Die Düsseldorfer Rheinmetall AG schließt das erste Halbjahr 2025 mit neuen Rekordwerten bei Umsatz und Ertrag ab. Wie das Unternehmen heute im Rahmen der Veröffentlichung des Finanzberichts für die erste Jahreshälfte mitteilte, kletterte der Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 919 Millionen Euro oder 24 Prozent auf 4.735 Millionen Euro (Vorjahr: 3.815 Millionen Euro). Immer wichtiger wird dem Unternehmen zufolge dabei das Geschäft mit der Bundeswehr: Der Anteil des in Deutschland erzielten Umsatzes ist im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozentpunkte auf 29 Prozent gestiegen, der Auslandsanteil beträgt 71 Prozent.
Das operative Ergebnis im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 liegt laut Angaben des Unternehmens mit 475 Millionen Euro um 71 Millionen Euro oder 18 Prozent über dem Vorjahreswert von 404 Millionen Euro. Den Löwenanteil dazu steuerte der militärisch orientierte Bereich des Konzerns bei: Das operative Ergebnis aus dem Geschäft mit den Streitkräften belief sich im ersten Halbjahr auf 464 Millionen Euro, bei einem Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert (385 Millionen Euro).
Aufgrund des schwierigen zivilen Geschäfts und der Aufwendungen für den Produktionsstart am Standort Weeze/Niederrhein sank die operative Ergebnismarge auf Konzernebene im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht auf 10,0 Prozent (Vorjahr: 10,6 Prozent).
Der operative Free Cashflow aus fortgeführten Aktivitäten sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich um 626 Millionen Euro auf 644 Millionen Euro, nachdem er im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch bei 19 Millionen Euro gelegen hatte. Im Wesentlichen resultiert der Rückgang den Angaben zufolge aus dem Anstieg der zahlungswirksamen Investitionen vor allem für den Bau neuer Werke und den Kapazitätsaufbau an bestehenden Standorten sowie aus dem auftragsbezogenen Vorratsaufbau.
Der Wert des Rheinmetall Nomination – die Summe des Auftragseingangs und des Volumens der neu abgeschlossenen Rahmenverträge mit militärischen Kunden – reduzierte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 14 Milliarden Euro (Vorjahr: 15 Milliarden Euro) um 11 Prozent.
Die infolge der Neuwahlen verzögerte Verabschiedung des Bundeshaushalts nach dem Regierungswechsel habe zusammen mit dem NATO-Gipfel Ende Juni 2025 Auftragseingänge verzögert, schreibt Rheinmetall.
Dennoch hat der Rheinmetall Backlog – die Summe des Auftragsbestands sowie der erwarteten Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen mit militärischen Kunden – zum 30. Juni 2025 nach mehreren Großaufträgen ein neues Allzeithoch von 63 Milliarden Euro (Vorjahr: 49 Milliarden Euro) erreicht. Der Backlog umfasst neben dem Auftragsbestand auch die erwarteten Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen mit militärischen Kunden sowie die Potenziale aus Kundenvereinbarungen im zivilen Geschäft.
Der Umsatz bei Vehicle Systems, mit Tätigkeiten vor allem im Bereich der militärischen Rad- und Kettenfahrzeuge, lag nach sechs Monaten des Geschäftsjahres 2025 mit 1.897 Millionen Euro um 597 Millionen Euro oder 46 Prozent über dem Vorjahreswert. Die positive Entwicklung sei im Wesentlichen auf die Lieferung von vorproduzierten Wechsellader-Lkw für die Bundeswehr, das Anlaufen taktischer Fahrzeugprogramme mit Deutschland und weiteren internationalen Kunden sowie gestiegene Serviceleistungen zurückzuführen.
Der Rheinmetall Nomination des Segments lag im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 mit 1.427 Millionen Euro um 1.687 Millionen Euro unterhalb des Vergleichswertes des Vorjahres, welches maßgeblich durch die Beauftragung des Bundeswehr-Radpanzers Boxer („Schwerer Waffenträger Infanterie“) in Höhe von 1.643 Millionen Euro sowie des dazugehörigen Servicevertrags in Höhe von 628 Millionen Euro geprägt war.
Der Rheinmetall Backlog des Segments übertraf mit einem Wert von 20.457 Millionen Euro (30. Juni 2025) um 2.309 Millionen Euro oder 13 Prozent den Vorjahreswert. Die Investitionen lagen im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 mit 67 Millionen Euro um 23 Millionen Euro über dem Vorjahreswert von 43 Millionen Euro. Der Anstieg resultiert laut Rheinmetall aus Standortinvestitionen in den USA und dem Vereinigten Königreich.
Weapon and Ammunition erzielt Rekordumsatz
Die Sparte Weapon and Ammunition erzielte mit den Aktivitäten bei Waffensystemen, Munition und Schutzsystemen in den ersten sechs Monaten 2025 einen Rekordumsatz von 1.323 Millionen Euro und übertraf damit den Vorjahreswert um 269 Millionen Euro oder 26 Prozent. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entfällt laut Bericht insbesondere auf höhere Munitionslieferungen. Neben einem gestiegenen Absatz an Panzermunition waren den Angaben zufolge mehrere Mittelkalibermunitions- und Artillerieaufträge für NATO-Mitgliedsstaaten und die Ukraine die wesentlichen Wachstumstreiber.
