach dem Ende der Erprobung in Sanya in Dienst gestellt, allerdings bleibt dies derzeit spekulativ. Alternativ würde die Fujian stattdessen nach Schanghai und zur Werft Jiangnan zurückkehren.

Selbst wenn eine Indienststellung erfolgt ist, bedeutet dies noch nicht das Ende der Erprobungen, die noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen werden. Sobald die Fujian alle Zertifizierungen und Prüfungen überstanden hat, wird der etwa 85.000 Tonnen verdrängende „Super-Träger“ für viele Jahre die Hauptlast in der weiteren Ausbildung und Qualifizierung von Trägerpersonal für den Flugbetrieb mittels Katapultes tragen müssen.

Details zum Konstruktionsfortschritt des vierten chinesischen Flugzeugträgers, in Beobachterkreisen als „Typ 004“ oder „CV-19“ benannt, bleiben spärlich. Bekannt ist, dass China mit der landbasierten Entwicklung eines Atomreaktors für Marineeinheiten begonnen hat. Zudem scheint die Bauwerft Dalian in der gleichnamigen Stadt im Norden Chinas derzeit mit der langwierigen Konstruktion eines bislang unidentifizierten neuen Schiffs-Entwurfs betraut. Dalian hat zuvor den ersten Träger, die Liaoning, effektiv von Grund auf modernisiert und anschließend das Schwesterschiff Shandong konstruiert.

Von Unsicherheiten bezüglich zukünftiger Entwicklungen abgesehen bleibt festzustellen, dass die chinesische Volksmarine innerhalb von zwei Jahrzehnten zum zweitgrößten Betreiber von Flugzeugträgern nach den Vereinigten Staaten aufgestiegen ist. Zusammen mit Frankreich und den USA ist China exklusiver Betreiber von Katapult-Trägern. Die Fujian ist nach den US-Trägern der Nimitz- und Ford-Klassen das drittgrößte Kriegsschiff der Welt, und weitere Träger dürften gesichert in absehbarer Zukunft folgen.

All diese Ereignisse, in historisch betrachtet kurzer Zeit, unterstreichen einen enormen Drang zur Modernisierung und Erweiterung der maritimen Fähigkeiten der Volksbefreiungsarmee, einer ehemals vorrangig als Landstreitkraft ausgelegten Streitmacht, die mittlerweile mit der US-Marine um den Titel der größten Flotte weltweit konkurriert.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien. Der Beitrag erschien erstmalig am 23.09.2025 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.