Flamingo-Marschflugkörper im Einsatz: Erste Erkenntnisse zu Wirkung und Präzision

Fabian Hoffmann

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Gestern Abend wurden hochauflösende Aufnahmen des ersten gemeldeten Angriffs mit dem neuen ukrainischen Marschflugkörper FP-5 Flamingo veröffentlicht. Dieser Beitrag liefert eine erste Einschätzung der Gefechtswirkung (auf Englisch Battle Damage Assessment bzw. BDA) und geht der Frage nach, ob der Flamingo seinem Hype gerecht wurde.

Gefechtswirkungsanalyse

Laut offiziellen Angaben wurden drei Flamingo-Marschflugkörper bei dem Angriff eingesetzt. Dies deckt sich mit früherem Videomaterial, das drei Starts von Marschflugkörpern zeigt, die aufgrund des charakteristischen S-förmigen Startmusters, der Verwendung eines großen Feststoff-Boosters und des obenliegenden Triebwerks eindeutig als Flamingos identifiziert werden konnten.

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Ziel des Angriffs war ein FSB-Außenposten in Armyansk im Norden der Krim, etwa 100 Kilometer südöstlich von Cherson.

Auf sozialen Medien geteilte hochauflösende Satellitenbilder zeigen zwei Einschläge innerhalb und in der Nähe des Außenpostens. Ein Flugkörper traf den Hauptgebäudekomplex und verursachte erhebliche Schäden an mindestens einem Gebäude.

Der zweite Einschlag erfolgte rund 200 Meter weiter westlich am Ufer. Der Gefechtskopf scheint im Wasser detoniert zu sein, wodurch das Ufer aufgerissen und die Umgebung verbrannt wurde. Offensichtliche Schäden an umliegender Infrastruktur sind nicht erkennbar. Angesichts der erheblichen Explosionswirkung einer 1.150-Kilogramm-Nutzlast ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass Luftkissenfahrzeuge und kleinere Boote, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs 80 bis 100 Meter entfernt befanden, leichte bis mittlere Schäden erlitten.

In beiden Fällen hinterließen die Detonationen Krater mit einem Durchmesser von 13 bis 15 Metern, was die Explosionskraft des Flamingos verdeutlicht.

Das Schicksal des dritten Flugkörpers bleibt unklar. Er könnte in der Luft abgefangen worden sein, entweder kinetisch durch russische Flugkörperabwehrsysteme oder nichtkinetisch durch GPS-Jamming, das ihn vom Kurs abbrachte. Eine weitere Möglichkeit ist ein systemischer Fehler innerhalb des Flugkörpers selbst, der ein Erreichen des Zielgebiets ohne äußere Einwirkung verhinderte.

Auch die Wahl des Außenpostens als Ziel ist nicht eindeutig nachvollziehbar, wobei die Lage darauf hindeutet, dass die ukrainischen Streitkräfte in erster Linie an einem Praxistest des Flugkörpers interessiert waren. Da der Flugkörper nicht tief in Russisch kontrolliertes Gebiet eindringen musste, konnten ukrainische Beobachter die Leistungsparameter unter relativ günstigen Bedingungen verfolgen.

Der Angriff diente somit möglicherweise als Machbarkeitsnachweis und erste Bewertung der Einsatzfähigkeit des Systems.

Beobachtete Genauigkeit und Leistungsfähigkeit des Flamingo

Der Angriff erlaubt auch eine erste Einschätzung der Zielgenauigkeit. Aus einem einzelnen Einsatz lässt sich Genauigkeit nur schwer ableiten, zumal lediglich drei Flugkörper eingesetzt wurden. Hinzu kommt, dass die beabsichtigten Zielpunkte unbekannt sind, sodass nur Annäherungen möglich sind.

Wenn man annimmt, dass das Zentrum des Hauptgebäudekomplexes als Zielpunkt diente, verfehlte der Flugkörper diesen um etwa 40 Meter. War hingegen das Gebäude selbst das Ziel, liegt die Abweichung bei höchstens 15 Metern.

