Zwei KI-Modelle sollen die ukrainischen Streitkräfte zukünftig bei der Prognose gegnerischer Drohneneinsätze und der Planung von eigenen Artillerie-Feueraufträgen unterstützen. Während ein Model bereits für die Integration in ukrainische Lagebilderfassungssysteme vorbereitet wird, befindet sich das zweite noch in der Erprobung.
Entwickelt hat die Ukraine die beiden KI-gestützten Anwendungen für militärische Operationen gemeinsam mit der NATO. Wie das ukrainische Verteidigungsministerium am 13. Oktober mitteilte, sollen die unter den Bezeichnungen „Modell Nr. 13“ und „Modell Nr. 32“ geführten Systeme einerseits gegnerische Drohnennutzung prognostizieren und andererseits die Planung eigener Artillerieoperationen unterstützen. An der Entwicklung waren der Mitteilung zufolge das Allied Command Transformation (ACT) der NATO und die ukrainischen Streitkräfte beteiligt. Das Joint Analysis, Training and Education Centre (JATEC) unterstützte die Zusammenarbeit.
Das Modell Nr. 13 soll den Einsatz gegnerischer unbemannter Luftfahrzeuge im Bereich der Frontlinie vorhersagen. Dazu wertet die KI historische Einsatzdaten, Wetterbedingungen und die aktuelle Gefechtslage aus. Auf dieser Grundlage soll sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen können, in welchen Abschnitten der Front und zu welchen Zeitpunkten, sowie sogar mit welcher Intensität der Gegner Drohnen einsetzen wird. Zudem soll das System die voraussichtlich zu erwartenden Drohnentypen prognostizieren.
Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurde das Modell bereits anhand realer Datensätze überprüft und weiterentwickelt. Es sei nun bereit, in ein Battlefield Management System der ukrainischen Streitkräfte integriert zu werden. Auch wenn die Mitteilung keine konkreten Angaben hierzu macht, ist davon auszugehen, dass die Integration in das ukrainische Führungssystem DELTA erfolgt. Angaben zur Prognosegenauigkeit, zu den verwendeten Datenmengen oder zu bereits erzielten operativen Ergebnissen machte das Ministerium nicht.
Die Anwendung könnte es ukrainischen Kommandeuren ermöglichen, gegnerische Drohnenaktivitäten frühzeitiger zu erkennen und die eigenen Kräfte entsprechend vorzubereiten. Dazu zählen insbesondere die Anpassung von Schutzmaßnahmen, die Dislozierung von Einheiten und die Vorbereitung auf erwartete Angriffe sowie konkreten Maßnahmen zur aktiven Abwehr. Das System soll damit die militärische Entscheidungsfindung unterstützen, ersetzt jedoch nicht eine aktuelle Aufklärung und Bewertung der Gefechtslage.
Die zweite Entwicklung, mit der Bezeichnung Modell Nr. 32, verfolgt einen anderen Ansatz. Das KI-gestützte Entscheidungsunterstützungssystem soll Artillerieoperationen hochgradig automatisiert planen und dafür verschiedene operative Rahmenbedingungen berücksichtigen. Dazu gehören die verfügbaren Waffensysteme und Munitionsbestände sowie die Feuerstellungen und einsatzbedingte Einschränkungen.
Das Modell prüft zunächst, welche Handlungsoptionen unter logistischen, ballistischen und vornehmlich einsatzbezogenen Gesichtspunkten überhaupt realisierbar sind. Anschließend bewertet es die verbleibenden Möglichkeiten und erstellt eine Rangfolge geeigneter Optionen. Dadurch soll der manuelle Aufwand für den Vergleich unterschiedlicher Feuerpläne sinken. Zugleich soll sich die Zeit zwischen der Identifizierung eines Ziels und der Umsetzung einer Feuerentscheidung verkürzen.
Im Gegensatz zu Modell Nr. 13 befindet sich die zweite Anwendung noch in der Erprobung. Ein Prototyp wurde jedoch bereits an ukrainische Stellen zur Überprüfung Evaluierung übergeben.
Nach Angaben von JATEC hängt eine breitere Einführung davon ab, ob die weiteren Tests und die Validierung erfolgreich verlaufen. Anschließend könnte das System querschnittlich eingeführt werden.
JATEC als Plattform für die militärische Zusammenarbeit
Die beiden Entwicklungen verdeutlichen die zunehmende Bedeutung von Datenanalyse und maschinellem Lernen für die militärische Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und der NATO in besonderer Weise. Das 2025 in Betrieb genommene Joint Analysis, Training and Education Centre hat unter anderem den Auftrag, ukrainische Gefechtserfahrungen auszuwerten und den Austausch mit dem Bündnis zu fördern. Die gemeinsame Entwicklung von KI-Anwendungen soll dazu beitragen, operative Erkenntnisse in technische Lösungen und verbesserte Entscheidungsprozesse zu überführen.
In einer Mitteilung vom 14. Oktober bestätigte JATEC die Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums zu beiden Modellen. Demnach wurden die Anwendungen im Rahmen eines Seminars zu modernen IT-Lösungen, Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen vorgestellt. Die Veranstaltung fand im September im Nationalen Zentrum für Cybersicherheit im litauischen Vilnius statt. Rund 30 Experten aus NATO-Einrichtungen und ukrainischen Streitkräften nahmen daran teil.
Kristóf Nagy


















