Erste Forderungen aus der CDU nach Abbruch des Bauprogramms für Fregatten der Niedersachsen-Klasse (F126)

Lars Hoffmann

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Mindestens seit Anfang des vergangenen Jahres sind die Schwierigkeiten im Bauprogramm für die neuen F126-Fregatten der Niedersachsen-Klasse der Deutschen Marine bekannt. So heißt es im 19. Rüstungsbericht von Anfang 2024, dass aufgrund von Schwierigkeiten bei der IT zwischen dem Auftragnehmer Damen Schelde Naval Shipbuilding B.V. und den Unterauftragnehmern zu Verzögerungen der Fertigung komme. Zeitliche Auswirkungen auf das Gesamtprojekt konnten damals laut Bericht noch kompensiert werden.

Die F126-Fregatten werden der Bundeswehr zufolge weltweit operieren können und umfassend zur dreidimensionalen Seekriegführung befähigt sein. Die Fregatten haben eine Länge von 167 Metern, eine Breite von rund 21 Metern und eine Verdrängung von circa 10.000 Tonnen. Mit einer Besatzungsstärke von 125 Personen werden die Schiffe für den weltweiten Einsatz im gesamten Intensitätsspektrum zur dreidimensionalen (Luft, Über- und Unterwasser) Seekriegführung befähigt sein. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören die Seeraumüberwachung, das Durchsetzen von Embargos, das Unterstützen von Spezialkräften sowie Evakuierungsoperationen. Die Aufgabenwahrnehmung wird unterstützt durch die Einrüstung von speziellen Missionsmodulen, mit denen das Schiff durch standardisierte Ausrüstungs- und Personalpakete für bestimmte Einsätze angepasst werden kann.

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Mittlerweile hat sich die Situation bei dem Milliardenprojekt jedoch weiter verschlechtert. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Nachfrage mitteilte, hat die niederländische Damen-Werft eine verspätete Ablieferung der Schiffe aufgrund von Problemen mit IT-Schnittstellen bei der firmeneigenen Konstruktions- und Fertigungssoftware angezeigt. Wie Insider berichten, führte dies unter anderem zu erheblichen Nachbesserungsarbeiten bei den deutschen Bauwerften des Projekts. Geplant war, das erste Schiff der neuen Klasse im Jahr 2028 an die Marine auszuliefern.

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„Wir sind mit den zivilen und staatlichen Verantwortlichen im ständigen Austausch, um bestmöglich bei der Entwicklung von Lösungsansätzen zu unterstützen“, so der BMVg-Sprecher. Zum aktuellen Zeitpunkt gehe das Ministerium davon aus, dass das Projekt, wenn auch mit zeitlichen Verzögerungen, fortgeführt werden könne. Angaben zu Zeitlinien oder Kostensteigerungen wollte der Sprecher nicht machen.

Während das Ministerium das Vorhaben offenbar noch nicht abschreiben will, ist bei einigen Politikern die Stimmung mittlerweile am Kipppunkt. Bastian Ernst, Marine-Berichterstatter im Bundestags-Verteidigungsausschuss für die CDU/CSU-Fraktion, sieht so gravierende Probleme bei dem Schiffbauprogramm für die F126, dass er einen Abbruch und eine Neujustierung fordert. „Wir sollten nicht versuchen, das Projekt mit noch mehr Geld am Leben zu erhalten“, sagte er im Gespräch mit hartpunkt. Von den zusätzlichen 320 Millionen Euro, die der Bund der Damen-Werft im vergangenen Jahr als Inflationsausgleich für die ersten vier Schiffe der Klasse zugebilligt habe, sei bei den deutschen Unterauftragnehmern noch nichts angekommen, beklagt der CDU-Politiker, in dessen Wahlkreis sich mehrere Marinewerften befinden. Nach seinen Informationen könnte die Verzögerung womöglich bis zu 48 Monate betragen. Eine Einschätzung, die in der Schiffbauindustrie geteilt wird. Ernst wünscht sich nach dem Abbruch des Vorhabens eine Neuplanung mit deutschen Werften. Nach Informationen von hartpunkt gibt es auch in Kreisen der SPD Sympathien für den Vorschlag. Beobachtern zufolge sind die hiesigen Werften durchaus dazu befähigt, einen Plan B umzusetzen. Knackpunkt dabei dürfte vor dem Hintergrund der russischen Bedrohung der Zeitfaktor sein.

Damen Naval war Anfang 2020 nach drei Angebotsrunden als Sieger eines europäischen Ausschreibungsverfahrens für das Mehrzweckkampfschiff 180 – später in F126 unbenannt – hervorgegangen, nachdem bis zur letzten Runde German Naval Yards Kiel (GNYK) im Rennen verblieben war. Ein Konsortium aus TKMS und NVL war bereits zuvor ausgeschieden, unter anderem, weil es zu einem zu hohen Preis angeboten hatte. German Naval Yards und TKMS waren dann für die finale Runde kurzfristig noch eine Partnerschaft eingegangen. Der Auftrag für die größten nach dem 2. Weltkrieg für die Marine vorgesehenen Kampfschiffe ging trotzdem ins Ausland. Neben den vier Festbestellungen war damals die Option für zwei weitere Schiffe im Vertrag enthalten. Diese Option wurde im vergangenen Jahr für 3,1 Milliarden Euro auch gezogen, so dass mittlerweile sechs Schiffe dieser Klasse für die Marine vorgesehen sind.  

Um mindestens 70 Prozent deutsche Wertschöpfung an dem Projekt zur realisieren, hat Generalauftragnehmer Damen die zu NVL gehörenden Werften Blohm+Voss und die Peene-Werft sowie German Naval Yards als Unterauftragnehmer mit der Fertigung beauftragt. Mit dem Bau des ersten Schiffs war Ende 2023 in der Wolgaster Peene-Werft begonnen worden, die Kiellegung des Typschiffs, der „Niedersachsen“, erfolgte dann im darauffolgenden Juni. Danach scheint sich wenig getan zu haben. Medienberichten zufolge mussten German Naval Yards, die ihren Designentwurf für die MKS 180 vermutlich noch in der Schublade haben, einen anderen Auftrag annehmen, um die eigenen Kapazitäten auszulasten. Ursprünglich war vorgesehen, die Vorschiffe der neuen Fregatten bei German Naval Yards in Kiel zu fertigen und diese dann dort mit dem in Wolgast gebauten Hinterschiff zu verbinden. Dann war vorgesehen, den Rumpf der F 126 zur Endausstattung nach Hamburg zu Blohm + Voss zu schleppen.

Wie die Wirtschaftswoche in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, soll Damen Naval aufgrund der Verzögerung beim deutschen Fregattenprogramm in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Typischerweise erfolgen Zahlungen des Auftraggebers nur nach dem Erreichen sogenannter Projekt-Meilensteine. Niederländischen Medien zufolge soll das Parlament in Den Haag bereits einer finanziellen Unterstützung des größten niederländischen Schiffbauers zugestimmt haben, der maßgeblich zur Modernisierung der eigenen Marine beitragen soll. Laut Wirtschaftswoche verhandeln Deutschland und die Niederlande bereits über Vertragsveränderungen, um das Projekt zu retten. Nun bleibt abzuwarten, ob die Probleme auf diesem Wege gelöst werden können.

Lars Hoffmann