Bei dem Flugkörper, der am Ufer detonierte, beträgt die Abweichung vom Zentrum des Komplexes etwa 180 bis 190 Meter. Falls dagegen der Bereich mit Luftkissenfahrzeugen und Booten nordöstlich des Kraters das Ziel war, reduziert sich die Abweichung auf etwa 80 bis 100 Meter.

Wie verhält sich dies im Vergleich zu den Herstellerangaben? Fire Point hatte für den FP-5 Flamingo eine Kreisfehlerwahrscheinlichkeit (CEP) von 14 Metern angegeben. Dies bedeutet, dass bei 100 Starts statistisch gesehen etwa 50 Flugkörper innerhalb von 14 Metern um das Ziel einschlagen, 93 innerhalb von 28 Metern und die restlichen sieben außerhalb dieses Radius.

Beim Einschlag im Gebäude erfüllte der Flugkörper die Herstellerangaben, sofern das Gebäude selbst das Ziel war. Falls jedoch das Zentrum des Komplexes anvisiert war, deutet die Abweichung auf geringere Präzision hin. Beim zweiten Einschlag verfehlte der Flugkörper das Ziel vermutlich deutlich und blieb unter den Erwartungen. Gleichwohl ist eine solche Abweichung statistisch nicht ausgeschlossen.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass die Rakete keine Punktgenauigkeit zeigte, was allerdings auch nie Zielvorgabe war. Dennoch hatten die ukrainischen Streitkräfte und der Hersteller vermutlich auf bessere Ergebnisse gehofft, gerade unter den relativ günstigen Einsatzbedingungen.

War der Einsatz hingegen primär als Machbarkeitsnachweis gedacht, wurden die Mindestanforderungen wohl erfüllt, und die gesammelten Daten sollten dem Hersteller helfen, das Programm weiterzuentwickeln.

Folgen und Ausblick

Der FP-5 Flamingo bleibt ein vielversprechendes Waffensystem für die Weiterentwicklung des ukrainischen Flugkörperprogramms. Sollte es gelingen, einen verlässlichen CEP von 14 Metern oder weniger zu erreichen und die Flugkörper zugleich in größerer Stückzahl zu produzieren, könnte sie Russlands kritische Infrastruktur, insbesondere Raffinerien, ernsthaft gefährden.

Dabei ist jedoch zu bedenken, dass es sich beim Flamingo nicht mehr um Langstreckendrohnen im Wert von 50.000 Dollar pro Stück handelt. Das gegen den Außenposten eingesetzte Flugkörperpaket dürfte bis zu 3 Millionen US-Dollar gekostet haben, was die Notwendigkeit zukünftiger erfolgreicher Einsätze unterstreicht. Auch die ausländische Finanzierung ukrainischer Flugkörpersysteme gewinnt aufgrund der steigenden Kosten zunehmend an Bedeutung.

Fire Point seinerseits hält das Marketingtempo hoch und positioniert sich klar als potenzieller Hauptproduzent ukrainischer Langstreckenwaffen. Auf der Rüstungsmesse in Kielce, Polen, stellte das Unternehmen diese Woche zwei neue ballistische Raketen vor, eine mit 200 Kilometern Reichweite und eine mit bis zu 855 Kilometern. Beide sollen über eine relativ hohe Genauigkeit verfügen (14 bzw. 20 Meter CEP).

Damit greift Fire Point nun direkt etablierte Marschflugkörperdesigns wie Long Neptune und Korshun sowie ballistische Systeme wie Hrim-2, deren Status weiterhin ungewiss ist, mit eigenen disruptiven Programmen an. Ob das Unternehmen diese Ambitionen tatsächlich einlösen kann, bleibt abzuwarten.

Autor: Fabian Hoffmann ist Doktorand am Oslo Nuclear Project an der Universität Oslo. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Verteidigungspolitik, Flugkörpertechnologie und Nuklearstrategie.