Der Rheinmetall Nomination liegt mit 2.151 Millionen Euro nach den ersten sechs Monaten im Geschäftsjahr 2025 unter dem Vorjahreswert (Vorjahr: 8.828 Millionen Euro), in dem die Aufstockung eines Rahmenvertrags über 155mm-Artilleriemunition für den deutschen Kunden mit 7.121 Millionen Euro eingebucht werden konnte. Zu den bedeutenden Aufträgen im ersten Halbjahr 2025 zählen Beauftragungen für 155mm-Artilleriemunition für europäische NATO-Staaten.
Der Rheinmetall Backlog erreichte 21.593 Millionen Euro zum 30. Juni 2025. Gegenüber dem Vorjahreswert (30. Juni 2024: 18.965 Millionen Euro) betrug der Zuwachs 14 Prozent.
Die Investitionen beliefen sich auf 188 Millionen und lagen damit aufgrund von Transformations- und Kapazitätserweiterungsprojekten in mehreren Gesellschaften deutlich über dem Vorjahresniveau von 79 Millionen Euro. Rheinmetall verweist in diesem Zusammenhang auf die Investition in das neue ‚Werk Niedersachsen‘ in Unterlüß, das die Fertigungskapazität Rheinmetalls im Bereich der Artilleriemunition erheblich steigern soll und das den Probebetrieb bereits aufgenommen habe. Die größte Munitionsfabrik in Europa solle in Kürze eingeweiht werden.
Der Bereich Electronic Solutions, mit Produkten im Bereich der Digitalisierung der Streitkräfte, der infanteristischen Ausrüstung sowie der Flugabwehr und der Simulation, steigerte den Umsatz dem Bericht zufolge nach sechs Monaten des Geschäftsjahres 2025 um 297 Millionen Euro auf 944 Millionen Euro (Vorjahr: 647 Millionen Euro); dies entspricht einem Zuwachs von 46 Prozent. Der Rheinmetall Nomination konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum signifikant um 6.964 Millionen Euro oder 231 Euro auf 9.984 Millionen Euro gesteigert werden. Größte Einzelaufträge im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 bezogen sich auf die beiden Rahmenbeauftragungen für ein verlegefähiges, plattformbasiertes Kommunikations- und Richtfunkmanagementsystem (TaWAN LBO) und die Nachbeschaffung von Soldatensystemen „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ-ES), beide für den deutschen Kunden. Der Rheinmetall Backlog lag am 30. Juni 2025 bei 16.931 Millionen Euro und damit um 156 Prozent signifikant über dem Vorjahreswert (Vorjahr: 6.609 Millionen Euro).
Die Investitionen erhöhten sich im Berichtszeitraum um 55 Millionen Euro auf 75 Millionen Euro. Dabei standen vor allem der Aufbau von erforderlicher IT-Infrastruktur sowie die technische Ausstattung des Werks am Standort Weeze, in dem nun die Produktion von Rumpfmittelteilen des F-35-Kampfflugzeugs in die Startphase gegangen ist, im Mittelpunkt.
Power Systems: Umsatz geht zurück
Im Zuge der beschlossenen Fokussierung des Rheinmetall-Konzerns auf das Geschäft mit den militärischen Kunden und der Sicherheitstechnologie zählen die Aktivitäten in zivilen Bereichen nicht mehr zum strategischen Kerngeschäft. Gebündelt werden die technologischen Kompetenzen für zivile Märkte in der Division Power Systems.
Der Umsatz bei Power Systems blieb im Berichtszeitraum mit einem Volumen von 987 Millionen hinter dem Vorjahreswert (Vorjahr: 1.056 Millionen Euro) zurück. Maßgeblicher Faktor sei die anhaltende konjunkturelle Schwächephase der Automobilindustrie und die damit verbundene Verzögerung bei der Umsetzung laufender und geplanter Projekte.
Rheinmetall bestätigt nach dem ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 aufgrund der erwarteten Geschäftsentwicklung bis zum Jahresende mindestens die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2025 mit einem Wachstum beim Konzernumsatz von 25 bis 30 Prozent (Umsatz Vorjahr: 9.751 Millionen Euro). Ausgehend von dieser Umsatzprognose rechnet Rheinmetall für den Konzern inklusive Akquisitionen im laufenden Geschäftsjahr 2025 – unter Einrechnung der Holding-Kosten – mit einer Verbesserung des operativen Ergebnisses und einer operativen Ergebnismarge von rund 15,5 Prozent (Vorjahr: 15,2 Prozent). Im Lichte der Beschlüsse des NATO-Gipfels im Juni und angesichts erheblich steigender Verteidigungsbudgets in zahlreichen Ländern bleibe die Nachfrage im militärischen Geschäft unverändert hoch, schreibt Rheinmetall. Kernmärkte bleiben für das Unternehmen Europa, Deutschland und die Ukraine.
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, wird mit den Worten zitiert: „Rheinmetall ist erfolgreich auf seinem Weg, ein globaler Rüstungschampion zu werden. Mittlerweile sind wir auch für US-Unternehmen ein ernstzunehmender Partner. Unsere Auftragsbücher sind voll und werden sich in Zukunft weiter füllen.“ Sein Unternehmen werde aus vielen Ländern bezüglich neuer Projekte kontaktiert. „Diese Chancen werden wir nutzen. So sind wir dabei, unser Standbein in Mittel- und Osteuropa erheblich zu stärken.“
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